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Rissverletzung und Ruptur des Auges – Diagnostik, Differenzialdiagnosen & Therapie‑Standard (S05.2)
Stärkste Quellenart: Fallbericht oder Meinungsbeitrag
- Fallbericht oder Meinungsbeitrag: 2
- Fachartikel ohne Angabe des Studientyps: 4
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In diesem Artikel
Übersicht
Rissverletzungen und Rupturen des Augapfels mit Prolaps oder Verlust intraokularen Gewebes stellen ein ophthalmologisches Notfallbild dar, das durch direkte oder stumpfe Traumata verursacht wird. Die Inzidenz ist im Rahmen von okulären Traumata relativ gering, jedoch führt die potenziell irreversible Schädigung der Sehfunktion zu einer hohen klinischen Relevanz. Ein rasches Erkennen und adäquates Management sind entscheidend für den Erhalt des Sehvermögens.
Klinisches Erscheinungsbild
Typische Leitsymptome umfassen plötzliches, starkes Augenschmerz, Verlust der Sehschärfe bis zur Blindheit sowie das Auftreten von Blutungen im Vorder‑ oder Hinterkammerraum. Charakteristische Befunde sind ein ausgeprägter Prolaps von intraokularem Gewebe (z. B. Iris, Vitreus), sichtbare Wundränder am Sklera- oder Hornhautrand und eine abnorme Form des Augapfels („kegelförmige“ Deformation). Oft wird ein „Seidel‑Test“ positiv ausfallen, was auf anhaltenden Flüssigkeitsaustritt hinweist. Der Verlauf kann sich schnell verschlechtern, wenn die Wundränder nicht stabilisiert werden.
Diagnostik
Die Anamnese fokussiert das traumatische Ereignis, das Vorhandensein von Fremdkörpern und die zeitliche Entwicklung der Symptome. Die klinische Untersuchung beinhaltet eine gründliche Spaltlampen‑ und Funduskontrolle sowie den Seidel‑Test. Bildgebend ist ein hochauflösendes CT des Orbitas empfohlen, um die Ausdehnung der Ruptur, das Vorhandensein von Fremdkörpern und begleitende knöcherne Verletzungen zu beurteilen; hierbei hat sich ein neu entwickeltes Mnemonic zur strukturierten Befundung als praktikabel erwiesen. In speziellen Fällen kann eine B‑Scan‑Sonographie ergänzend eingesetzt werden, sofern die Integrität der Sklera nicht gefährdet ist.
Differenzialdiagnosen
Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen:
- Kornealperforation – meist mit flacherem Prolaps und fehlender Skleraleintrittsstelle.
- Intraokularer Bluterguss (Hyphema) – zeigt sich primär als Blutansammlung im Vorderkammerraum ohne Gewebeprolaps.
- Orbitafraktur mit sekundärer Augenverletzung – erfordert die Unterscheidung von knöchernen Verletzungen und eventueller Enukleation.
- Endophthalmitis – kann nach traumatischer Öffnung auftreten, unterscheidet sich jedoch durch entzündliche Befunde und fehlende akute Gewebeexposition.
Therapie
Die sofortige Stabilisierung der Wundränder ist zentral. Leitliniengerechte Therapie beinhaltet das Anlegen eines sterilen Augenverbandes, die Verabreichung von systemischen Antibiotika zur Prophylaxe einer Endophthalmitis sowie eine adäquate Schmerztherapie. Operativ wird häufig ein perikardiales Onlay‑Transplantat verwendet, um Skleraldefekte zu schließen und das intraokulare Volumen zu sichern; Fallberichte zeigen damit gute anatomische Resultate. Nach der primären Versorgung ist die sekundäre Rekonstruktion (z. B. Vitrektomie) abhängig vom Ausmaß des Gewebeverlustes und dem visuellen Funktionsstatus. Der visuelle Prognosefaktor korreliert stark mit dem Zeitpunkt der Intervention und dem Erhalt der Netzhautstruktur.
Besondere Populationen
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Verwandte Codes
Im selben ICD‑10‑Block finden sich benachbarte Diagnosen, die okuläre Traumata und strukturelle Verletzungen des Auges betreffen.
Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.