Wissensartikel · DE
Akute Epiglottitis – Diagnostik, Differenzialdiagnostik & Therapie‑Standard
Stärkste Quellenart: Leitlinie oder Konsensus
- Leitlinie oder Konsensus: 1
- Systematische Übersicht oder Metaanalyse: 2
- Übersichtsarbeit: 2
Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.
In diesem Artikel
Übersicht
Acute Epiglottitis ist eine plötzlich auftretende, potenziell lebensbedrohliche Entzündung der Epiglottis, die zu einer schnellen Obstruktion des oberen Atemwegs führen kann. Sie tritt vor allem bei Kindern im Alter von 2 bis 7 Jahren auf, ist jedoch seit Einführung breitflächiger Impfungen gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib) seltener geworden und verlagert sich zunehmend in die Erwachsenenpopulation. Die Erkrankung hat wegen ihrer raschen Progression und dem Risiko einer akuten Atemwegsobstruktion eine hohe klinische Relevanz.
Klinisches Erscheinungsbild
Typisch ist ein plötzliches Auftreten von hohem Fieber, starkem Halsschmerz und Dysphagie, die das Schlucken von Flüssigkeiten erschwert. Patienten zeigen häufig eine „Schnabel‑“ oder „Katzen‑“Stimme (Dysphonie) sowie ein auffälliges Anheben des Halses („Tripod‑Position“) zur Optimierung der Atemwege. Das inspiriert einen schnellen Verlauf mit möglicher Atemnot, Stridor und Zyanose. Im Gegensatz zu Krupp (Pseudokrupp) fehlt meist das charakteristische bellende Stöhnen; die Atemgeräusche sind eher rau und inspiratorisch betont.
Diagnostik
Die Anamnese fokussiert auf plötzliches Fieber, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und mögliche Impfstatus‑Informationen. Die körperliche Untersuchung sollte in einer ruhigen Umgebung erfolgen, um eine weitere Verschlechterung zu vermeiden; typische Befunde sind drohende Atemnot, inspiratorischer Stridor und das charakteristische „Tripod“-Verhalten. Laborparameter können eine Entzündungsreaktion (erhöhte CRP, Leukozytose) zeigen, liefern jedoch keine diagnostische Sicherheit. Bildgebend ist die direkte Sicht auf die Epiglottis mittels Laryngoskopie oder Fiberoptik‑Bronchoskopie der Goldstandard; hier zeigt sich eine geschwollene, glänzende, rote Epiglottis („Cherry‑red sign“). Röntgenaufnahmen des Halses können ein vergrößertes „Steeple‑Sign“ zeigen, sind jedoch nicht spezifisch und dürfen die definitive Diagnostik nicht ersetzen.
Differenzialdiagnosen
Wichtige abzugrenzende Erkrankungen umfassen Krupp (virale Laryngotracheobronchitis), bakterielle Tracheitis, peritonsilläre Abszesse, Retropharyngealabszesse sowie akute epiglottische Obstruktion durch Fremdkörper. Im Gegensatz zum Krupp ist das Stridor bei Epiglottitis meist ruhiger und die Patienten zeigen stärker ausgeprägte systemische Symptome (hohes Fieber). Peritonsilläre Abszesse gehen mit asymmetrischer Tonsillenvergrößerung und Schluckbeschwerden einher, während bei Epiglottitis die Sicht auf die Epiglottis zentral betroffen ist. Retropharyngeale Abszesse zeigen häufig eine laterale Verschiebung der Rachenwand und können mittels CT eindeutig diagnostiziert werden.
Therapie
Die sofortige Sicherstellung der Atemwege hat höchste Priorität; bei drohender Obstruktion erfolgt ein kontrollierter Intubationsversuch im OP‑Bereich oder, falls nötig, ein chirurgischer Tracheostoma. Nach Stabilisierung wird eine leitliniengerechte antibiotische Therapie eingeleitet, die sich an den typischen Erregern (Hib, Streptococcus pneumoniae, Staphylococcus aureus) orientiert. Zusätzlich werden unterstützende Maßnahmen wie Flüssigkeitszufuhr und antipyretische Behandlung eingesetzt. Die Dauer der Antibiotikatherapie richtet sich nach klinischem Ansprechen und lokalen Standards.
Besondere Populationen
Bei Schwangeren gilt die gleiche Atemwegs‑Sicherungsstrategie; jedoch sollte das Risiko einer teratogenen Medikation beachtet werden, weshalb die Auswahl des Antibiotikums an den Schwangerschaftsstatus angepasst wird. Bei Kindern ist die Intubation besonders herausfordernd und erfordert erfahrenes Personal sowie geeignete Gerätegrößen. Ältere Patienten besitzen häufig Begleiterkrankungen (z. B. COPD), die das Atemwegsmanagement erschweren können. Bei Nieren‑ oder Leberinsuffizienz muss die Dosierung der antimikrobiellen Therapie angepasst werden, wobei konkrete Anpassungsregeln in den jeweiligen Fachleitlinien definiert sind.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
Seltene Konstellationen umfassen Epiglottitis bei immunsupprimierten Patienten (z. B. nach Organtransplantation) und atypische Erreger wie Candida‑Arten. Aktuelle Untersuchungen betonen die Notwendigkeit einer schnellen bildgebenden Diagnostik in Kombination mit klinischer Bewertung, um unnötige Intubationen zu vermeiden. Studien aus den letzten Jahren zeigen, dass ein frühzeitiger Einsatz von Breitbandantibiotika das Risiko von Komplikationen reduziert, jedoch fehlt eine konsistente Evidenzbasis für die optimale Therapiedauer. Weitere randomisierte kontrollierte Studien sind erforderlich, um die Behandlung bei erwachsenen Patienten und speziellen Risikogruppen zu optimieren.
Verwandte Codes
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.