Wissensartikel · DE
Delir im Krankenhaus (ICD‑10 F05): Diagnostik‑Algorithmus & Therapie‑Standard
Stärkste Quellenart: Übersichtsarbeit
- Übersichtsarbeit: 3
Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.
In diesem Artikel
Übersicht
Delir ist ein akutes neuropsychiatrisches Syndrom, das durch plötzlich auftretende Störungen der Aufmerksamkeit, des Bewusstseins und der kognitiven Funktionen gekennzeichnet ist. Es tritt besonders häufig bei hospitalisierten älteren Patienten auf und ist mit erhöhten Morbiditäts- sowie Mortalitätsraten verbunden. Die Inzidenz variiert je nach Patientenkollektiv, liegt jedoch im stationären Setting signifikant höher als in der ambulanten Versorgung.
Klinisches Erscheinungsbild
Typische Leitsymptome des Delirs umfassen eine gestörte Aufmerksamkeitsfähigkeit, Desorientierung, Schwankungen im Bewusstseinsgrad sowie akute Verwirrtheit. Häufig treten zusätzlich Halluzinationen, Wahnvorstellungen und motorische Unruhe oder Hypoaktivität auf. Der Verlauf ist charakteristisch fluktuierend: Symptome können innerhalb von Stunden bis Tagen stark variieren, wobei Phasen der Besserung von erneuten Verschlechterungen abgelöst werden.
Diagnostik
Die Diagnose des Delirs beruht auf einer strukturierten Anamnese, die akute Auftretenszeit und Schwankungscharakter erfasst, sowie auf einer klinischen Untersuchung, die Aufmerksamkeitsdefizite und Bewusstseinsstörungen nachweist. Standardisierte Screening‑Instrumente (z. B. Confusion Assessment Method) werden empfohlen, um die Erkennung zu erleichtern. Labor- und apparative Untersuchungen dienen der Identifikation potenzieller Auslöser wie Infektionen, Elektrolytstörungen oder Medikamententoxizitäten. Die Diagnosekriterien schließen akuten Beginn, fluktuierenden Verlauf, gestörte Aufmerksamkeit und zusätzliche kognitive Beeinträchtigungen ein.
Differenzialdiagnosen
Wichtige abzugrenzende Diagnosen sind:
- Demenz: chronischer Verlauf, weniger ausgeprägte Schwankungen, fehlende akute Aufmerksamkeitsstörung.
- Psychotische Störungen: häufig länger anhaltend, ohne den typischen Fluktuationsverlauf des Delirs.
- Depressive Episode mit kognitiven Defiziten: eher persistente Stimmungslage, weniger ausgeprägte Bewusstseinsveränderungen.
- Substanzinduzierte Zustände (z. B. Alkoholentzug): können ähnliche Symptome zeigen, jedoch meist mit spezifischen toxikologischen Befunden.
Therapie
Die Behandlung des Delirs folgt einem zweistufigen Ansatz: Zunächst die Identifikation und Beseitigung auslösender Faktoren (Infektionen, Medikamentennebenwirkungen, Stoffwechselstörungen). Anschließend wird eine symptomorientierte Therapie eingeleitet. Nicht‑pharmakologische Maßnahmen umfassen Orientierungshilfen, Schlafhygiene, Mobilisation und Minimierung von sensorischen Überlastungen. Bei schwerem Agitations- oder Psychosesyndrom kann eine medikamentöse Standardtherapie erwogen werden, wobei die Auswahl des Wirkstoffs an das individuelle Risiko‑Profil des Patienten angepasst wird.
Besondere Populationen
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Verwandte Codes
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.