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Akute Cholezystitis (K81.9) – Differenzialdiagnostik und Therapie‑Standard

Stärkste Quellenart: Sonstige Quelle
  • Sonstige Quelle: 1

Einordnung laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

Die Quellenart sagt nicht aus, ob die Aussagen dieses Artikels geprüft und belegt sind.

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Die akute Cholezystitis ist eine entzündliche Erkrankung der Gallenblase, die häufig als Komplikation von Gallensteinen auftritt. Sie stellt weltweit eine bedeutende Ursache für Notfall‑ und chirurgische Eingriffe im abdominalen Bereich dar. Epidemiologisch liegt die Inzidenz bei erwachsenen Patienten zwischen 10 und 15 Prozent aller akuten Abdomen; das Risiko steigt mit dem Alter und ist bei Frauen höher, was auf die höhere Prävalenz von Cholelithiasis zurückzuführen ist. Klinisch relevant ist die potenzielle Progression zu einer perforierten Gallenblase, peritonitischer Sepsis oder zur Entwicklung einer chronischen Cholezystitis.

Klinisches Erscheinungsbild

Typische Leitsymptome einer akuten Cholezystitis sind ein plötzlich auftretender, konstanter Oberbauchschmerz im rechten oberen Quadranten (RUQ), häufig nach fettreichen Mahlzeiten. Begleitend können Übelkeit, Erbrechen und Fieber auftreten. Bei der körperlichen Untersuchung finden sich ein lokaler Druckschmerz im RUQ, ein positiver Murphy‑Test sowie mögliche Abwehrspannung bei fortgeschrittener Entzündung. Der Verlauf ist in der Regel innerhalb von 24–48 Stunden gekennzeichnet durch zunehmende Schmerzintensität und systemische Entzündungszeichen.

Diagnostik

Die Anamnese fokussiert auf typische Schmerzcharakteristika, Risikofaktoren für Gallensteine sowie frühere biliäre Ereignisse. Die klinische Untersuchung bestätigt den Murphy‑Test und sucht nach Zeichen einer Perforation oder Sepsis. Laborbefunde zeigen häufig eine Leukozytose mit linksverschobener Differentialblutzahl und erhöhtes C‑reaktives Protein; transaminase- und Bilirubinwerte können variabel sein. Bildgebend ist die Sonographie das primäre Modalität: Sie identifiziert distale Gallenblasenwandverdickung, pericholezystische Flüssigkeit und Steine. Bei unklaren Befunden oder Verdacht auf Komplikationen wird eine kontrastverstärkte Computertomografie eingesetzt, um Nekrose, Perforation oder Abszess zu beurteilen. Diagnosekriterien umfassen das Vorhandensein von klinischen Entzündungszeichen plus bildgebende Evidenz einer Gallenblasenentzündung.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Diagnosen sind:

  • Choledocholithiasis: Schmerzverlauf kann ähnlich sein, jedoch häufig mit ausgeprägter Ikterus und erhöhten Cholestasewerten.
  • Akute Pankreatitis: Schmerzen radiatisieren typischerweise in den Rücken; Amylase/Lipase stark erhöht.
  • Gallengangsentzündung (Cholangitis): Trias aus Fieber, Ikterus und RUQ-Schmerz (Charcot‑Trias) unterscheidet sich von isolierter Cholezystitis.
  • Peptische Ulkuskrankheit: Epigastrischer Schmerz, häufig mit nächtlicher Verschlimmerung; Endoskopie erforderlich zur Abgrenzung.

Therapie

Die leitliniengerechte Therapie besteht aus einer initialen konservativen Phase, gefolgt von einem chirurgischen Eingriff. In der akuten Phase wird eine intravenöse Flüssigkeitstherapie und eine breit wirksame antibiotische Behandlung eingesetzt, die auf gramnegative Stäbchen und Anaerobika abzielt. Die Dauer der Antibiotikagabe richtet sich nach klinischer Besserung und Laborparametern. Nach Stabilisierung erfolgt in den meisten Fällen ein früher laparoskopischer Cholezystektomie‑Eingriff innerhalb von 72 Stunden, um Komplikationen zu vermeiden. Bei Patienten mit hohem Operationsrisiko kann eine verzögerte oder perkutane Drainage als temporäre Maßnahme gewählt werden.

Besondere Populationen

Bei Schwangeren wird die Therapie unter Berücksichtigung fetaler Sicherheit angepasst; operative Interventionen werden bevorzugt im zweiten Trimester durchgeführt, während antibiotische Optionen auf solche mit nachgewiesener Unbedenklichkeit für das ungeborene Kind beschränkt sind. Kinder zeigen seltener eine akute Cholezystitis, jedoch erfordert ein Verdacht auf biliäre Pathologie stets eine kindgerechte Bildgebung und ggf. chirurgische Behandlung. Ältere Patienten weisen häufig Begleiterkrankungen auf, die das perioperative Risiko erhöhen; hier kann eine konservative Therapie mit späterer elektiven Chirurgie indiziert sein. Bei Nieren- oder Leberinsuffizienz ist die Dosierung von nephro‑ bzw. hepatotoxischen Medikamenten anzupassen und ggf. alternative Antibiotika zu wählen.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Seltene Konstellationen wie eine akute Emphysematische Cholezystitis oder ein gallengangsassoziierter Abszess werden in der Literatur nur sporadisch beschrieben; die Therapie richtet sich nach Einzelfallentscheidungen und basiert auf Fallberichten. Aktuelle Studien untersuchen den Nutzen einer ultra‑early (innerhalb von 24 Stunden) laparoskopischen Cholezystektomie im Vergleich zu einer verzögerten Intervention, wobei erste Daten auf eine Reduktion von Morbidität hinweisen, jedoch noch keine einheitliche Evidenzlage besteht. Ebenso wird die Rolle neuer Antibiotikakombinationen in multiresistenten Erregern evaluiert; bislang liegen hierzu nur begrenzte RCT‑Ergebnisse vor.

Verwandte Codes

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.