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Episcleritis und Scleritis – Differenzialdiagnostik und Therapie‑Standard (Stufe 2)

Stärkste Quellenart: Übersichtsarbeit
  • Übersichtsarbeit: 3

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

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In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Episkleritis und Skleritis sind entzündliche Erkrankungen der äußersten Schichten des Augapfels, die von einer harmlosen, selbstlimitierenden Episkleritis bis hin zu einer potenziell schwerwiegenden, visusgefährdenden Skleritis reichen. Die Prävalenz liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich unter allen entzündlichen Augenkrankheiten; sie treten häufig im Kontext systemischer Autoimmunerkrankungen auf, insbesondere bei rheumatoider Arthritis und Granulomatose mit Polyangiitis. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Schweregrade ist eine präzise Differenzierung für die Therapie essenziell.

Klinisches Erscheinungsbild

Die Episkleritis präsentiert sich typischerweise als lokalisierter roter Fleck am bulbaren Rand, begleitet von milden Schmerzen, die meist beim Blinzeln verstärkt werden. Die Konjunktiva ist gerötet, jedoch ohne tiefe Sclera‑Beteiligung; der Sehnerv und die Sehschärfe bleiben erhalten. Der Krankheitsverlauf ist in der Regel akut und selbstlimitierend innerhalb weniger Tage bis Wochen.

Die Skleritis hingegen verursacht starke, bohrende Schmerzen, die auch im Ruhezustand bestehen und sich nachts verstärken können. Klinisch zeigt sie eine diffuse oder segmentale Rötung mit verdickter, harten Sclera, häufig verbunden mit Hornhaut‑nähe Entzündungen (Keratitis) und möglicher Reduktion der Sehschärfe. Bei chronischer oder nodulärer Skleritis kann es zu knötchenförmigen Verdichtungen kommen; visusbedrohende Komplikationen umfassen Glaukom, Katarakt und Netzhautablösung.

Diagnostik

Die Anamnese fokussiert auf Schmerzcharakter, Dauer, systemische Begleiterkrankungen sowie frühere Episoden. Die klinische Untersuchung beinhaltet Spaltlampenbiomikroskopie zur Beurteilung der Rötung, Sclera‑Dicke und Hornhautbeteiligung; bei Skleritis zeigen sich verdickte, opake Bereiche mit erhöhter Vaskularisation. Funduskopie ist wichtig, um sekundäre Komplikationen auszuschließen.

Laboruntersuchungen umfassen ein Basispanel (CRP, BSG) zur Entzündungsaktivität sowie serologische Tests auf rheumatoide Faktoren, Anti‑CCP, ANCA und ANA, da etwa 30 % der Skleritis‑Fälle mit systemischen Autoimmunerkrankungen assoziiert sind. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder OCT können die Sclera‑Dicke quantifizieren; bei Verdacht auf infektiöse Ursachen sollte eine mikrobiologische Abklärung erfolgen.

Diagnosekriterien beruhen auf dem klinischen Muster (lokal begrenzte, schmerzlose Rötung → Episkleritis; tiefe, schmerzhafte, verdickte Sclera → Skleritis) sowie dem Ausschluss infektiöser Ätiologien und der Identifikation systemischer Begleiterkrankungen.

Differenzialdiagnosen

  • Konjunktivitis: Oberflächliche Rötung ohne Sclera‑Verdickung, meist milde Beschwerden.
  • Uveitis: Entzündung des Uvea‑Komplexes mit Korneal‑ und Irisbeteiligung; Schmerzen häufig mit Photophobie verbunden.
  • Keratitis: Hornhautentzündung mit Opazität, Trübungszeichen und Sehstörungen, nicht primär scleral.
  • Thrombose der Sclera‑Venen: Lokalisierte rote Punkte ohne entzündliche Verdickung.
  • Infektiöse Skleritis (z. B. bakterielle, virale): Häufig mit systemischen Infektionszeichen und Nachweis von Erregern.

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad und zugrundeliegender Systemerkrankung. Bei unkomplizierter Episkleritis reicht häufig eine symptomatische Therapie mit topischen nicht‑steroidalen Antiphlogistika oder kortikosteroiden Augentropfen; die Erkrankung verläuft meist selbstlimitierend.

Die Skleritis erfordert systemische immunsuppressive Therapie. In akuten, schmerzhaften Formen wird zunächst ein kurzwirksames Systemic‑Corticosteroid (z. B. Prednison) eingesetzt, um die Entzündung rasch zu kontrollieren. Bei chronischen oder rezidivierenden Verläufen ist eine steroid‑sparende Therapie mit konventionellen Immunsuppressiva (wie Methotrexat) oder Biologika indiziert, wobei das Vorhandensein einer systemischen Autoimmunerkrankung die Wahl des Wirkstoffs beeinflusst. Die Therapie wird stets an die individuelle Krankheitsaktivität und Nebenwirkungsprofil angepasst; regelmäßige ophthalmologische Kontrollen sind zwingend erforderlich.

Besondere Populationen

Für Schwangere liegen keine belastbaren Daten zu spezifischen Therapieregimen vor; eine risikoorientierte Abwägung von Nutzen und potenziellen Risiken für Mutter und Kind ist notwendig. Bei Kindern wird die Episkleritis ähnlich wie bei Erwachsenen symptomatisch behandelt, während die Skleritis aufgrund des höheren Risikos für Sehbehinderung frühzeitig mit systemischen Immunsuppressiva adressiert werden sollte. Ältere Patienten benötigen eine sorgfältige Dosisanpassung von Kortikosteroiden und Immunsuppressiva unter Berücksichtigung von Nieren‑ und Leberfunktion sowie Begleiterkrankungen.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Seltene Formen wie necrotisierende Skleritis oder granulomatöse Varianten werden in der Literatur nur sporadisch beschrieben; hier können hochdosierte Kortikosteroide kombiniert mit aggressiven Immunmodulatoren erforderlich sein. Aktuelle Studien untersuchen den Einsatz neuer Biologika (z. B. IL‑6‑Blocker) bei skleritisassoziierten Autoimmunerkrankungen, jedoch fehlt bislang ein konsistenter Evidenznachweis für deren routinemäßige Anwendung.

Verwandte Codes

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.