Zum Inhalt

HealthOSArtikel A–Z

Arbeitsbereiche

Nachschlagen

Wissensartikel · DE

Ösophagusvarizen‑Blutung: Diagnostik, Differenzialdiagnostik & Therapie‑Standard (I85.0)

Stärkste Quellenart: Fachartikel ohne Angabe des Studientyps
  • Fachartikel ohne Angabe des Studientyps: 3

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

HOS-008563HOS-040560

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Ösophagusvarizen sind dilatierte, kollaterale Blutgefäße im distalen Ösophagus, die primär als Kompensation einer portalen Hypertension bei Leberzirrhose entstehen. Die Prävalenz variiert je nach Schweregrad der zugrundeliegenden Lebererkrankung; etwa ein Drittel der Patienten mit fortgeschrittener Zirrhose entwickelt Varizen, von denen jährlich 5–15 % eine akute Blutung erleiden. Eine solche Blutung ist ein Notfall mit einer Mortalität von bis zu 20 % trotz moderner Therapie und stellt damit einen bedeutenden Beitrag zur Morbidität und Mortalität dieser Patientengruppe dar.

Klinisches Erscheinungsbild

Die akute Varizenblutung präsentiert sich typischerweise als plötzliches, massives obere gastrointestinale Blutungen mit Hämatemesis (blutiges Erbrechen) oder meläsemischem Stuhl. Patienten können Anzeichen eines hypovolämischen Schocks zeigen: Tachykardie, Hypotonie, kühle Extremitäten und verminderte Urinausscheidung. Klinisch folgt häufig ein rascher Abfall des Hämoglobinwertes. Der Verlauf ist oft abrupt; innerhalb von Stunden kann eine lebensbedrohliche Blutungsmenge erreicht werden, weshalb ein sofortiges Handeln erforderlich ist.

Diagnostik

Die Anamnese fokussiert auf bekannte Leberzirrhose, vorherige Varizenblutungen und Risikofaktoren für portal hypertension. Die körperliche Untersuchung sollte Zeichen einer dekompensierten Zirrhose (Aszites, Ikterus, Enzephalopathie) sowie Anzeichen eines Schocks erfassen. Endoskopisch ist die Goldstandard-Untersuchung zur Bestätigung: Sichtbare erweiterte Ösophagusvenen mit aktiver Blutung oder „blutende“ Läsionen. Laborparameter (Blutbild, Gerinnungsstatus, Leberwerte) dienen der Einschätzung des Schweregrades und der Therapieplanung. Bildgebende Verfahren wie Doppler‑Sonographie können die portal hypertension quantifizieren, sind jedoch für die akute Diagnose sekundär.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Ursachen einer oberen gastrointestinalen Blutung umfassen:

  • Mallory‑Weiss-Läsionen (geringe, lineare Schleimhautrisse nach Erbrechen)
  • Peptische Ulzera mit Blutung
  • Gastritis/ erosive Läsionen
  • Ösophagale Tumoren oder metastatische Läsionen

Die Unterscheidung erfolgt primär endoskopisch: Varizen zeigen charakteristische dilatierte, bläuliche Venen, während ulzerative oder erosive Läsionen klar definierte Defekte aufweisen.

Therapie

Bei bestätigter akuter Ösophagusvarizenblutung ist ein sofortiger, leitliniengerechter Behandlungsalgorithmus indiziert. Die initiale Maßnahme besteht aus einer volumen- und blutdruckstabilisierenden Flüssigkeitszufuhr sowie der Transfusion von Blutprodukten nach restriktiven Kriterien. Gleichzeitig wird eine medikamentöse Standardtherapie mit vasoaktiven Substanzen eingeleitet, die den portalvenösen Druck senken. Endoskopisch erfolgt innerhalb von 12 Stunden ein Bandligaturverfahren (Endoscopic Variceal Ligation) oder alternativ eine Sklerotherapie, um die Blutungsquelle zu schließen. Bei anhaltender oder rezidivierender Blutung kann ein transjugulärer intrahepatischer Portosystemischer Shunt (TIPS) als rescue‑Therapie eingesetzt werden. Zusätzlich wird prophylaktisch ein nicht‑selektiver Betablocker verabreicht, um das Risiko von Rezidiven zu reduzieren.

Besondere Populationen

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Verwandte Codes

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.