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Verätzung von Kornea und Konjunktivalsack – Diagnostik, Differenzialdiagnosen und Therapie-Standard (ICD‑10 T26.6)
Stärkste Quellenart: Beobachtungs- oder Vergleichsstudie
- Beobachtungs- oder Vergleichsstudie: 1
- Fallbericht oder Meinungsbeitrag: 1
Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.
In diesem Artikel
Übersicht
Verätzungen der Kornea und des Konjunktivalsackes stellen ein ophthalmologisches Notfallbild dar, das durch chemische Aggressiva (z. B. ätzende Säuren oder Basen) ausgelöst wird. Die Inzidenz ist in der Allgemeinbevölkerung niedrig, tritt jedoch vermehrt bei Arbeitsunfällen und im Kontext kritischer Intensivpflege auf, wenn Patienten unbeabsichtigt mit reizenden Substanzen in Kontakt kommen. Klinisch relevant sind die potenziell dauerhaften Schäden an der Hornhautoberfläche und am Konjunktivalgewebe, die zu Sehverlust, chronischen Entzündungen und sekundären Komplikationen wie Tubusexposition bei Glaukomdrainage‑Implantaten führen können.
Klinisches Erscheinungsbild
Typische Leitsymptome einer akuten Verätzung umfassen plötzliches Brennen, Schmerzen, Rötung und Tränenfluss. Am Auge zeigen sich ein milchiger oder weißlicher Hornhautbefund (Epithelnekrose), stromale Ödeme sowie eine hyperämische Konjunktiva mit möglichem Abschälen von Gewebe. Bei schweren Basenverätzungen kann die Hornhaut transparent bleiben, jedoch tiefe Stromalnekrosen und Desintegration der Bowman‑Membran vorliegen. Der Verlauf ist abhängig vom pH-Wert des Agens: Säuren verursachen koagulative Nekrose mit relativ begrenzter Ausdehnung, während Basen zu liquefizierender Zerstörung führen, die sich schnell ausbreiten kann.
Diagnostik
Die Anamnese fokussiert auf das zeitnahe Auftreten nach Kontakt mit einer bekannten oder vermuteten chemischen Substanz sowie auf mögliche Begleitverletzungen. Die klinische Untersuchung beinhaltet eine Spaltlampenbiomikroskopie zur Beurteilung von Epitheldefekten, stromalen Veränderungen und Konjunktivalbeteiligung. Fluoreszin‑Aufnahmen können die Ausdehnung von epithelialen Defekten quantifizieren. In schweren Fällen ist ein Bildgebungs‑ oder mikrobiologischer Abklatsch sinnvoll, um sekundäre Infektionen auszuschließen. Die Diagnose wird gestellt, wenn ein klarer Zusammenhang zwischen chemischem Kontakt und den genannten Befunden besteht.
Differenzialdiagnosen
Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen:
- Bakterielle/Keratitis‑Infektionen: meist mit purulenter Infiltration und fehlendem akutchemischen Auslöser.
- Thermische Verbrennungen: ähnliche Schmerzen, jedoch ohne chemische Substanzexposition.
- Autoimmune Keratitiden (z. B. Sjögren): chronischer Verlauf, keine akute Schmerzspitze.
- Mechanische Hornhautverletzungen: fokale Abrasionen ohne diffuse stromale Nekrose.
Therapie
Die leitliniengerechte Erstversorgung richtet sich nach dem pH‑Wert des Agens. Bei sauren Verätzungen erfolgt eine großzügige Spülung mit physiologischer Kochsalzlösung, um die Säure zu neutralisieren; bei basischen Substanzen wird ebenfalls mit großer Menge isotone Lösung gespült, wobei ein späterer Einsatz von leicht alkalischem Puffer vermieden werden sollte. Nach der Dekontamination folgt eine medikamentöse Standardtherapie zur Reduktion von Entzündung und Infektionsrisiko, inklusive topischer Antibiotika und kortikosteroider Augentropfen nach klinischer Indikation. Bei tiefen stromalen Defekten oder Tubusexposition, wie im beschriebenen Fallbericht mit Glaukom‑Drainage‑Device, kann ein chirurgisches Management mittels Hornhautpatch‑Transplantat in Kombination mit einer doppelschichtigen Amnionmembran indiziert sein. Diese Technik ermöglicht die Wiederherstellung der Oberflächenintegrität und verhindert weitere Exposition des Implantats.
Besondere Populationen
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
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Verwandte Codes
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