Zum Inhalt

HealthOSArtikel A–Z

Arbeitsbereiche

Nachschlagen

Wissensartikel · DE

Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) – Evidenz, Anwendung & Interaktionen in der Phytotherapie

Stärkste Quellenart: Fachartikel ohne Angabe des Studientyps
  • Fachartikel ohne Angabe des Studientyps: 2
  • Sonstige Quelle: 1

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Substanz & Wirkstoffe
  3. Anwendung & Indikationen
  4. Evidenzlage
  5. Sicherheit & Wechselwirkungen
  6. Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Übersicht

Der Frauenmantel (Alchemilla vulgaris L.) ist eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Rosengewächse, die in gemäßigten Zonen Europas verbreitet ist. Traditionell wird er insbesondere bei gynäkologischen Beschwerden eingesetzt, darunter prämenstruelle Symptome und hormonell bedingte Störungen des weiblichen Reproduktionssystems.

Substanz & Wirkstoffe

Alchemilla vulgaris enthält ein komplexes Gemisch aus Polyphenolen, Flavonoiden (z. B. Quercetin‑Derivate), Tanninen sowie verschiedenen organischen Säuren. Diese Komponenten zeigen antioxidative und zytoprotektive Eigenschaften, die in In‑vitro‑Studien nachgewiesen wurden. Das pharmakologische Wirkprinzip wird vor allem über die Modulation von oxidativem Stress und die Beeinflussung von Signalwegen wie dem Nrf2/ARE-System angenommen.

Anwendung & Indikationen

In den europäischen Monographien (ESCOP/HMPC) ist Alchemilla vulgaris für die symptomatische Behandlung von prämenstruellen Beschwerden, leichten Menstruationsstörungen sowie zur Unterstützung bei hormonell bedingten Zuständen wie dem polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) anerkannt. Die empfohlene Darreichungsform umfasst getrocknete Pflanzenanteile, die als Aufguss (2 g in 150 ml kochendem Wasser, 10‑15 min ziehen lassen) oder als standardisierter Extrakt (typischerweise 0,5–1 % Tannine) verabreicht werden. Dosierungsempfehlungen sollten sich an den jeweiligen Monographien orientieren; eine exakte Menge wird hier nicht angegeben.

Evidenzlage

Die vorliegenden präklinischen Studien zeigen, dass Alchemilla vulgaris in Zellkulturen und Tiermodellen zytoprotektive Effekte gegen DNA‑schädigende Substanzen (z. B. Methylmethansulfonat) ausüben kann. Darüber hinaus wurden antioxidative und antiproliferative Aktivitäten an medullären Schilddrüsenkarzinomzellen nachgewiesen, wobei die klinische Relevanz für menschliche Tumoren bislang nicht belegt ist. In einem Tiermodell mit DHEA‑induzierter PCOS zeigte die Substanz eine Verbesserung hormoneller Parameter und ovarianer Morphologie, was auf ein potenzielles Nutzenprofil bei hormonell bedingten Störungen hindeutet. Allerdings fehlt es an randomisierten kontrollierten klinischen Studien beim Menschen; somit beruhen die meisten therapeutischen Aussagen auf präklinischer Evidenz und traditionellem Gebrauch.

Sicherheit & Wechselwirkungen

Alchemilla vulgaris ist im Allgemeinen gut verträglich, jedoch können hohe Tannin‑Konzentrationen zu gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit oder Durchfall führen. Aufgrund der antioxidativen Aktivität besteht theoretisch das Risiko einer Wechselwirkung mit Medikamenten, die über redox‑sensible Mechanismen wirken (z. B. Antikoagulanzien, Chemotherapeutika). Kontraindikationen umfassen bekannte Überempfindlichkeiten gegen Rosengewächse sowie schwere Leber- oder Nierenerkrankungen, bei denen die Ausscheidung von Polyphenolen beeinträchtigt sein könnte. Schwangere und stillende Frauen sollten vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.