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Akutes fetales Leberversagen in der Schwangerschaft – Diagnostik & Therapie‑Standard

Stärkste Quellenart: Leitlinie oder Konsensus
  • Leitlinie oder Konsensus: 1
  • Übersichtsarbeit: 4

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

HOS-021045

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Acute fatty liver of pregnancy (AFLP) ist eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Lebererkrankung, die typischerweise im dritten Trimester auftritt. Die Inzidenz liegt in westlichen Populationen bei etwa 1 – 2 pro 10.000 Schwangerschaften. Sie gehört zu den schwangerschaftsassoziierten Leberstörungen und zeichnet sich durch eine rasche Akkumulation von Triglyceriden in Hepatozyten aus, was zu einer akuten hepatischen Funktionsstörung führt. Aufgrund ihrer hohen Morbidität und Mortalität ist ein frühzeitiges Erkennen entscheidend für das materno-fetale Outcome.

Klinisches Erscheinungsbild

Patientinnen mit AFLP präsentieren sich meist im späten zweiten oder frühen dritten Trimester mit unspezifischen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, epigastrischen Schmerzen und allgemeiner Schwäche. Typische Befunde sind Ikterus, hepatische Enzephalopathie‑ähnliche Verwirrtheit sowie ein plötzliches Auftreten einer Leberinsuffizienz. Laborchemisch zeigen sich erhöhte transaminasen, Hyperbilirubinämie, Hypoglykämie und eine verlängerte Prothrombinzeit. Der klinische Verlauf kann innerhalb von Tagen zu multiplen Organversagen führen, wenn keine rasche Intervention erfolgt.

Diagnostik

Die Diagnose beruht auf einer Kombination aus Anamnese, klinischem Bild und spezifischen Labor- sowie bildgebenden Kriterien. Die klassische Anamnese umfasst das späte Auftreten der Symptomatik im Schwangerschaftsverlauf ohne vorherige Lebererkrankung. Klinisch wird eine hepatische Enzephalopathie‑ähnliche Verwirrtheit bewertet. Labordiagnostisch sind charakteristisch: stark erhöhte Aminotransferasen, Hyperbilirubinämie, Hypoglykämie, metabolische Azidose sowie ein erhöhter INR. Bildgebend kann eine Sonographie eine hepatische Steatose zeigen, ist jedoch nicht zwingend erforderlich für die Diagnose. Die etablierten diagnostischen Kriterien (z. B. Swansea‑Kriterien) werden angewendet, um AFLP von anderen schwangerschaftsassoziierten Lebererkrankungen abzugrenzen.

Differenzialdiagnosen

Wichtige Differenzialdiagnosen umfassen:

  • Präeklampsie/HELLP-Syndrom: meist mit Blutdrucksteigerung und hämolytischer Anämie, während bei AFLP die Hypoglykämie stärker ausgeprägt ist.
  • Gallensteindiagnose (Cholezystitis, choledocholithiasis): charakteristische biliäre Obstruktion und Ultraschallbefunde.
  • Virale Hepatitis: typischerweise mit stark erhöhten Transaminasen und serologischen Nachweisen.
  • Autoimmune Hepatitis: positive Autoantikörper und chronische Verlaufsmuster.

Die Unterscheidung erfolgt durch gezielte Laborparameter (z. B. hämolytische Marker, Blutdruck) sowie bildgebende Verfahren.

Therapie

Die Behandlung von AFLP ist primär obstetrisch‑medizinisch orientiert. Der entscheidende therapeutische Schritt besteht in der sofortigen Entbindung, da die Erkrankung nach Geburt meist reversibel verläuft. Peripartale Betreuung erfolgt auf einer Intensivstation mit engmaschiger Überwachung von Blutgerinnung, Glukose und Elektrolyten. Unterstützende Maßnahmen umfassen:

  • Korrektur der Hypoglykämie durch kontinuierliche Glukoseinfusion.
  • Management der Koagulopathie mittels Frischplasma oder Prothrombin-Komplex‑Konzentraten.
  • Behandlung von akuter Niereninsuffizienz und pulmonaler Ödembildung nach Bedarf.

Eine leitliniengerechte Therapie beinhaltet zudem die Vermeidung hepatotoxischer Medikamente und die Optimierung der hämodynamischen Situation.

Besondere Populationen

Zu den besonderen Patientengruppen zählen Frauen mit vorbestehender Lebererkrankung oder metabolischen Störungen, bei denen das Risiko für AFLP erhöht sein kann. Bei diesen Patientinnen ist eine besonders vigilantere pränatale Überwachung empfehlenswert. Für Neugeborene besteht ein erhöhtes Risiko für hypoglykämische Episoden und Atemnotsyndrome; daher sollten sie unmittelbar nach der Entbindung engmaschig überwacht werden.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Seltene Konstellationen, wie das gleichzeitige Auftreten von AFLP und schwerer Präeklampsie, wurden in Einzelfallberichten beschrieben, wobei die kombinierte Pathophysiologie zu einer erhöhten Mortalität führt. Aktuelle Literatur betont weiterhin den Mangel an randomisierten kontrollierten Studien zur optimalen perioperativen Managementstrategie; die meisten Empfehlungen beruhen auf retrospektiven Analysen und Fallserien. Laufende prospektive Registerstudien sollen künftig robustere Evidenz für spezifische therapeutische Interventionen liefern.

Verwandte Codes

Zu AFLP gehören im ICD‑10‑System insbesondere die Codes O35.4 (Schwangerschaftsassoziierte Lebererkrankungen) und K71.0 (Akute fettige Degeneration der Leber). Weitere benachbarte Diagnosen im selben Kapitel umfassen O14 (Präeklampsie) und O75.1 (HELLP‑Syndrom).

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.