Wissensartikel · DE
Volvulus (K56.2) – Diagnostik, Differenzialdiagnosen & Therapie‑Standard
Stärkste Quellenart: Übersichtsarbeit
- Übersichtsarbeit: 3
Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.
In diesem Artikel
Übersicht
Der Volvulus bezeichnet die Drehung eines luminalen Organs um seine mesenteriale Achse, was zu einer akuten Obstruktion und potenziell zu Ischämie führt. In der Humanmedizin tritt er am häufigsten im Kolon (Sigmoid‑Volvulus) sowie selten im Magen (Gastric Dilatation‑Volvulus, GDV) auf. Die Prävalenz variiert stark nach Region: Sigmoid‑Volvulen sind in Afrika und Asien häufiger, während GDV vorwiegend bei großen Hunderassen beschrieben wird; beim Menschen ist die Inzidenz jedoch niedrig. Klinisch ist der Volvulus ein Notfall mit hoher Morbidität, da die Zeit bis zur Dekompensation kritisch ist.
Klinisches Erscheinungsbild
Typische Leitsymptome sind plötzlich auftretende, krampfartige abdominale Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Beim Sigmoid‑Volvulus dominiert häufig ein distender Abdomen mit tympanischer Klangqualität und fehlenden Darmgeräuschen. Bei einer Magen‑Dilatation‑Volvulus kann ein stark aufgeblähter, schmerzhafter Oberbauch mit ventraler Ausdehnung beobachtet werden; das Erbrechen ist zunächst nicht vorhanden (nicht produktives Aufstoßen). Der klinische Verlauf ist rasch fortschreitend: Ohne promptes Eingreifen folgt eine vaskuläre Kompression, die zu Nekrose und Perforation führen kann.
Diagnostik
Die Anamnese fokussiert auf akute Bauchbeschwerden, Risikofaktoren wie chronische Obstipation, neurogener Darm oder vorherige Volvulen. Die körperliche Untersuchung bestätigt einen distenden Abdomen, abdominelle Abwehrspannung und ggf. fehlende Röntgenzeichen für freie Luft. Bildgebend ist die Sonographie oft eingeschränkt; das abdominale Röntgenbild zeigt charakteristische „U‑Form“ des verlagerten Kolons beim Sigmoid‑Volvulus oder ein starkes Gas‑und Flüssigkeitsniveau bei einer Magen‑Dilatation. Computertomografie liefert definitive Darstellung der Drehung und des Ausmaßes der Ischämie und ist in Zentren mit entsprechender Infrastruktur die diagnostische Goldstandard-Methode.
Differenzialdiagnosen
Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen mechanische Ileus (z. B. Tumor, Hernien), paralytischen Ileus, akute Appendizitis, Divertikulitis und entzündliche Darmerkrankungen. Beim Sigmoid‑Volvulus unterscheidet sich die radiologische „bent‐coil“ oder „coffee bean“-Form von den Befunden bei einer kolikbedingten Obstruktion ohne Drehung. Bei GDV muss zwischen primärer Magenvolvulation und sekundären Ursachen wie Pylorusstenose differenziert werden.
Therapie
Die leitliniengerechte Therapie besteht aus einer sofortigen stabilisierenden Maßnahme (Flüssigkeitsresuscitation, Analgesie) gefolgt von einer schnellen Dekompression. Beim Sigmoid‑Volvulus wird zunächst eine endoskopische Desvolvulation mittels Sigmoidoskopie empfohlen, sofern keine klinischen Zeichen einer Perforation vorliegen. Bei erfolgreicher Desvolvulation folgt in der Regel eine elektive resektive Operation (Sigmaresektion) zur Prävention von Rezidiven. Bei GDV ist die definitive Therapie eine Notoperation mit Magenentleerung, Dekompression und gastropezialen Fixierung (Gastropexie), um ein erneutes Volvulus zu verhindern. Die operative Vorgehensweise richtet sich nach dem intraoperativen Befund (lebendes vs. nekrotisches Gewebe) und wird entsprechend angepasst.
Besondere Populationen
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Verwandte Codes
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.