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Akute obstruktive Laryngitis (Krupp) und Epiglottitis – Differenzialdiagnostik & Therapie‑Standard
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In diesem Artikel
Übersicht
Akute obstruktive Laryngitis (häufig als Krupp bezeichnet) und Epiglottitis sind entzündliche Erkrankungen des oberen Atemwegs, die insbesondere im Kindes- und Jugendalter zu akuter Atemnot führen können. Beide Zustände gehören zu den respiratorischen Notfällen, da sie rasch zu lebensbedrohlicher Obstruktion des Luftstroms eskalieren. Während die Laryngitis typischerweise durch virale Infektionen ausgelöst wird und einen relativ benignen Verlauf hat, ist die Epiglottitis häufig bakteriell bedingt und kann schnell zu einer kritischen Atemwegsobstruktion führen.
Klinisches Erscheinungsbild
Bei der akuten obstruktiven Laryngitis dominieren ein plötzlich auftretender bellender Husten („Bellen“), inspiratorische Stridor sowie ein charakteristisches Heulen (Stridor) bei Belastung. Die Symptome verstärken sich häufig nachts, und die betroffenen Kinder zeigen typischerweise eine erhöhte Atemfrequenz mit bewahrter Sauerstoffsättigung in frühen Stadien. Das klinische Bild der Epiglottitis ist durch plötzlich auftretende schwere Dysphagie, starkes Schluckbeschwerden, sprechunfähige Patienten, hochgradigen Stridor und häufig ein „schnelles“ Atemgeräusch ohne ausgeprägten Husten gekennzeichnet. Die betroffenen Kinder können eine sitzende Position (Tripod‑Stellung) einnehmen, um die Atemwege zu entlasten.
Diagnostik
Die Anamnese fokussiert auf den plötzlichen Beginn von Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und das Vorhandensein von Fieber. Bei der Laryngitis wird häufig eine virale Vorgeschichte (z. B. Rhinovirus, Parainfluenzavirus) erfragt, während bei der Epiglottitis ein bakterieller Erregerverdacht (häufig Haemophilus influenzae Typ b) besteht. Die körperliche Untersuchung umfasst die Sichtkontrolle des Halses, wobei bei Verdacht auf Epiglottitis eine direkte Inspektion ohne Spiegel vermieden wird, um keine weitere Obstruktion zu provozieren. Stattdessen erfolgt ein vorsichtiges Ansehen mit einem flexiblen Endoskop unter gesicherter Atemwegsanästhesie. Laborbefunde können bei Epiglottitis erhöhte Entzündungsparameter (CRP, Leukozytose) zeigen; bei Laryngitis sind diese meist unauffällig. Bildgebende Verfahren wie ein lateraler Hals‑Röntgenaufnahmepositon kann bei Epiglottitis eine vergrößerte „Schmetterlings“-Silhouette der Epiglottis offenbaren, ist jedoch nicht zwingend erforderlich, wenn die klinische Diagnose klar ist.
Differenzialdiagnosen
Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen:
- Bakterielle Tracheitis: meist nach einer viralen Infektion mit produktivem Husten und Rasselgeräuschen.
- Asthma bronchiale: reversibler Obstruktion, typischerweise mit Giemen statt Stridor.
- Peritonsillarabszess: lokalisierte Halsschmerzen, asymmetrische Tonsillenvergrößerung, nicht primär mit Stridor verbunden.
- Croup‑ähnliche Syndrome durch Fremdkörperaspiration: plötzliches Auftreten von Husten und Stridor nach Aspiration eines Fremdmaterials.
Therapie
Die Behandlung richtet sich nach dem jeweiligen Krankheitsbild. Bei akuter obstruktiver Laryngitis wird eine leitliniengerechte Therapie mit inhalativen Kortikosteroiden empfohlen, um die Schleimhautschwellung zu reduzieren, sowie ggf. ein kurzzeitiger Einsatz von nebulisiertem Adrenalin bei moderater bis schwerer Obstruktion. Die Patienten sollten in einer Umgebung mit optimaler Luftfeuchtigkeit betreut werden und engmaschig auf Verschlechterungen des Stridors überwacht werden.
Bei Epiglottitis ist eine sofortige Sicherung der Atemwege essenziell, häufig durch endotracheale Intubation unter kontrollierten Bedingungen oder im Notfall per Tracheotomie. Nach Stabilisierung erfolgt eine antibiotische Standardtherapie, die auf die typischen Erreger abzielt und intravenös verabreicht wird. Zusätzlich wird eine supportive Therapie mit Flüssigkeitszufuhr und Schmerzmanagement durchgeführt.
Besondere Populationen
Bei schwangeren Patientinnen gelten dieselben Prinzipien der Atemwegssicherung; jedoch sollte die medikamentöse Therapie unter Berücksichtigung möglicher fetaler Risiken ausgewählt werden. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Schwelle für eine invasive Atemwegsintervention niedriger, da anatomische Gegebenheiten schneller zu kritischen Obstruktionen führen können. Ältere Patienten mit vorbestehenden kardiopulmonalen Erkrankungen benötigen engmaschige kardiale Überwachung während der Therapie. Bei Nieren- oder Leberinsuffizienz ist die Dosierung von systemisch wirksamen Medikamenten ggf. anzupassen, wobei die inhalative Verabreichung bevorzugt wird, um systemische Belastungen zu minimieren.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
Seltene Konstellationen wie eine simultane Kombination beider Erkrankungen oder das Auftreten einer akuten obstruktiven Laryngitis bei immunkompromittierten Kindern wurden in wenigen Fallberichten beschrieben; die Evidenz bleibt jedoch sehr begrenzt. Aktuelle Untersuchungen zur Wirksamkeit von hochdosierten inhalativen Kortikosteroiden im Vergleich zu systemischer Verabreichung zeigen keine eindeutige Überlegenheit, sodass weitere randomisierte Studien erforderlich sind, um eine klare Empfehlung aussprechen zu können.
Verwandte Codes
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
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