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Optische Kohärenztomografie (OCT) in der Augenheilkunde – Diagnostik, Differenzialdiagnose & Therapie‑Standard

Stärkste Quellenart: Übersichtsarbeit
  • Übersichtsarbeit: 4

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

HOS-041354

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Die optische Kohärenztomografie (OCT) ist ein nichtinvasives bildgebendes Verfahren, das auf Interferometrie basiert und hochauflösende Querschnittsbilder von retinalen und okulären Geweben erzeugt. In Deutschland wird die OCT zunehmend in der Früherkennung und Überwachung von Netzhauterkrankungen eingesetzt; ihre Anwendung erstreckt sich über diabetische Retinopathie, Makuladegeneration sowie neuro‑ophthalmologische Befunde. Die klinische Relevanz liegt vor allem in der Möglichkeit, strukturelle Veränderungen im Mikrometerbereich zu quantifizieren und damit Therapieentscheidungen objektiv zu steuern.

Klinisches Erscheinungsbild

Patienten mit retinalen Erkrankungen, bei denen eine OCT indiziert ist, präsentieren häufig unspezifische Sehverschlechterung, Metamorphopsien oder zentrale Gesichtsfeldausfälle. Der typische Befund in der Bildgebung umfasst Schicht‑ und Volumenveränderungen der Netzhaut, z. B. Verdickungen des retinalen Nervenfaserschichts (RNFL) bei Glaukom oder intraretinale Flüssigkeitsansammlungen bei diabetischer Makulopathie. Der Krankheitsverlauf lässt sich durch wiederholte OCT‑Messungen präzise dokumentieren, was insbesondere für die Beurteilung von Therapieeffektivität und Progression wichtig ist.

Diagnostik

Die Anamnese beinhaltet Fragen nach Sehschärfe, Fluktuationen des Sehens sowie systemischen Risikofaktoren wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck. Die klinische Untersuchung umfasst eine Standard‑Funduskopie, ergänzt durch die OCT, um strukturelle Befunde objektiv zu erfassen. Diagnosekriterien beruhen auf quantitativen Schwellenwerten, etwa einer RNFL-Dicke < 85 µm für fortgeschrittenes Glaukom oder dem Vorhandensein von intraretinalen Zysten > 30 µm bei diabetischer Makulopathie.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Diagnosen sind die altersabhängige Makuladegeneration, die sich durch drusenartige Ablagerungen und subretinale Neovaskularisation auszeichnet, sowie die zentrale seröse Retinopathie, bei der seröse Ablösungen ohne exsudative Veränderungen vorliegen. Bei Verdacht auf optische Neuropathien muss zwischen einer anterioren ischämischen Optikusneuropathie (AION) und einer retrobulbären Läsion unterschieden werden; hier liefert die OCT differenzierte Schichtanalysen der RNFL und des Ganglienzellschichts‑Komplexes. Auch entzündliche Retinopathien zeigen charakteristische hyperreflektive Veränderungen, die sich von den typischen diabetischen Befunden unterscheiden.

Therapie

Leitliniengestützte Standardtherapien orientieren sich an der zugrunde liegenden Erkrankung: Bei diabetischer Makulopathie wird eine anti‑VEGF‑Therapie (z. B. Ranibizumab 0,5 mg intravitreal alle 4–6 Wochen) empfohlen, wobei die OCT zur Kontrolle des Therapieansprechens und zur Anpassung der Injektionsintervalle dient. Bei Glaukom erfolgt primär eine IOP‑senkende medikamentöse Therapie, ergänzt durch Laser- oder chirurgische Verfahren; hier wird die RNFL-Dicke als objektiver Biomarker für das Fortschreiten herangezogen. Für neovaskuläre altersabhängige Makuladegeneration gilt ebenfalls die anti‑VEGF‑Therapie, wobei OCT‑OCT‑Angiographie (OCTA) zur Detektion von Neovaskularisationen eingesetzt wird.

Besondere Populationen

In der Schwangerschaft ist die Anwendung von intravitrealen Anti‑VEGF‑Agentien aufgrund fehlender Sicherheitsdaten restriktiv; stattdessen kann eine engmaschige OCT‑Kontrolle und ggf. Laserkoagulation indiziert sein. Bei Kindern wird die OCT vor allem zur Diagnose von angeborenen Netzhauterkrankungen wie der retinopathia pigmentosa eingesetzt; altersgerechte Normwerte sind zu berücksichtigen. Ältere Patienten profitieren besonders von der nichtinvasiven Natur der OCT, wobei altersbedingte Veränderungen der RNFL als Referenz herangezogen werden müssen.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Seltene Konstellationen wie die optische Kohärenztomografie bei papillären Ödemen nach Schädel-Hirn-Trauma zeigen, dass die OCT frühe strukturelle Veränderungen erfassen kann, bevor klinisch manifeste Sehstörungen auftreten. Aktuelle Studien aus dem Jahr 2023 belegen, dass die Kombination von OCT und OCT‑Angiographie die Sensitivität für das Erkennen subklinischer diabetischer Mikroangiopathie signifikant erhöht; jedoch fehlt bislang eine konsensbasierte Leitlinie zur routinemäßigen Anwendung in Screeningprogrammen. Weitere Forschung ist nötig, um standardisierte Schwellenwerte für die Progressionsüberwachung bei verschiedenen retinalen Pathologien zu etablieren.

Verwandte Codes

Im ICD‑10‑Katalog liegen benachbarte Diagnosen im H35‑Block (z. B. H35.0 Diabetische Retinopathie, H35.3 Altersabhängige Makuladegeneration), die häufig gemeinsam mit OCT‑Diagnostik abgefragt werden.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.