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Dammriss 2. Grades (ICD‑10 O70.1) – Diagnostik, Differenzialdiagnosen & Therapie‑Standard
Stärkste Quellenart: Klinische Studie
- Klinische Studie: 2
- Fachartikel ohne Angabe des Studientyps: 3
- Sonstige Quelle: 1
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In diesem Artikel
Übersicht
Ein Dammriss 2. Grades bezeichnet eine Verletzung der Vaginal- und Perinealschleimhaut bis zum Muskulaturgewebe des Damm‑ bzw. Bulbuspunkts, ohne Beteiligung des Analkanals. Er tritt bei vaginalen Geburten häufig auf; die Inzidenz liegt in den meisten europäischen Studien im einstelligen Prozentbereich. Klinisch ist er relevant, weil er das Risiko für chronische Beckenbodensymptome, Wunddehiszenz und langfristige Beschwerden erhöht.
Klinisches Erscheinungsbild
Typischerweise wird der Riss unmittelbar nach der Geburt durch Blutungen, Schmerzen beim Sitzen oder Anspannen des Beckenbodens sowie eine sichtbare Öffnung im Damm erkannt. Die Wunde kann sich in den ersten Tagen bis Wochen entzünden oder teilweise aufreißen (Wunddehiszenz). Betroffene berichten häufig über anhaltende Schmerzen, Druckgefühl und Probleme beim Stuhlgang, insbesondere wenn die Heilung komplikativ verläuft.
Diagnostik
Die Anamnese umfasst das Geburtsverhältnis, die Art der Geburtsassistenz (z. B. Anwendung von Zangen) sowie frühere Dammverletzungen. Die klinische Untersuchung erfolgt unmittelbar nach der Geburt und beinhaltet eine visuelle Inspektion des Perineums, Palpation der Muskulatur und Beurteilung des Blutungsgrades. Bei Unsicherheit kann ein Endoskopie‑ oder Ultraschall‑Check zur Abgrenzung höhergradiger Risse eingesetzt werden. Die Diagnose eines 2‑stufigen Dammrisses wird gestellt, wenn die Verletzung bis zum Musculus sphincter ani externus reicht, jedoch den Analkanal nicht durchdringt.
Differenzialdiagnosen
Wichtige abzugrenzende Diagnosen sind:
- Dammriss 1. Grades – nur Schleimhautbeteiligung ohne Muskelverletzung.
- Dammriss 3./4. Grades – Durchtrennung des Analkanals bzw. des inneren Schließmuskels, erfordert andere chirurgische Maßnahmen.
- Postpartale Perinealhautfalten – keine echten Risse, sondern überschüssige Hautfalten nach Dehnung.
- Hämorrhoidenblutung – kann ähnliche Blutungszeichen zeigen, jedoch ohne Gewebsdefekt.
Therapie
Die leitliniengerechte Therapie eines 2‑gradigen Dammrisses besteht aus einer primären Naht unter sterilen Bedingungen unmittelbar nach der Geburt. Die Naht wird schichtweise durchgeführt: zuerst die Muskulatur, anschließend subkutanes Gewebe und zuletzt die Haut. Nach dem Eingriff erfolgt eine prophylaktische antibiotische Abdeckung, wobei das genaue Regime von lokalen Standards abhängt. Schmerztherapie orientiert sich an den üblichen postoperativen Analgetika‑Protokollen. Bei Anzeichen einer Wunddehiszenz kann ein erneuter Nahtversuch oder eine konservative Wundversorgung (z. B. antiseptische Verbände) indiziert sein. Langfristig wird bei persistierenden Beckenbodensymptomen eine physiotherapeutische Therapie des Beckens empfohlen; randomisierte Studien zeigen hier Vorteile gegenüber keiner Behandlung.
Besondere Populationen
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Verwandte Codes
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