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Akut‑auf‑chronisches Leberversagen (K72.10) – Diagnostik, Differenzialdiagnostik & Therapie‑Standard
Stärkste Quellenart: Leitlinie oder Konsensus
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In diesem Artikel
Übersicht
Akut‑auf‑chronisches Leberversagen (AoCLF) bezeichnet das plötzliche Auftreten einer akuten hepatischen Dekompensation bei bereits bestehender chronischer Lebererkrankung. Die Prävalenz ist in Deutschland nicht exakt quantifiziert, wird jedoch als relevanter Anteil der Intensivpatienten mit Leberzirrhose beschrieben. Klinisch steht AoCLF für eine hohe Morbidität und Mortalität, da die kompensatorischen Reserven bereits erschöpft sind und ein rascher Funktionsverlust zu multiorganer Dysfunktion führen kann.
Klinisches Erscheinungsbild
Typische Leitsymptome umfassen plötzlich auftretende Enzephalopathie, hepatische Gerinnungsstörung mit prolongierter INR sowie schnelle Verschlechterung der Laborparameter (steigende Bilirubinwerte, transaminasen). Häufig begleiten ein hepatorenales Syndrom, Aszites und/oder eine akute Verschlechterung des portalen Blutflusses. Der Verlauf ist gekennzeichnet durch rasche Progression innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen, wobei die Mortalität stark mit dem Ausmaß der Organbeteiligung korreliert.
Diagnostik
Die Anamnese fokussiert auf bekannte chronische Lebererkrankungen (z. B. alkoholische Zirrhose, Virushepatitis, nicht‑alkoholische Fettleber) und potenzielle Trigger wie Infektionen, Medikamententoxizität oder Blutungen. Klinisch wird die Enzephalopathie nach standardisierten Skalen beurteilt, und ein umfassendes körperliches Exam identifiziert Zeichen von Aszites, Ödemen oder hepatischer Stauung. Laboruntersuchungen umfassen Leberfunktionsparameter (AST, ALT, Bilirubin), Gerinnungsstatus (INR, Quick), Ammoniak sowie Nierenfunktion (Kreatinin, Harnstoff). Bildgebende Verfahren (Ultraschall, CT) dienen der Ausschlussdiagnostik von portaler Thrombose und zur Beurteilung des Aszites. Die Diagnose AoCLF wird gestellt, wenn eine akute Verschlechterung dieser Parameter bei bekannter chronischer Lebererkrankung nachweislich vorliegt.
Differenzialdiagnosen
Wichtige abzugrenzende Diagnosen sind das primäre akute Leberversagen ohne zugrunde liegende Chronizität, hepatisches Enzephalopathiesyndrom im Rahmen einer dekompensierten Zirrhose ohne akuten Funktionsverlust sowie das hepatorenale Syndrom als eigenständiges klinisches Bild. Darüber hinaus müssen systemische Ursachen für Multiorganversagen (z. B. Sepsis, kardiogener Schock) ausgeschlossen werden. Bildgebende und laborchemische Befunde helfen, eine portale Thrombose oder ein akutes Blutungsereignis zu differenzieren.
Therapie
Die Behandlung orientiert sich an leitliniengerechten Standards für die Intensivmedizin bei Leberinsuffizienz. Zentrale Maßnahmen umfassen die sofortige Identifikation und Beseitigung auslösender Faktoren (z. B. Infektionen, Medikamententoxizität). Die gerinnungsstabilisierende Therapie richtet sich nach dem INR‑Wert, wobei gegebenenfalls Vitamin‑K‑Substitution eingesetzt wird. Bei hepatischer Enzephalopathie erfolgt eine Reduktion der Ammoniakproduktion durch Laktulose und ggf. Rifaximin. Flüssigkeits- und Elektrolytmanagement berücksichtigt die Gefahr von Volumenüberladung und Aszites. Das hepatorenale Syndrom wird nach den Prinzipien einer vasokonstriktiven Therapie behandelt, wobei Albumin‑Infusionen und vasoaktive Substanzen zum Einsatz kommen können. Bei fortgeschrittener Organversagen kann ein temporäres Leberunterstützungsverfahren (z. B. extracorporeales Liver Support System) indiziert sein.
Besondere Populationen
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
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Verwandte Codes
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