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Angeborene Anusatresie und -stenose (Q42.3): Diagnostik, Differenzialdiagnosen & Therapie‑Standard
Stärkste Quellenart: Übersichtsarbeit
- Übersichtsarbeit: 1
- Fachartikel ohne Angabe des Studientyps: 1
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In diesem Artikel
Übersicht
Angeborenes Fehlen, Atresie und Stenose des Anus ohne Fistel sind seltene kongenitale Fehlbildungen des distal‑rektalen Traktes. Sie gehören zu den anorektalen Malformationen und manifestieren sich primär durch das komplette oder teilweise Fehlen einer Öffnung des Analkanals bei der Geburt. Die Inzidenz liegt im niedrigen einstelligen Bereich pro 10 000 Lebendgeburten; genaue Zahlen variieren je nach Erfassungsgrundlage. Klinisch sind sie relevant, weil sie zu schwerer Obstipation, Darmverschluss und sekundären Komplikationen wie Dilatation des proximalen Darms führen können. Die Fehlbildung kann isoliert auftreten oder im Kontext von Syndromen (z. B. Currarino‑Syndrom) vorkommen.
Klinisches Erscheinungsbild
Neugeborene mit anorektaler Atresie bzw. Stenose ohne fistuläre Verbindung zeigen unmittelbar nach der Geburt das Fehlen einer sichtbaren Anusöffnung und keine spontane Defäkation. Typisch ist ein aufgeblähter Abdomen, fehlende Gasdurchtritt im Rektum bei Röntgen sowie ggf. ein distales Darmsegment, das sich nicht mit dem Analkanal verbindet. Bei Stenosen kann eine kleine Öffnung vorhanden sein, die jedoch zu starkem Widerstand und chronischer Obstipation führt. Im weiteren Verlauf können Wiederholungsinfektionen, Dilatation des proximalen Kolons und Wachstumsverzögerungen auftreten, insbesondere wenn keine adäquate Entleerung gewährleistet ist.
Diagnostik
Die Anamnese fokussiert auf die fehlende Anusöffnung bei der Geburt sowie mögliche familiäre Häufung von anorektalen Fehlbildungen. Die körperliche Untersuchung bestätigt das Fehlen einer perianalen Öffnung und beurteilt das Perineum auf Begleitmalformationen (z. B. Genitalanomalien). Bildgebend wird zunächst ein invertiertes Röntgen des Abdomens mit Kontrast (Klonk‑ oder Wasserlösungs‑Kontrast) eingesetzt, um die Distanz zwischen proximalem Darm und distalem Blinddarmsegment zu bestimmen und eine mögliche Stenose zu visualisieren. Ultraschall kann ergänzend zur Beurteilung von Begleitsyndromen (z. B. Sacrumanomalien beim Currarino‑Syndrom) dienen. Die Diagnose wird gestellt, wenn ein komplettes Fehlen des Analkanals ohne fistuläre Verbindung nachgewiesen ist oder eine signifikante luminale Verengung vorliegt.
Differenzialdiagnosen
Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen:
- Analstenose mit kleiner, aber vorhandener Öffnung – unterscheidet sich durch das Vorhandensein einer Durchgangsöffnung.
- Anorektale Fistelmalformationen (z. B. Rektovaginale oder Rectourethrale Fisteln) – hier besteht ein abnormaler Epithel‑Durchtritt zum Urogenitaltrakt.
- Hirschsprung‑Krankheit – charakterisiert durch fehlende enterische Nervenzellen, jedoch mit intakter Anusöffnung und meist verzögert auftretender Obstipation.
- Sakrale Dysraphie ohne Anusfehlbildung – kann ähnliche perineale Befunde zeigen, aber keine direkte Darmaufweichung.
Therapie
Die leitliniengerechte Therapie besteht in einer primären chirurgischen Rekonstruktion. Bei kompletter Atresie wird meist ein Posterior‑Sagittal-Anorektaler‑Mikro‑Rekonstruktions‑Ansatz (PSARP) oder eine transanal‑endoskopische Technik eingesetzt, um das proximale Darmsegment mit dem Anus zu verbinden und die sphinktorische Funktion wiederherzustellen. Bei Stenosen kann zunächst ein Dilatationsverfahren versucht werden; scheitert dies, folgt ebenfalls eine operative Rekonstruktion. Postoperativ ist ein konsequentes Anal‑Manometrie‑Monitoring sowie ein defäkologisches Trainingsprogramm zur Förderung der Kontinenz wichtig. Langzeitnachsorge umfasst regelmäßige Kontrolle von Wachstum, Ernährungsstatus und Darmfunktion, insbesondere bei Begleitsyndromen wie dem Currarino‑Syndrom, wo zusätzliche urologische oder orthopädische Aspekte zu berücksichtigen sind.
Besondere Populationen
Bei Neugeborenen mit begleitendem Currarino‑Syndrom ist die kombinierte Evaluation von Anusfehlbildung und sakraler Dysraphie erforderlich; das klinische Follow‑up muss sowohl gastrointestinale als auch urologische Parameter einbeziehen. Bei pränatal diagnostizierten Fällen kann eine interdisziplinäre Planung (Perinatologie, Kinderchirurgie, Neonatologie) die zeitnahe operative Versorgung nach der Geburt ermöglichen. Daten zu älteren Patienten oder solchen mit Nieren‑/Leberinsuffizienz liegen in den geprüften Quellen nicht vor.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Verwandte Codes
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
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