Zum Inhalt

HealthOSArtikel A–Z

Arbeitsbereiche

Nachschlagen

Wissensartikel · DE

Angeborenes Fehlen und Aplasie des Penis – Diagnostik, Differenzialdiagnosen & Therapie‑Standard (ICD‑10 Q55.5)

Stärkste Quellenart: Beobachtungs- oder Vergleichsstudie
  • Beobachtungs- oder Vergleichsstudie: 1
  • Übersichtsarbeit: 1
  • Fallbericht oder Meinungsbeitrag: 3
  • Fachartikel ohne Angabe des Studientyps: 2

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

HOS-030080

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Angeborenes Fehlen (Agenesis) und Aplasie des Penis sind extrem seltene Fehlbildungen der männlichen Genitalien, die in den verfügbaren Fallberichten als isolierte Anomalie oder im Kontext komplexer urogenital‑anorektaler Syndromkomplexe beschrieben werden. Die Prävalenz liegt weit unter 1 % aller angeborenen Fehlbildungen; genaue Zahlen fehlen aufgrund der geringen Fallzahl. Klinisch sind sie relevant, weil das Fehlen eines Penis die Fähigkeit zur Ausscheidung von Urin über die Harnröhre und die spätere sexuelle Funktion beeinträchtigt und häufig mit weiteren Fehlbildungen wie Anorektalmalformationen, renaler Agenesis oder vesikoureteralem Reflux (VUR) assoziiert ist.

Klinisches Erscheinungsbild

Betroffene zeigen von Geburt an das Fehlen eines sichtbaren Penis; die äußeren Genitalien bestehen aus einem normalen Skrotum mit meist beidseitig vorhandenen Hoden. In vielen Fällen liegt eine Urethrorektal‑ oder Urethrovaginalfistel vor, sodass Urin über den Darm oder die Vagina ausgeschieden wird. Begleitende Fehlbildungen, die in den Fallberichten wiederholt auftreten, umfassen Anorektalmalformationen (z. B. imperforierter Anus), bilaterale Nierenagenesis und vesikoureteralen Reflux, was zu rezidivierenden Harnwegsinfektionen führt. Der Verlauf ist von der Schwere der Begleitfehlbildungen abhängig; ohne adäquate Rekonstruktion besteht ein hohes Risiko für Niereninsuffizienz.

Diagnostik

Die Anamnese fokussiert auf die perinatale Geschichte, Familienanamnese und das Vorhandensein weiterer Fehlbildungen. Klinisch wird das Fehlen des Penis sowie das Vorhandensein von Skrotum und Hoden beurteilt; eine Palpation der Hoden ist wichtig zur Beurteilung ihrer Position und Größe. Bildgebende Verfahren (Ultraschall, MRT) dienen der Evaluation der Urethra, des Blasenbodens und möglicher Fisteln sowie der Suche nach renaler Agenesis oder anderen urogenitalen Fehlbildungen. Intravenöse Pyelographie bzw. VCUG (voiding cystourethrography) wird eingesetzt, um VUR zu diagnostizieren. Die Diagnose basiert auf dem klinischen Bild kombiniert mit bildgebenden Befunden; es existieren keine einheitlichen internationalen Kriterien, jedoch werden die beschriebenen Merkmale in den Fallberichten konsistent verwendet.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen:

  • Hypospadie – Vorhandensein eines Penis mit ventraler Harnröhrenöffnung, nicht vollständiges Fehlen.
  • Intersexuelle Varianten (z. B. 46,XY‑DSD) – Oft verbunden mit Gonadendysgenesie oder hormonellen Defekten; das Skrotum kann reduziert sein.
  • Urethral‑Atresie – Vorhandener Penis, aber keine durchgängige Harnröhre; unterscheidet sich vom kompletten Fehlen des Organs.
  • Anorektale Fehlbildungen ohne Peniskomponente – Können ähnlich präsentierte Fisteln verursachen, jedoch fehlt das komplette Fehlen des Penis.

Die Unterscheidung erfolgt primär durch körperliche Untersuchung und bildgebende Diagnostik.

Therapie

Aufgrund der extrem geringen Fallzahl gibt es keine standardisierte Leitlinie; die therapeutischen Ansätze orientieren sich an den berichteten Einzelfällen. Grundprinzipien sind:

  • Urethrale Rekonstruktion – Moderne Techniken nutzen pedikulierte Appendix‑Transplantate oder Skrotal‑Flap‑Phalloplastik, um eine funktionelle Harnröhre zu schaffen und ggf. einen temporären Neophallus zu erzeugen.
  • Korrektur von Begleitfehlbildungen – Anorektale Malformationen werden chirurgisch korrigiert (z. B. Pull‑through‑Verfahren). Renale Agenesis erfordert nephrologische Überwachung; bei VUR wird eine prophylaktische antibiotische Therapie oder operative Korrektur in Erwägung gezogen.
  • Langfristige Nachsorge – Regelmäßige urologische Kontrollen, Assessment der Nierenfunktion und psychosexuelle Betreuung im Jugendalter.

Die berichteten Fälle zeigen, dass pedikulierte Appendix‑Grafts und Skrotal‑Flap‑Phalloplastik sowohl kurzfristig als auch langfristig funktionsfähige Ergebnisse liefern können. Eine einheitliche Therapieempfehlung fehlt; Entscheidungen werden individuell nach interdisziplinärer Konsultation getroffen.

Besondere Populationen

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Verwandte Codes

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.