Zum Inhalt

HealthOSArtikel A–Z

Arbeitsbereiche

Nachschlagen

Wissensartikel · DE

Uterusatonie (O62.2): Diagnostik, Differenzialdiagnostik und Therapie‑Standard

Stärkste Quellenart: Übersichtsarbeit
  • Übersichtsarbeit: 1

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

HOS-037457

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Uterusatonie bezeichnet das Versagen des Uterus, nach der Geburt oder einer gynäkologischen Intervention adäquat zu kontrahieren, sodass ein pathologischer Blutverlust entsteht. Sie ist die häufigste Ursache für postpartale Hämorrhagien und trägt maßgeblich zur mütterlichen Morbidität und Mortalität bei. Epidemiologisch wird sie in industrialisierten Ländern als Hauptursache für schwere postpartale Blutungen angegeben; genaue Inzidenzraten variieren je nach Studie, liegen jedoch im einstelligen Prozentbereich der Geburten. Die klinische Relevanz ergibt sich aus dem potenziellen schnellen Fortschreiten zu hypovolämischem Schock und organischer Fehlfunktion, wenn nicht zeitnah wirksame Maßnahmen ergriffen werden.

Klinisches Erscheinungsbild

Typisch für eine Uterusatonie ist das Fehlen einer ausreichenden uterinen Kontraktion nach der Entbindung, was sich in einem weichen, nicht kontrahierten Uterus im Palpationsbefund äußert. Begleitend zeigen sich anhaltende vaginale Blutungen trotz bereits erfolgter Ablösung der Plazenta und ggf. eines normalen Geburtsverlaufs. Der Blutverlust kann rasch ansteigen, begleitet von Zeichen einer Hypotonie, Tachykardie und verminderten Urinausscheidung. In den beschriebenen Fallberichten zu Amnionflüssigkeitsembolie wurde die Uterusatonie als sekundäres Phänomen beobachtet, das zusammen mit kardiovaskulären Komplikationen ein kritisches Bild erzeugte.

Diagnostik

Die Diagnose basiert primär auf der klinischen Beurteilung. Anamnese und Geburtsverlauf (z. B. schnelle oder schwierige Entbindung, Prä‑Eklampsie) geben Hinweise auf Risikofaktoren. Die körperliche Untersuchung fokussiert den Palpationsbefund des Uterus sowie die Quantifizierung des Blutverlusts. Laboruntersuchungen dienen der Überwachung von Hämoglobin, Hämatokrit und Gerinnungsparametern; bei Verdacht auf begleitende Amnionflüssigkeitsembolie können zusätzliche Marker wie Serum‑Tryptase erhoben werden, wobei diese nicht spezifisch sind. Bildgebende Verfahren (z. B. Ultraschall) können zur Bestätigung einer fehlenden uterinen Kontraktion und zum Ausschluss von Retentionsfragmenten eingesetzt werden.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen:

  • Uterusruptur: häufig mit akuter Abdominalschmerzhaftigkeit, peritonealer Blutung und sonographisch nachweisbarer freier Flüssigkeit.
  • Lösegungsstörung (Retained Placenta): persistierende Plazentareste führen zu anhaltender Blutung; Palpation zeigt oft ein verhärtetes Uterussegment.
  • Koagulopathien: disseminierte intravaskuläre Koagulation oder schwere Thrombozytopenie können ebenfalls massive Blutungen verursachen, jedoch mit charakteristischen Laborbefunden.
  • Vaskuläre Läsionen (z. B. uterine Arterienverletzungen): erfordern häufig interventionelle Radiologie zur Identifikation.

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach den grundsätzlichen Prinzipien der postpartalen Blutungsmanagements und ist leitliniengerecht ausgerichtet. Zunächst erfolgt eine manuelle Massage des Uterus, um die Kontraktion zu stimulieren. Bei unzureichender Wirkung werden uterotonische Medikamente eingesetzt; die Auswahl orientiert sich an etablierten Standards, wobei Oxytocin‑Analoga bevorzugt werden. Zusätzlich können weitere uterotone Substanzen als zweite Linie verwendet werden, wenn das Ansprechen auf das erste Präparat ungenügend ist. Bei fortbestehendem Blutverlust sind chirurgische Maßnahmen wie Befehlshabermethoden (z. B. uterine Kompression, tamponierende Techniken) oder im Extremfall hysterektomie indiziert. Die gleichzeitige Volumenresuscitation mit kristalloiden und ggf. kolloidalen Lösungen sowie die frühzeitige Bluttransfusion nach definierten Triggern sind integraler Bestandteil der Therapie.

Besondere Populationen

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Verwandte Codes

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.