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Retention von Plazenta und Eihäuten ohne Blutung – Diagnostik & Therapie‑Standard
Stärkste Quellenart: Beobachtungs- oder Vergleichsstudie
- Beobachtungs- oder Vergleichsstudie: 2
- Fachartikel ohne Angabe des Studientyps: 2
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In diesem Artikel
Übersicht
Retained Placenta (RP) bezeichnet das Versagen der natürlichen Ablösung und Ausstoßung der Plazenta innerhalb von 30 Minuten nach der Geburt ohne aktive Blutung. Die Inzidenz liegt in hochentwickelten Gesundheitssystemen bei etwa ein bis drei Prozent aller Geburten. RP ist klinisch relevant, weil es mit einem erhöhten Risiko für sekundäre postpartale Hämorrhagie, Infektionen und in seltenen Fällen für die Notwendigkeit einer hysterektomie verbunden ist. Risikofaktoren umfassen insbesondere einen hohen Body‑Mass‑Index (BMI) sowie bestimmte operative Bedingungen wie ein Verdacht auf Placenta‑Accreta‑Syndrom.
Klinisches Erscheinungsbild
Typisch präsentiert sich RP mit verzögerter Plazentaseparation, wobei die Mutter nach der Geburt keine oder nur geringe Blutungen zeigt. Der Geburtsverlauf ist meist unauffällig; jedoch kann eine verlangsamte Entbindung des Nachgeburtsmaterials auftreten. In den meisten Fällen bleibt das klinische Bild zunächst mild, doch das Risiko für sekundäre Hämorrhagie steigt mit zunehmender Verweildauer der Plazenta. Patienten berichten häufig von Unterleibsschmerzen oder einem vollen Gefühl im Uterus.
Diagnostik
Die Anamnese fokussiert auf die Dauer des dritten Geburtsstadiums, vorherige Schwangerschaften und bekannte Risikofaktoren wie Adipositas. Klinisch wird die fehlende spontane Plazentaseparation nach 30 Minuten beurteilt. Ultraschall kann zur Bestätigung einer nicht separierten Plazenta eingesetzt werden, insbesondere wenn eine abnormale Lage oder ein Verdacht auf Placenta‑Accreta besteht. Laboruntersuchungen umfassen Blutbild und Gerinnungsparameter, um eine beginnende Hämorrhagie frühzeitig zu erkennen.
Differenzialdiagnosen
Wichtige Differenzialdiagnosen schließen eine sekundäre postpartale Blutung ohne Retention, Uterusatonie, uterine Ruptur sowie Infektionen des Uterus (Endometritis) ein. Die Unterscheidung erfolgt über die Kombination von klinischem Verlauf (Fehlen einer spontanen Plazentaseparation), bildgebenden Befunden und Laborwerten. Bei Verdacht auf Placenta‑Accreta muss eine differenzierte Bildgebung erfolgen, da hier das Risiko für massive Blutungen und operative Komplikationen höher ist.
Therapie
Die leitliniengerechte Therapie von RP ohne aktive Blutung beginnt mit einer manuellen Entfernung der Plazenta unter sterilen Bedingungen. Sollte die manuelle Technik nicht erfolgreich sein, wird ein kontrollierter chirurgischer Eingriff (z. B. uterine Curettage) empfohlen. Bei Patienten mit Verdacht auf Placenta‑Accreta oder bei erfolgloser konservativer Therapie kann eine hysterektomie erforderlich werden; dies ist insbesondere nach Kaiserschnittgeburten mit RP relevant. Anästhetisch wird häufig ein kurzer Allgemeinanästhesie‑ bzw. Regionalanästhesie‑Ansatz gewählt, wobei die Wahl des Verfahrens von der Dringlichkeit und dem Vorhandensein einer Epiduralanalgesie abhängt.
Besondere Populationen
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
Aktuelle Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen einem erhöhten BMI und dem Auftreten von RP, was auf ein verändertes uterines Kontraktionsmuster bei adipösen Patientinnen hindeutet. Darüber hinaus wurde eine Assoziation zwischen einer verlängerten Dauer des dritten Geburtsstadiums und dem Risiko für postpartale Hämorrhagie nachgewiesen, wobei RP als signifikanter Risikofaktor identifiziert wurde. Bei Frauen mit RP nach Kaiserschnitt besteht ein erhöhtes Risiko für die Notwendigkeit einer hysterektische Intervention, insbesondere wenn gleichzeitig ein Verdacht auf Placenta‑Accreta vorliegt. Anästhetisch hat eine multizentrische retrospektive Studie gezeigt, dass das Fehlen einer bereits bestehenden Epiduralanalgesie keinen signifikanten Einfluss auf den Erfolg der manuellen Plazentaremission hat, jedoch die Wahl des Anästhesieverfahrens die perioperative Sicherheit beeinflussen kann.
Verwandte Codes
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
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