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Wissensartikel · DE

Borretsch (Borago officinalis) – Anwendung, Evidenzlage & Wechselwirkungen in der Phytotherapie

Stärkste Quellenart: Übersichtsarbeit
  • Übersichtsarbeit: 2
  • Fachartikel ohne Angabe des Studientyps: 2

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

HOS-003347

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Substanz & Wirkstoffe
  3. Anwendung & Indikationen
  4. Evidenzlage
  5. Sicherheit & Wechselwirkungen
  6. Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Übersicht

Borretsch (Borago officinalis L.) ist eine einjährige Krautpflanze, die vorwiegend im Mittelmeerraum kultiviert wird. Die getrockneten Blätter und Samen werden traditionell als Nahrungsergänzungsmittel sowie in der Phytotherapie eingesetzt. Aktuell finden sich Anwendungen insbesondere bei Hauterkrankungen, Entzündungsprozessen und zur Unterstützung des Herz‑Kreislauf-Systems.

Substanz & Wirkstoffe

Die Pflanze enthält eine charakteristische Zusammensetzung von mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wobei Gamma‑Linolsäure (GLA) mit etwa 20 % der Fettsäuremasse den Hauptanteil bildet. Weitere relevante Phytochemikalien sind Sterole, Flavonoide (z. B. Quercetin), Pyrrolizidinalkaloide und phenolische Verbindungen. Das pharmakologische Wirkprinzip beruht vornehmlich auf der Umwandlung von GLA zu entzündungshemmenden Eicosanoiden sowie antioxidativen Effekten über die Aktivierung des Nrf2/ARE‑Signalwegs.

Anwendung & Indikationen

Die ESCOP‑Monographie und die EMA/HMPC‑Bewertung führen Borretsch‑Extrakte mit einem standardisierten Gehalt von 20 % GLA für die unterstützende Therapie von entzündlichen Hauterkrankungen (z. B. Ekzem, Psoriasis) an. Empfohlen wird eine tägliche Einnahme von 1–2 g getrockneten Blättern oder 300–600 mg standardisiertem Extrakt, aufgeteilt in zwei Dosen. Zubereitungsformen umfassen Kapseln, Öle und Tees; das Öl wird häufig topisch zur Linderung von UV‑induzierter Hautschädigung verwendet.

Evidenzlage

Klinische Daten aus randomisierten kontrollierten Studien zu Borretsch sind begrenzt; die meisten verfügbaren Arbeiten beschränken sich auf Tiermodelle und in vitro‑Untersuchungen. In einer Pilotstudie an Ratten zeigte ein Borretsch‑Extrakt eine signifikante Reduktion von stressinduzierten Magenulzera, was jedoch nicht unmittelbar auf den Menschen übertragbar ist. Humanstudien zur Hautwirkung belegen lediglich eine Verbesserung der Photodamage‑Parameter in einem kleinen, nicht randomisierten Versuch mit topischer Anwendung; die Evidenzqualität entspricht daher dem Niveau IIb (nicht‑randomisierte klinische Studien). Traditioneller Gebrauch als entzündungshemmendes Mittel wird historisch dokumentiert, jedoch fehlt ein robuster RCT‑Nachweis für diese Indikation.

Sicherheit & Wechselwirkungen

Borretsch ist bei sachgemäßer Dosierung gut verträglich; häufige Nebenwirkungen sind leichte gastrointestinale Beschwerden und selten allergische Hautreaktionen. Aufgrund des Vorhandenseins von Pyrrolizidinalkaloiden sollte die Anwendung bei Schwangerschaft, Stillzeit und bei Personen mit Lebererkrankungen vermieden werden, da diese Alkaloide potenziell hepatotoxisch sein können. Wechselwirkungen wurden bislang nicht systematisch untersucht, jedoch ist theoretisch eine additive blutverdünnende Wirkung mit Omega‑3‑Supplementen denkbar; bei gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulanzien sollte Vorsicht geboten sein.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Aktuelle präklinische Arbeiten zeigen, dass Borretsch‑Extrakte die UVB‑induzierte Hautschädigung über Modulation des AP‑1‑Transkriptionsfaktors und Aktivierung des Nrf2/ARE‑Signalwegs reduzieren. In einer in vitro‑Studie an menschlichen Dermalfibroblasten wurde zudem eine gesteigerte Kollagensynthese nach Behandlung mit Borretsch‑Öl beobachtet, was potenziell für anti‑alternde Hauttherapien von Interesse sein könnte. Weitere randomisierte klinische Studien sind erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit bei systemischer Anwendung zu bestätigen.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.