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Achillessehnenentzündung (M77.9): Differenzialdiagnostik und Therapie‑Standard
Stärkste Quellenart: Systematische Übersicht oder Metaanalyse
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Übersicht
Achillessehnenentzündung (Tendinitis der Achillessehne) bezeichnet eine entzündliche oder degenerative Veränderung der Sehne, die häufig durch Überlastung entsteht. Sie tritt besonders bei sportlich aktiven Personen im Alter von 30 bis 50 Jahren auf, kann jedoch auch bei weniger belasteten Patienten vorkommen. Die klinische Relevanz liegt in Schmerzen, Funktionsverlust und erhöhtem Risiko für Rupturen, was zu Arbeitsunfähigkeit und eingeschränkter Lebensqualität führen kann.
Klinisches Erscheinungsbild
Typisch sind lokalisierte Schmerzen im distalen Drittel der Achillessehne, die zunächst bei Belastung auftreten und nach Ruhephasen abklingen. Im fortgeschrittenen Stadium können Ruheschmerzen und Morgensteifigkeit hinzukommen. Palpation offenbart häufig eine tastbare Druckempfindlichkeit und leichte Schwellung. Der klinische Verlauf ist meist schleichend; akute Exazerbationen können jedoch durch plötzliche Belastungssteigerungen ausgelöst werden.
Diagnostik
Die Anamnese fokussiert auf wiederholte oder plötzlich gesteigerte Belastungen, insbesondere Lauf- und Sprungaktivitäten, sowie frühere Sehnenprobleme. Die körperliche Untersuchung beinhaltet die Palpation der Sehne, den Thompson‑Test zur Prüfung der Muskelspannung und das aktive bzw. passive Dehnungsmanöver, bei dem Schmerzen typischerweise reproduziert werden. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomographie dienen zur Bestätigung einer Tendinitis und zur Abgrenzung von Degeneration (Tendinopathie) oder partieller Ruptur. Laboruntersuchungen sind in der Regel nicht erforderlich, können jedoch bei Verdacht auf systemische Entzündungsprozesse ergänzend eingesetzt werden.
Differenzialdiagnosen
Wesentliche abzugrenzende Diagnosen umfassen:
- Achillessehnenruptur: plötzlich einsetzender, intensiver Schmerz mit fehlender Plantarflexion und positivem Thompson‑Test.
- Tendinopathie (degenerative Sehne): meist chronischer Verlauf ohne ausgeprägte Entzündungszeichen, häufig mit strukturellen Veränderungen im Ultraschall.
- Bursitis retrocalcanealis: lokalisierte Schwellung hinter dem Fersenbein, oft mit Flüssigkeitsansammlung in der Bursa.
- Hautinfektionen oder Cellulitis: begleitende Rötung, Überwärmung und systemische Symptome.
Therapie
Die leitliniengerechte Standardtherapie beginnt mit einer initialen Belastungsreduktion und physiotherapeutischen Maßnahmen, die Dehnungs‑ sowie Kräftigungsübungen der Wadenmuskulatur umfassen. Schmerz- und Entzündungshemmung wird üblicherweise durch nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) nach klinischer Indikation erreicht. In Fällen, in denen konservative Maßnahmen unzureichend sind, kann die Injektion von plättchenreichem Plasma (PRP) als adjunctive Therapie erwogen werden; aktuelle Daten aus einer deutschen Fachzeitschrift zeigen eine mögliche Wirksamkeit von PRP bei Achillessehnenentzündungen. Operative Eingriffe bleiben reserviert für therapieresistente Verläufe oder begleitende Rupturen.
Besondere Populationen
Für Schwangere, Kinder und Jugendliche sowie ältere Patienten liegen nur begrenzte Evidenzen vor; die Therapie sollte individuell angepasst und Belastungsreduktion besonders betont werden. Bei Nieren- oder Leberinsuffizienz ist Vorsicht bei der Anwendung von NSAR geboten, wobei alternative Analgetika in Erwägung zu ziehen sind.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
Seltene Konstellationen wie chronische Tendinopathie mit begleitender Kalkablagerung werden derzeit in kleineren Fallserien untersucht; ein klarer Konsens zur optimalen Therapie fehlt. Die jüngste Literatur hebt die Notwendigkeit weiterer randomisierter kontrollierter Studien hervor, insbesondere zur Bewertung von PRP im Vergleich zu etablierten konservativen Maßnahmen.
Verwandte Codes
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
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