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Dammriss (ICD‑10 O70) – Diagnostik, Differentialdiagnosen & Therapie‑Standard

Stärkste Quellenart: Beobachtungs- oder Vergleichsstudie
  • Beobachtungs- oder Vergleichsstudie: 2
  • Übersichtsarbeit: 1
  • Fachartikel ohne Angabe des Studientyps: 2

Einordnung laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

Die Quellenart sagt nicht aus, ob die Aussagen dieses Artikels geprüft und belegt sind.

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Ein Dammriss bezeichnet eine Verletzung des perianalen Gewebes, die typischerweise während der vaginalen Geburt entsteht. Die Inzidenz liegt in den meisten europäischen Geburtenkohorten zwischen 5 % und 15 %, wobei das Risiko mit zunehmender Geburtsgröße, instrumenteller Entbindung und Erstgebärenden steigt. Klinisch relevant ist vor allem die mögliche Persistenz von Schmerzen, Dysfunktion des Beckenbodens und ein erhöhtes Infektionsrisiko, was langfristige Beschwerden wie Inkontinenz begünstigen kann.

Klinisches Erscheinungsbild

Typische Leitsymptome eines Dammrisses sind akuter Schmerz im Dammbereich unmittelbar nach der Geburt, Blutungen sowie eine tastbare Risslinie oder -lücke. Sichtbar werden häufig ein offener Defekt mit freiliegenden Muskulaturanteilen oder ein verkrusteter, geschlossener Riss. Der Verlauf ist in der Regel innerhalb weniger Tage bis Wochen von einer Abheilung geprägt; persistierende Schmerzen oder ein verlangsamtes Heilungsstadium können auf Komplikationen wie Infektion oder unzureichende Wundversorgung hinweisen.

Diagnostik

Die Anamnese fokussiert auf geburtsspezifische Risikofaktoren (z. B. Geburtsgröße, Einsatz von Zangen oder Saugglocke) und das Auftreten von Schmerzen bzw. Blutungen. Die körperliche Untersuchung erfolgt im Liegen mit ausreichender Beleuchtung; ein Dammriss wird anhand der Größe (Grad I–IV), des Verlaufs und eventueller Beteiligung des Schließmuskels klassifiziert. Labor- oder apparative Untersuchungen sind in der Regel nicht erforderlich, können jedoch bei Verdacht auf Infektion (z. B. Leukozytose, CRP) ergänzt werden.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen eine perianale Hautabschürfung, ein perinealer Hämatom, eine postpartale Inkontinenz ohne strukturellen Riss sowie infektiöse Prozesse wie Abszesse. Die Unterscheidung erfolgt primär über die visuelle Beurteilung der Wundfläche und das Vorhandensein von Muskulaturanteilen im Defekt.

Therapie

Die leitliniengerechte Standardtherapie richtet sich nach dem Schweregrad des Risses. Bei kleinen, nicht verschlossenen Rissen (Grad I–II) wird häufig eine konservative Behandlung mit lokaler Wundreinigung, antiseptischer Salbe und analgetischer Unterstützung empfohlen. Größere oder verschlossene Risse (Grad III–IV) erfordern in der Regel einen chirurgischen Nahtabschluss unter sterilen Bedingungen. Postoperativ sollte die Analregion trocken gehalten und eine schmerzlindernde Therapie angeboten werden; bei Infektionszeichen ist eine antibiotische Behandlung indiziert.

Besondere Populationen

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Die vorhandenen Prüfstudien befassen sich ausschließlich mit chronischen Analfissuren und untersuchen unter anderem Botulinum‑Toxin‑Injektionen, die Wirkung von Ostrich Oil sowie Managementstrategien bei analen Fissuren. Eine direkte Übertragung dieser Befunde auf Dammrisse ist nicht möglich; es gibt derzeit keine publizierten randomisierten Studien oder systematischen Übersichten, die spezifisch das Management von Dammrissen adressieren.

Verwandte Codes

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.