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Boerhaave‑Syndrom (K22.3): Differenzialdiagnostik und Therapie‑Standard

Stärkste Quellenart: Übersichtsarbeit
  • Übersichtsarbeit: 5

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

HOS-010354

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Das Boerhaave‑Syndrom bezeichnet die spontane, meist durch starkes Erbrechen ausgelöste Ruptur der distalen Ösophaguswand. Es handelt sich um eine seltene, aber hochgradig lebensbedrohliche Notfallsituation mit einer Mortalität, die trotz moderner Therapie noch erheblich ist. Die Inzidenz liegt im niedrigen einstelligen Bereich pro 100 000 Einwohner jährlich und betrifft überwiegend erwachsene Männer nach übermäßigem Alkoholkonsum oder schweren Mahlzeiten.

Klinisches Erscheinungsbild

Typisch tritt das Syndrom plötzlich nach einem intensiven Emesis‑Ereignis auf. Patienten präsentieren sich mit akuten retrosternalen Brustschmerzen, die häufig in den Rücken ausstrahlen, begleitet von Atemnot und Tachypnoe. Das klinische Bild kann durch subkutanes Emphysem im Hals‑ bzw. Gesichtsbereich (sogenannte „Mackler‑Trias“: Erbrechen, Thoraxschmerz, subkutanes Emphysem) ergänzt werden. Häufig folgt ein rascher hämodynamischer Abfall, Zeichen einer Sepsis und eine Verschlechterung der respiratorischen Situation infolge eines Pneumomediastinums oder Pleuraergusses.

Diagnostik

Die Anamnese fokussiert das Auftreten von starkem Erbrechen unmittelbar vor dem Schmerzbeginn. Klinisch sollte nach subkutanem Emphysem, Hamman‑Zeichen (knisternde Geräusche über dem Herz) und pleurischen Befunden gesucht werden. Laborbefunde zeigen häufig eine Entzündungsreaktion mit erhöhten Leukozytenzahlen und CRP; ein Anstieg von Serumamylase kann ebenfalls auftreten, ist jedoch unspezifisch. Bildgebend ist die Computertomographie des Thorax mit Kontrastmittel der Goldstandard: Sie visualisiert den Ösophagusperforationsort, das Ausmaß des Mediastinums, Pneumothorax und mögliche Kontamination des Pleura- oder Peritonealraums. In Fällen mit starkem klinischem Verdacht kann ein wasserlöslicher Kontrast (z. B. Gastrografin) im Rahmen einer Ösophagografie eingesetzt werden, wobei das Risiko einer Aspiration zu berücksichtigen ist.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen akute Koronarsyndrome, aortale Dissektion, Pneumothorax, mediastinale Tumoren und andere Ursachen von Brustschmerzen wie Perikarditis. Das Vorhandensein eines subkutanen Emphysems nach Erbrechen spricht stark für eine Ösophagusperforation, während kardiale Schmerzen typischerweise nicht mit Emesis assoziiert sind. Bildgebung unterscheidet die genannten Zustände eindeutig.

Therapie

Die Behandlung erfolgt zwingend in einem interdisziplinären Setting (Chirurgie, Intensivmedizin, Radiologie). Grundprinzipien sind sofortige Nahrungsabstinenz, Breitbandantibiotika zur Verhinderung mediastineller Infektionen und chirurgische bzw. endoskopische Defektverschlussmaßnahmen. Bei frühzeitiger Diagnose (< 24 h) wird häufig ein primärer chirurgischer Verschluss bevorzugt, während verspätete Präsentationen mit größerem Kontaminationsausmaß auch konservativ oder mittels endoskopischer Stentimplantation behandelt werden können. Die Wahl des Vorgehens richtet sich nach Lokalisation und Größe der Perforation, dem klinischen Zustand des Patienten sowie vorhandenen Komorbiditäten.

Besondere Populationen

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Verwandte Codes

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.