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Verbrennungen und Verätzungen: Klassifikation nach Körperoberfläche und evidenzbasierte Versorgung

Stärkste Quellenart: Übersichtsarbeit
  • Übersichtsarbeit: 1
  • Fachartikel ohne Angabe des Studientyps: 1

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Verbrennungen und Verätzungen werden primär nach dem prozentualen Anteil der betroffenen Körperoberfläche (TBSA) klassifiziert, da die Ausdehnung entscheidend für das Risiko von Flüssigkeitsverlust, Hypermetabolismus und systemischen Komplikationen ist. In hochinkompatiblen Settings zeigen epidemiologische Daten, dass schwere Verbrennungen häufig mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität einhergehen, insbesondere wenn begleitende Infektionen auftreten. Die Größe der Läsion bestimmt maßgeblich die Notwendigkeit intensiver Therapie, Überwachung und ggf. spezialisierter Zentren.

Klinisches Erscheinungsbild

Typische Leitsymptome umfassen Schmerzen (bei intakten Nerven), Rötung, Blasenbildung, Abschürfung bzw. Nekrose je nach Tiefe der Läsion sowie lokale Schwellungen. Bei großflächigen Verbrennungen (>20 % TBSA bei Erwachsenen) treten häufig systemische Zeichen wie Tachykardie, Hypotonie und eine ausgeprägte Stressreaktion auf. Der klinische Verlauf ist geprägt von einer initialen Entzündungsphase, gefolgt von einem hypermetabolischen Zustand und schließlich der Granulations- bzw. Reepithelisationsphase. Infektionen, insbesondere mit gramnegativen Erregern wie Pseudomonas aeruginosa, können das Bild schnell verschlechtern.

Diagnostik

Die Anamnese erfasst den Mechanismus (Thermal-, chemische oder elektrischer Schaden), die Dauer der Einwirkung und die betroffene Fläche. Die klinische Untersuchung nutzt die Regel von Wallace bzw. Lund-Browder-Tabellen zur exakten Bestimmung der TBSA. Laborparameter dienen der Früherkennung von Flüssigkeitsdefiziten, Elektrolytstörungen und systemischen Entzündungsreaktionen (z. B. erhöhte CRP, Leukozytose). Bildgebende Verfahren sind selten erforderlich, können jedoch bei Verdacht auf tiefere Gewebeschäden oder Komplikationen wie Fasziitis eingesetzt werden. Die Diagnose basiert primär auf der Kombination aus Anamnese, TBSA‑Bestimmung und klinischer Bewertung.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen:

  • Thermische Hautinfektionen (z. B. Impetigo) ohne großflächigen Flüssigkeitsverlust,
  • Chemische Dermatitis bei begrenzter Exposition,
  • Elektrische Verletzungen, die trotz kleiner Oberfläche tiefe Gewebeschäden verursachen können,
  • Kälteverbrennungen (Frostbeulen), die ähnliche nekrotische Läsionen zeigen,
  • Vaskulitis oder andere entzündliche Hauterkrankungen, die Blasenbildung hervorrufen.

Unterscheidungsmerkmale liegen in der Ursache, dem Muster der Hautbeteiligung und den systemischen Begleiterscheinungen.

Therapie

Die Behandlung orientiert sich an der TBSA und folgt einem stufenweisen Ansatz:

  1. Akute Flüssigkeitstherapie nach etablierten Formeln zur Vermeidung von hypovolämischem Schock,
  2. Schmerzkontrolle mittels geeigneter Analgesie,
  3. Wundmanagement, das zunächst eine sterilisierte Abdeckung und regelmäßige Debridement‑Maßnahmen beinhaltet,
  4. Infektionsprophylaxe und -therapie, wobei bei nachgewiesenen Pseudomonas-Infektionen gezielte antimikrobielle Strategien eingesetzt werden,
  5. Nährstoffunterstützung, um den hypermetabolischen Zustand zu kompensieren,
  6. Rehabilitative Maßnahmen zur Vermeidung von Kontrakturen und Funktionsverlust.

In neueren Studien wird die Anwendung von mesenchymalen Stromazellen als adjunctive Therapie bei infizierten Verbrennungswunden untersucht, wobei ein potenzielles immunmodulierendes und antimikrobielles Wirkspektrum beschrieben wird. Diese Ansätze befinden sich jedoch noch im Forschungsstadium und sind nicht Teil der routinemäßigen Standardtherapie.

Besondere Populationen

  • Schwangere: Flüssigkeitstherapie muss an das erhöhte Blutvolumen angepasst werden; teratogene Risiken von Medikamenten sind zu vermeiden.
  • Kinder: Die TBSA‑Berechnung erfolgt altersabhängig, und die Flüssigkeitszufuhr wird nach kindgerechten Formeln dosiert. Das Risiko für Hypermetabolismus ist höher.
  • Ältere Patienten: Reduzierte physiologische Reserve erfordert engmaschige Überwachung von Kreislauf und Nierenfunktion.
  • Patienten mit Nieren‑ oder Leberinsuffizienz: Dosisanpassungen bei nephrotoxischen bzw. hepatotoxischen Medikamenten sind notwendig; Flüssigkeitsmanagement muss sorgfältig balanciert werden.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Seltene Konstellationen, wie kombinierte Verbrennungs‑ und Verätzungsverletzungen oder massive Flächenverbrennungen mit gleichzeitiger inhalativer Schädigung, erfordern interdisziplinäre Versorgung in spezialisierten Zentren. Aktuelle Forschung fokussiert auf die Nutzung von Zelltherapien (z. B. mesenchymale Stromazellen) zur Verbesserung der Wundheilung und Reduktion von Infektionen, wobei erste präklinische Daten vielversprechend sind, jedoch noch keine breit angelegte klinische Evidenz vorliegt.

Verwandte Codes

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.