Zum Inhalt

HealthOSArtikel A–Z

Arbeitsbereiche

Nachschlagen

Wissensartikel · DE

Ernährung bei Herzinsuffizienz

Stärkste Quellenart: Klinische Studie
  • Klinische Studie: 1
  • Beobachtungs- oder Vergleichsstudie: 1
  • Fachartikel ohne Angabe des Studientyps: 4

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

HOS-019915HOS-006226

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Physiologie & Grundlagen
  3. Evidenzlage
  4. Anwendung & Empfehlungen
  5. Risiken & Wechselwirkungen
  6. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  7. Verwandte Codes

Übersicht

Ernährung bei Herzinsuffizienz umfasst die Optimierung von Makro‑ und Mikronährstoffen, um kardiale Belastung zu reduzieren, den Ernährungsstatus zu verbessern und Komorbiditäten wie Sarkopenie oder Diabetes zu beeinflussen. Relevant sind insbesondere proteinreiche Kost, gesättigte Fettsäuren‑Reduktion, eine ausreichende Zufuhr von Natrium (unter 2 g/Tag) sowie die Ergänzung mit Omega‑3‑Fettsäuren im Rahmen einer mediterranen Ernährungsweise. Klinisch kann ein gut strukturierter Ernährungsplan die Hospitalisationsrate senken und die Lebensqualität erhöhen.

Physiologie & Grundlagen

Der Energiebedarf von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz ist häufig erhöht, weil das Herz unter erhöhter Arbeitsbelastung steht und Begleiterkrankungen wie Muskelabbau auftreten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für ältere Erwachsene mindestens 1,0 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich; bei Herzinsuffizienz wird häufig ein Ziel von 1,2–1,5 g/kg empfohlen, um den Verlust an Muskelmasse zu verhindern. Natrium sollte auf ≤2 g/Tag beschränkt werden, da überschüssiges Natrium das intravasale Volumen erhöht und die Vorlast belastet. Mikronährstoffe wie Magnesium, Vitamin D und B‑Vitamine sind häufig im Defizit; ihre Supplementierung orientiert sich an den Referenzwerten der DGE (z. B. 400–800 IU Vitamin D täglich bei nachgewiesenem Mangel).

Evidenzlage

Kohortenstudien zeigen, dass ein niedriger Geriatric Nutritional Risk Index mit höherer In‑Hospital‑Mortalität und Diabetesprävalenz bei Herzinsuffizienzpatienten assoziiert ist. Ebenso korrelieren geringe Muskelkraft und malnutritive Zustände mit erhöhten Wiederaufnahmeraten im Alter. Diese Beobachtungen sind konsistent, jedoch nicht kausal belegt. RCTs zu Omega‑3‑Ergänzungen in Kombination mit einer mediterranen Diät weisen auf eine günstige Modulation des Lipidprofils hin; jedoch fehlt ein klarer Nachweis für einen direkten Einfluss auf Mortalität oder Hospitalisationsrate. Insgesamt liegt die Evidenzlage für proteinreiche Ernährung und Natriumreduktion im Bereich von Leitlinienempfehlungen, während spezifische Supplemente (z. B. Omega‑3) nur begrenzt durch randomisierte Studien unterstützt werden.

Anwendung & Empfehlungen

Entsprechend den DGE‑Leitlinien sollte bei allen Patienten mit Herzinsuffizienz ein Ernährungsassessment durchgeführt und ein individueller Kalorien- sowie Proteinbedarf ermittelt werden. Ziel ist eine tägliche Proteinzufuhr von 1,2–1,5 g/kg Körpergewicht, verteilt auf mehrere Mahlzeiten, um die Muskelproteinsynthese zu maximieren. Natrium sollte ≤2 g/Tag begrenzt werden; hierfür empfiehlt sich die Nutzung natriumarmer Kochmethoden und das Vermeiden stark verarbeiteter Lebensmittel. Eine mediterrane Ernährungsweise mit hohem Anteil an ungesättigten Fettsäuren, Gemüse, Vollkornprodukten und moderatem Fischkonsum wird empfohlen; bei Bedarf kann eine tägliche Omega‑3‑Dosis von 1–2 g EPA/DHA ergänzt werden, wobei die Evidenz für einen klaren klinischen Nutzen begrenzt ist. Patienten sollten regelmäßig auf Mangelzustände (z. B. Vitamin D, Magnesium) untersucht und ggf. supplementiert werden.

Risiken & Wechselwirkungen

Eine übermäßige Proteinzufuhr (>2 g/kg) kann bei eingeschränkter Nierenfunktion zu einer Verschlechterung der glomerulären Filtration führen; daher ist die Nierenfunktion vor Initiierung einer hochproteinhaltigen Diät zu prüfen. Natriumrestriktion kann zu Hyponatriämie führen, insbesondere wenn gleichzeitig Diuretika eingesetzt werden; regelmäßige Elektrolytkontrollen sind erforderlich. Omega‑3‑Supplemente können das Blutungsrisiko erhöhen, besonders in Kombination mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern; eine Dosisanpassung oder engmaschige Überwachung der Gerinnungsparameter ist ratsam.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Aktuelle Daten aus einer retrospektiven Kohortenstudie zeigen, dass ein niedriger Prognostic Nutritional Index mit schlechterem Outcome bei kritisch kranken Herzinsuffizienzpatienten assoziiert ist. In einer neueren Beobachtungsstudie wurde ein Zusammenhang zwischen malnutritiver Status und erhöhten Wiederaufnahmeraten bei älteren Patienten nachgewiesen. Für schwangere Frauen mit Herzinsuffizienz gibt es bislang keine spezifischen Ernährungsleitlinien; allgemeine Empfehlungen zur ausreichenden Energie- und Proteinversorgung sowie zur Vermeidung von Natriumüberschuss gelten jedoch analog. Sportlich aktive Herzinsuffizienzpatienten profitieren möglicherweise von einer gezielten Kohlenhydrat‑Periodisierung, um die Belastbarkeit während körperlicher Aktivität zu erhalten, wobei konkrete Evidenz noch aussteht.

Verwandte Codes

ICD‑10‑Code I50 für Herzinsuffizienz; ergänzend können Z71.3 (Ernährungsberatung) und E43/E44 (Mangelernährung) relevant sein.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.