Zum Inhalt

HealthOSArtikel A–Z

Arbeitsbereiche

Nachschlagen

Wissensartikel · DE

Chromomykose und chromomykotischer Abszess – Diagnostik, Differenzialdiagnose & Therapie‑Standard

Stärkste Quellenart: Übersichtsarbeit
  • Übersichtsarbeit: 1
  • Fallbericht oder Meinungsbeitrag: 1
  • Fachartikel ohne Angabe des Studientyps: 3

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

HOS-008452HOS-051824

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Chromomykose, auch Chromoblastomycosis genannt, ist eine chronische kutane Mykose, die durch dematiöse (schwarze) Pilze der Gattungen Fonsecaea, Cladophialophora und Phialophora verursacht wird. Die Erkrankung tritt überwiegend in tropischen und subtropischen Regionen auf, ist jedoch zunehmend auch in gemäßigten Klimazonen zu beobachten, insbesondere bei Personen mit beruflicher Exposition gegenüber Erde und Pflanzenmaterial. Der chromomykotische Abszess stellt eine komplikative Form dar, bei der sich subkutane oder tiefe Abszesse bilden; er kann zu erheblichen Morbidität führen und ist häufig mit einer verzögerten Diagnosestellung verbunden.

Klinisches Erscheinungsbild

Die initiale Läsion erscheint meist als kleine papulöse Erhebung, die im Verlauf zu verhornten, verrukösen Plaques oder Tumoren heranwächst. Charakteristisch sind die sogenannten Medaillon‑ oder Muriformkörper (sclerotic bodies) in Gewebeproben, welche klinisch nicht sichtbar, aber pathognomonisch für Chromomykose sind. Beim chromomykotischen Abszess entwickelt sich aus einer bestehenden Läsion ein schmerzhaftes, fluctuiertes Knotenbild mit möglicher sekundärer Superinfektion; der Verlauf ist häufig chronisch‑rezidivierend.

Diagnostik

Die Anamnese sollte eine mögliche Exposition gegenüber feuchtem Boden, Holz oder Pflanzenmaterial sowie Aufenthalte in Endemiegebieten erfassen. Klinisch verdächtige Läsionen werden mittels Hautbiopsie untersucht; die Histopathologie zeigt Medaillon‑Körper und granulomatöse Entzündungsreaktionen. Mikroskopische Direktuntersuchung (Kaliumhydroxid‑Vorbereitung) sowie Kultur auf Sabouraud‑Agar ermöglichen den Nachweis von Fonsecaea monophora oder verwandten Arten; die Identifikation wird durch Sequenzierung des ITS‑Region unterstützt, wobei aktuelle epidemiologische Cutoff-Werte für Antimykotikaresistenzen bereits definiert sind.

Differenzialdiagnosen

Wichtige Abgrenzungen umfassen kutane Mykosen wie Sporotrichose und Mycobacterium‑infektionen (z. B. atypische Mykobakterien), die ebenfalls ulcerierende oder noduläre Hautveränderungen hervorrufen können. Sarkoidose und kutanes T‑Zell‑Lymphom zeigen ähnliche granulomatöse Muster, lassen sich jedoch durch fehlende Pilzkörper in der Histologie unterscheiden. Chronische bakterielle Abszesse ohne Pilznachweis sowie kutane Tuberkulose müssen ebenfalls ausgeschlossen werden.

Therapie

Aufgrund fehlender spezifischer deutscher Leitlinien basiert die Behandlung auf internationalen S3‑Empfehlungen und klinischen Studien. Die Erstlinientherapie erfolgt mit Itraconazol 200 mg zweimal täglich über mindestens 6–12 Monate; bei schwerer Ausbreitung oder mangelnder Ansprechrate kann Terbinafin 250 mg täglich eingesetzt werden. Bei chromomykotischem Abszess sind zusätzlich chirurgische Drainage und lokale Desinfektion angezeigt, während kombinierte Antimykotika‑Therapien (z. B. Itraconazol + Terbinafin) bei refraktären Fällen erwogen werden sollten; die Evidenzlage ist jedoch begrenzt und größtenteils aus kleinen Fallserien abzuleiten.

Besondere Populationen

Bei Schwangeren wird aufgrund fehlender Sicherheitsdaten Itraconazol nur im Ausnahmefall nach individueller Nutzen‑Risiko‑Abwägung eingesetzt, alternativ kann Terbinafin in der zweiten Schwangerschaftshälfte erwogen werden. Kinder können mit einer reduzierten Dosis von Itraconazol (5 mg/kg/Tag) behandelt werden; ein Fallbericht dokumentierte eine erfolgreiche Therapie eines immunkompetenten Kindes. Bei Patienten mit Leber- oder Niereninsuffizienz ist eine Dosisanpassung erforderlich, da beide Antimykotika hepatotoxisch bzw. renal eliminiert werden.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Seltene Fälle von zerebraler Phäohyphomycosis durch Fonsecaea monophora wurden kürzlich mittels neuer antifungaler Breakpoints beschrieben; diese Befunde legen nahe, dass systemische Therapie bei disseminierter Erkrankung notwendig sein könnte. Aktuelle retrospektive Analysen aus den USA zeigen einen Anstieg hospitalisierter Fälle von Chromomykose und zugehörigen Abszessen, was auf eine mögliche Verschiebung des epidemiologischen Spektrums hindeutet. Weitere prospektive Studien zur optimalen Kombinations‑ und Therapiedauer sind dringend erforderlich, da die aktuelle Evidenzlage überwiegend aus Fallberichten besteht.

Verwandte Codes

Im ICD‑10‑Katalog finden sich benachbarte Diagnosen im Block B44 (Pilzinfektionen), insbesondere B44.3 für Chromoblastomycosis und B44.4 für phäohyphomykotische Abszesse.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.