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Perioperative Ernährungstherapie
Stärkste Quellenart: Systematische Übersicht oder Metaanalyse
- Systematische Übersicht oder Metaanalyse: 2
- Übersichtsarbeit: 1
- Fachartikel ohne Angabe des Studientyps: 3
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In diesem Artikel
Übersicht
Perioperative Ernährungstherapie umfasst die gezielte Modulation der Nährstoffzufuhr vor, während und nach chirurgischen Eingriffen. Ziel ist es, den physiologischen Stress zu mildern, das Immunsystem zu unterstützen und die Wundheilung sowie die Wiedererlangung der körperlichen Leistungsfähigkeit zu fördern. Im klinischen Kontext wird insbesondere bei großen onkologischen Eingriffen und komplexen abdominalen Operationen ein erhöhter Energie- und Proteinbedarf beobachtet, der durch prä‑operative Screening‑Tools und individualisierte Ernährungspläne adressiert werden kann.
Physiologie & Grundlagen
Der chirurgische Stress aktiviert hormonelle und metabolische Wege (z. B. Katabolismus von Muskelprotein, gesteigerte Glukoneogenese). Der resultierende Energiebedarf liegt häufig über den üblichen Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die bei gesunden Erwachsenen einen täglichen Gesamtenergiebedarf von etwa 30 kcal/kg Körpergewicht und eine Proteinzufuhr von 0,8 g/kg vorsehen. Perioperativ kann ein Bedarf von bis zu 1,5 g Protein pro kg Körpergewicht erforderlich sein, um den katabolen Zustand zu kompensieren. Mikronährstoffe wie Zink, Selen und Vitamin C spielen eine Rolle bei der Kollagenbildung und antioxidativen Abwehr; Defizite können die Wundheilung verzögern.
Evidenzlage
Systematische Reviews von randomisierten kontrollierten Studien zeigen, dass immunmodulierende Ernährungsformeln (z. B. mit Arginin, Omega‑3‑Fettsäuren und Nucleotiden) postoperativ die Rate von komplikationen bei gastrointestinalen Krebserkrankungen reduzieren können. Diese Evidenz stammt aus mehreren Metaanalysen, die konsistent eine signifikante Reduktion von infektiösen Komplikationen berichteten. Beobachtungsstudien belegen zudem einen Zusammenhang zwischen präoperativer Malnutrition und erhöhtem Risiko für postoperative Morbidität und Mortalität; jedoch lässt sich daraus keine kausale Wirkung ableiten. Für allgemeine perioperative Standardernährung gibt es weniger RCT‑Daten, sodass die Evidenzlage hier als schwach bis moderat einzustufen ist.
Anwendung & Empfehlungen
Empfohlen wird ein strukturiertes Screening auf Malnutrition (z. B. mittels NRS‑2002) vor dem operativen Eingriff. Bei Identifikation von Risiko oder bereits bestehender Unterernährung sollte eine präoperative orale Supplementierung mit energiereichen, proteinreichen Formeln eingeleitet werden, idealerweise mindestens 7–14 Tage vor Operation. Immunonutrition wird insbesondere bei Patienten mit gastrointestinalen Tumoren und geplantem großen Eingriff empfohlen; die Anwendung beginnt kurz vor dem Eingriff (etwa 5 Tage) und wird bis zum postoperativen Tag 3 fortgeführt. Postoperativ sollte die orale oder enterale Ernährung so früh wie möglich wieder aufgenommen werden, um den Katabolismus zu begrenzen und die intestinale Integrität zu erhalten.
Risiken & Wechselwirkungen
Eine übermäßige Kalorienzufuhr kann bei adipösen Patienten das Risiko für pulmonale Komplikationen erhöhen. Hohe Dosen von Omega‑3‑Fettsäuren können die Blutgerinnung beeinflussen und sollten bei Patienten mit Antikoagulanzien vorsichtig eingesetzt werden. Zink- oder Selenpräparate in sehr hohen Dosen können toxisch wirken und gastrointestinale Beschwerden hervorrufen. Bei bestehenden Niereninsuffizienz ist eine angepasste Proteinzufuhr erforderlich, um die Belastung zu minimieren.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Verwandte Codes
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor. Zugehörige ICD‑10‑Codes können je nach Indikation variieren; eine detaillierte Zuordnung ist im jeweiligen klinischen Kontext zu prüfen.
Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.