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Purpura Schönlein‑Henoch (IgA‑Vaskulitis) – Diagnostik, Differenzialdiagnostik & Therapie‑Standard für die Pädiatrie

Stärkste Quellenart: Übersichtsarbeit
  • Übersichtsarbeit: 3

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

HOS-019947

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Purpura Schönlein-Henoch, auch IgA‑Vaskulitis genannt, ist eine kleine Gefäßvasculitis, die vorwiegend Kinder und Jugendliche betrifft, aber ebenfalls im Erwachsenenalter auftreten kann. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch ein simultanes Auftreten von kutanen Purpuren, Arthralgien bzw. Arthritis, abdominalen Beschwerden und einer renalen Beteiligung. Epidemiologisch liegt die Inzidenz bei etwa 10–20 Fällen pro 100 000 Personen‑Jahre in der Kindheit; im Erwachsenenalter ist sie seltener. Die klinische Relevanz ergibt sich aus dem potenziellen Risiko für chronische Nierenschäden, welche den langfristigen Verlauf bestimmen.

Klinisches Erscheinungsbild

Das typische Krankheitsbild umfasst palpable Purpura an den unteren Extremitäten, häufig aber auch am Gesäß und an den Armen. Begleitend treten schmerzlose oder druckempfindliche Gelenkbeschwerden auf, meist in Form einer nicht‑erosiven Arthritis der Knie, Sprunggelenke und Handgelenke. Gastrointestinale Manifestationen reichen von unspezifischen Bauchschmerzen bis zu schweren Blutungen und Perforationen. Renale Beteiligung äußert sich durch Hämaturie, Proteinurie und im ungünstigen Fall zu einer schnell fortschreitenden Glomerulonephritis. Der Verlauf ist häufig akut mit spontaner Remission innerhalb weniger Wochen, kann jedoch bei renaler Involvierung chronisch werden.

Diagnostik

Die Diagnose beruht auf einer Kombination aus Anamnese, klinischem Befund und unterstützenden Laboruntersuchungen. Charakteristisch sind das Vorhandensein von palpable Purpura ohne thrombopenische Tendenz sowie die gleichzeitige Manifestation von Gelenk‑ und Bauchsymptomen. Labormethoden zeigen häufig erhöhte Serum‑IgA‑Konzentrationen, jedoch ist dies kein zwingendes Kriterium. Urinstatus mit Nachweis von Hämaturie und Proteinurie dient der Früherkennung einer Nierenbeteiligung. Bildgebende Verfahren (z. B. Ultraschall des Abdomens) können Komplikationen wie Darmischämien aufdecken. Histopathologisch bestätigt eine Hautbiopsie mit immunfluoreszierender Darstellung von IgA in den kleinen Gefäßen die Diagnose.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Erkrankungen sind andere kleine Gefäßvasculitiden (z. B. mikroskopische Polyangiitis), kutane Leukocytosen, Thrombozytopenien mit Purpura sowie infektiöse Ursachen wie Meningokokken‑Sepsis. Die Unterscheidung von IgA‑Vaskulitis erfolgt insbesondere durch das Vorhandensein von IgA‑Depositionen in der Hautbiopsie und dem Fehlen systemischer Autoantikörper (z. B. ANCA). Bei abdominalen Symptomen muss zwischen einer Beteiligung im Rahmen der IgA‑Vaskulitis und anderen entzündlichen Darmerkrankungen differenziert werden.

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad und Organbeteiligung. Bei rein kutaner Manifestation ohne organische Komplikationen ist in der Regel symptomatische Therapie ausreichend, wobei Schmerzmittel und lokale Hautpflege empfohlen werden. Bei signifikanter Gelenkbeteiligung kann eine nicht‑steroidale Antirheumatika‑Therapie indiziert sein. Bei gastrointestinalen oder renalen Komplikationen wird eine systemische immunsuppressive Therapie eingesetzt, die in der Regel mit Kortikosteroiden begonnen wird. In schweren Fällen mit ausgeprägter Nierenbeteiligung können zusätzliche Immunsuppressiva hinzugezogen werden, wobei die Auswahl nach individueller Risikobewertung erfolgt.

Besondere Populationen

Bei Kindern ist das Krankheitsbild häufig milder und die Prognose im Hinblick auf renale Komplikationen besser als bei Erwachsenen. Schwangere Patientinnen benötigen eine besonders sorgfältige Risiko‑Benefit-Abwägung, da sowohl die Erkrankung als auch potenzielle Therapien fetale Auswirkungen haben können. Bei älteren Patienten ist das Auftreten von Begleiterkrankungen und einer verminderten Nierenfunktion zu berücksichtigen, was die Therapieentscheidung beeinflussen kann.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Seltene Konstellationen umfassen eine persistierende oder rezidivierende Form der IgA‑Vaskulitis sowie Fälle mit ungewöhnlicher Organbeteiligung (z. B. pulmonale Manifestationen). Aktuelle Übersichtsarbeiten betonen die Notwendigkeit weiterer prospektiver Studien, um optimale Immunmodulationsstrategien zu definieren und Langzeitoutcomes insbesondere bei renaler Involvierung besser zu verstehen.

Verwandte Codes

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.