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Proximale Humerusfraktur (ICD‑10 S42.2): Diagnostik‑Algorithmus, Differenzialdiagnosen & Therapie‑Standard

Stärkste Quellenart: Systematische Übersicht oder Metaanalyse
  • Systematische Übersicht oder Metaanalyse: 1
  • Übersichtsarbeit: 3

Einordnung laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

Die Quellenart sagt nicht aus, ob die Aussagen dieses Artikels geprüft und belegt sind.

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Die proximale Humerusfraktur ist eine häufige Verletzung des Schultergelenks, die vor allem bei älteren Menschen nach Sturz aus geringer Höhe auftritt, aber auch bei jüngeren Patienten durch hochenergetische Traumata verursacht werden kann. Epidemiologisch liegt die Inzidenz in der Altersgruppe >65 Jahre bei etwa 150‑200 pro 100 000 Einwohnern. Klinisch ist die Fraktur von hoher Relevanz, da sie mit funktionellen Einschränkungen des Arms und einem erhöhten Risiko für Komplikationen wie Fehlstellung, Gelenksteife und sekundäre Arthrose verbunden ist.

Klinisches Erscheinungsbild

Patienten präsentieren sich typischerweise mit akuten Schmerzen im Schulterbereich, eingeschränkter aktiver und passiver Beweglichkeit sowie einer sichtbaren Deformität oder Schwellung. Bei dislozierten Frakturen kann ein auffälliges „Kopf‑nach‑unten“-Bild auftreten. Der Verlauf ist abhängig vom Dislokationsgrad: Nicht-dislozierte Frakturen zeigen meist einen moderaten Funktionsverlust, während stark dislozierte Verletzungen schnell zu einer erheblichen Einschränkung der Schulterfunktion führen.

Diagnostik

Die Anamnese umfasst das Trauma, Risikofaktoren für Osteoporose und Vorerkrankungen. Klinisch wird die Bewegungsamplitude in allen Ebenen geprüft sowie ein neuro‑vaskuläres Assessment durchgeführt. Bildgebend ist zunächst eine anteroposterior‑Röntgenaufnahme des Schultergelenks erforderlich; zusätzlich können seitliche und axiale Aufnahmen helfen, den Dislokationsgrad zu beurteilen. Bei Unsicherheit oder komplexer Fraktur wird eine CT zur detaillierten Darstellung der Fragmentlage empfohlen. Die Diagnose basiert auf den radiologischen Kriterien für die Klassifikation nach Neer (zwei‑fragmentig, drei‑fragmentig usw.) und dem Vorhandensein einer klinisch relevanten Dislokation.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen:

  • Akute Rotatorenmanschettenruptur, die ähnliche Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursacht, jedoch ohne knöcherne Fragmentierung.
  • Glenohumerale Luxation, bei der das Gelenk vollständig aus seiner Gelenkpfanne herausgerutscht ist.
  • Proximaler Humerus‑Osteoporose‑Fraktur‑Muster, die von anderen osteoporotischen Frakturen im Bereich des proximalen Humeruskörpers zu unterscheiden sind.

Die Unterscheidung erfolgt durch gezielte Bildgebung und klinische Befundkorrelation.

Therapie

Die leitliniengerechte Therapie orientiert sich am Dislokationsgrad und dem physiologischen Alter des Patienten. Nicht-dislozierte oder gering dislozierte Frakturen werden konservativ behandelt, meist mit einer abduktiven Schlinge für etwa drei bis vier Wochen, gefolgt von frühzeitiger physikalischer Therapie zur Wiederherstellung der Beweglichkeit. Bei stark dislozierten Frakturen wird eine operative Versorgung empfohlen, wobei die Wahl zwischen Plattenosteosynthese und Proximaler Humerus‑Endoprothese von Faktoren wie Knochenqualität, Fragmentzahl und Patientenalter abhängt. Postoperativ erfolgt ein gestuftes Rehabilitationsprogramm, das zunächst passive Bewegungsübungen, später aktive Mobilisation und schließlich Kräftigung umfasst.

Besondere Populationen

Bei Schwangeren liegt die Evidenzlage dünn; konservative Maßnahmen werden bevorzugt, um operative Risiken zu minimieren. Kinder mit proximaler Humerusfraktur heilen häufig gut durch geschlossene Reposition und Ruhigstellung, wobei operative Eingriffe selten nötig sind. Ältere Patienten profitieren von einer frühzeitigen Mobilisation, jedoch kann die Osteoporose die Wahl der operativen Technik beeinflussen. Bei Nieren‑ oder Leberinsuffizienz gibt es keine spezifischen Therapieempfehlungen in den geprüften Quellen; allgemeine Prinzipien der Frakturbehandlung gelten.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Seltene Konstellationen, wie periprosthetische Frakturen nach Schulterendoprothese, werden in den vorhandenen Quellen nicht umfassend behandelt. Aktuelle Evidenz deutet darauf hin, dass die operative Therapie bei stark dislozierten Frakturen weiterhin kontrovers diskutiert wird; einige neuere Studien zeigen Vorteile einer Endoprothese bei sehr niedriger Knochenqualität, während andere die Plattenosteosynthese bevorzugen. Es besteht jedoch kein eindeutiger Konsens, und weitere hochwertige Studien sind erforderlich.

Verwandte Codes

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.