Wissensartikel · DE
ERAS – perioperatives Ernährungskonzept
Stärkste Quellenart: Übersichtsarbeit
- Übersichtsarbeit: 1
- Fachartikel ohne Angabe des Studientyps: 1
Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.
In diesem Artikel
Übersicht
Das perioperative Ernährungskonzept im Rahmen von Enhanced Recovery After Surgery (ERAS) fokussiert eine frühzeitige und zielgerichtete Nährstoffzufuhr, um die postoperative Erholungsphase zu beschleunigen. Zentral sind proteinreiche, leicht verdauliche Kostformen sowie ggf. orale Nahrungsergänzungsmittel, die den gesteigerten metabolischen Bedarf nach großen abdominalen Eingriffen decken. Klinisch relevant ist die Reduktion von postoperativen Komplikationen wie Infektionen, Ileus und verlängertem Krankenhausaufenthalt.
Physiologie & Grundlagen
Nach einer größeren gastrointestinalen Operation steigt der Katabolismus deutlich; sowohl Energie- als auch Proteinbedarf erhöhen sich über die üblichen Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Der gesteigerte Glukoseverbrauch wird durch hormonelle Stressreaktionen (z. B. erhöhte Kortisol‑ und Catecholaminspiegel) getrieben, während ein negativer Stickstoffhaushalt zu Muskelabbau führen kann. Eine adäquate Zufuhr von hochwertigem Protein (vorwiegend essentiell) ist notwendig, um den katabolen Zustand zu kompensieren und die Wundheilung zu unterstützen. Mikronährstoffe wie Zink, Selen und Vitamin C spielen ebenfalls eine Rolle bei der Immunfunktion und Kollagenbildung.
Evidenzlage
Studien aus dem Zeitraum 2022–2023 zeigen, dass ein strukturiertes postoperatives Ernährungsmanagement, das auf die individuellen Bedürfnisse von Patienten mit fortgeschrittenen gastrointestinalen Karzinomen abgestimmt ist, mit einer verkürzten Dauer des Ileus und einer geringeren Inzidenz von anastomotischen Komplikationen assoziiert ist. Die Evidenz stammt überwiegend aus Beobachtungsstudien, wobei randomisierte kontrollierte Studien zu konkreten Ernährungsschemata noch begrenzt sind. Dennoch unterstützen die vorhandenen Daten den Ansatz einer frühen oralen Ernährung nach operativer Resektion.
Anwendung & Empfehlungen
Empfohlen wird eine frühe orale Nahrungsaufnahme innerhalb von 24 Stunden postoperativ, sofern keine Kontraindikationen vorliegen. Die Zufuhr sollte proteinreich (etwa 1,2–1,5 g Protein pro kg Körpergewicht) und kohlenhydratbetont sein, um den Glukosestoffwechsel zu stabilisieren. Bei Patienten mit erhöhtem Risiko für Malnutrition oder nach ausgedehnten Resektionen kann eine ergänzende orale Nahrungsergänzung sinnvoll sein. Die Umsetzung erfolgt durch ein interdisziplinäres Team (Chirurgie, Anästhesie, Ernährungstherapie), das den Ernährungsplan individuell anpasst und die Verträglichkeit regelmäßig prüft.
Risiken & Wechselwirkungen
Eine zu schnelle oder unzureichend abgestimmte Nahrungszufuhr kann zu Aspiration, gastroösophagealem Reflux oder Durchfall führen. Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion muss die Proteinmenge sorgfältig dosiert werden, um eine weitere Belastung zu vermeiden. Bestimmte Mikronährstoffe (z. B. Eisen) können die Aufnahme von oralen Antibiotika beeinträchtigen; daher ist bei gleichzeitiger Gabe auf zeitliche Trennung zu achten. Eine Überdosierung von fettlöslichen Vitaminen sollte vermieden werden, da sie das Risiko für hepatotoxische Effekte erhöhen kann.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
Aktuelle Untersuchungen befassen sich mit der Anwendung von immunmodulierenden Nahrungsformen (z. B. arginin‑ und omega‑3‑angereicherte Präparate) bei Patienten mit fortgeschrittenen gastrointestinalen Tumoren. Erste Daten deuten auf eine mögliche Reduktion von Entzündungsmarkern hin, jedoch fehlt bislang robuste RCT‑Evidenz für klare klinische Empfehlungen.
Verwandte Codes
Zu den relevanten ICD‑10-Codes gehören K57 (Divertikulose und Divertikulitis), C18–C20 (Maligne Neubildungen des Kolons, Rektums und Anus) sowie Z74.3 (Mangelernährung).
Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.