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Exkoriationsstörung (L98.1) – Differenzialdiagnostik & Therapie‑Standard
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In diesem Artikel
Übersicht
Exkoriationsstörung, häufig als Dermatillomanie oder Skin Picking Disorder bezeichnet, ist eine körperbezogene repetitive Verhaltensstörung, bei der Betroffene wiederholt Hautstellen manipulieren und dabei zu Läsionen führen. Die Prävalenz liegt in europäischen Bevölkerungsstudien im einstelligen Prozentbereich; die Störung tritt sowohl bei Männern als auch bei Frauen auf, wobei leichte geschlechtsspezifische Unterschiede berichtet werden. Klinisch ist sie relevant, weil die selbstinduzierten Hautschäden zu Infektionen, Narbenbildung und erheblichem psychosozialen Leid führen können.
Klinisches Erscheinungsbild
Typische Leitsymptome umfassen das wiederholte Aufkratzen, Kratzen oder Abziehen von Haut, häufig an leicht zugänglichen Stellen wie Gesicht, Armen oder Händen. Die Betroffenen berichten häufig ein starkes Spannungsgefühl vor dem Verhalten und eine Erleichmung bzw. Befriedigung danach. Der Verlauf ist meist chronisch‑schubweise; Phasen intensiver Picking‑Aktivität können mit Stresssituationen korrelieren, während Remissionsphasen von reduzierter Frequenz geprägt sind. Hautläsionen variieren von oberflächlichen Kratzspuren bis zu tiefen Exkoriationen und sekundären Infektionen.
Diagnostik
Die Anamnese fokussiert auf das Vorhandensein wiederholter, schwer kontrollierbarer Picking‑Episoden, die zu sichtbaren Hautschäden führen, sowie auf das subjektive Spannungs‑ bzw. Erleichmungsgefühl. Standardisierte Interviewleitfäden für körperbezogene repetitive Verhaltensweisen werden empfohlen, um die diagnostische Klarheit zu erhöhen. Klinisch wird eine gründliche Dermatologische Untersuchung durchgeführt, um Art und Ausmaß der Läsionen zu dokumentieren und sekundäre Komplikationen auszuschließen. Laboruntersuchungen sind nur indiziert, wenn Infektionszeichen vorliegen (z. B. Entnahme von Wundexsudat). Die Diagnose basiert auf den Kriterien für Exkoriationsstörung, die das Vorhandensein wiederholter Picking‑Handlungen, daraus resultierender Hautschäden und klinisch bedeutsamer Belastung oder Funktionsbeeinträchtigung umfassen.
Differenzialdiagnosen
Wichtige abzugrenzende Diagnosen sind:
- Dermatitis artefacta (bewusste Selbstverletzung), bei der das Verhalten bewusst manipulativ ist; im Gegensatz zur Exkoriationsstörung fehlt hier häufig das Spannungs‑/Erleichmungskonzept.
- Pruritus‑induzierte Kratzereien, die primär durch Juckreiz bedingt sind; hier steht ein somatischer Auslöser im Vordergrund.
- Neurodermitis und andere chronische Hauterkrankungen, bei denen sekundäres Picking vorkommen kann, jedoch nicht das primäre Krankheitsmerkmal ist.
- Zwangsstörung (OCD) mit körperbezogenen Zwangshandlungen; die Exkoriationsstörung wird als eigenständige Diagnose geführt, weil das Picking‑Verhalten spezifisch auf Haut fokussiert ist und andere Zwangsinhalte fehlen.
Therapie
Empfohlen wird ein multimodaler Behandlungsansatz, der psychotherapeutische sowie ggf. medikamentöse Komponenten kombiniert. Die leitliniengerechte Standardtherapie umfasst kognitive Verhaltenstherapie mit speziellem Fokus auf habit reversal training (HRT), das das Erkennen von Auslösern und das Ersetzen des Picking‑Verhaltens durch inkompatible Gegenmaßnahmen trainiert. Bei Bedarf kann eine medikamentöse Therapie als Ergänzung eingesetzt werden, wobei die Auswahl nach individueller Symptomatik und Komorbiditäten erfolgt. Eine engmaschige dermatologische Nachsorge ist wichtig, um Infektionen zu verhindern, Narbenbildung zu minimieren und Wundheilungsprozesse zu unterstützen.
Besondere Populationen
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
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Verwandte Codes
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