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Erythema exsudativum multiforme – Differenzialdiagnostik und Therapie‑Standard

Stärkste Quellenart: Systematische Übersicht oder Metaanalyse
  • Systematische Übersicht oder Metaanalyse: 1
  • Übersichtsarbeit: 4

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

HOS-014178

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Erythema exsudativum multiforme (EEM) ist ein selbstlimitierendes kutanes Immunphänomen, das typischerweise als akuter Hautausschlag mit target‑artigen Läsionen auftritt. Die Inzidenz liegt im europäischen Kontext bei wenigen Fällen pro 100 000 Einwohner jährlich und betrifft vor allem junge Erwachsene. Klinisch relevant ist die Notwendigkeit, EEM von schwereren kutanen Arzneimittelreaktionen wie Stevens‑Johnson-Syndrom (SJS) oder toxischer epidermaler Nekrolyse (TEN) zu unterscheiden, da die Prognose und das therapeutische Vorgehen diver­gieren.

Klinisches Erscheinungsbild

Das charakteristische Leitsymptom sind runde bis ovale, erhabene Plaques mit zentraler Bläschenbildung und peripherem Erythem, die das klassische „Target“-Muster bilden. Die Läsionen treten bevorzugt an den Extremitäten, insbesondere Händen und Füßen, sowie am Gesichts‑ und Halsbereich auf; eine mukokutane Beteiligung ist selten und unterscheidet EEM von SJS/TEN. Der Verlauf ist meist abrupt mit einem Höhepunkt innerhalb von 7–10 Tagen, gefolgt von spontaner Regression über 1–2 Wochen ohne Narbenbildung.

Diagnostik

Die Anamnese fokussiert potenzielle Trigger wie Infektionen (insbesondere Mycoplasma pneumoniae) und neue Medikamenteneinnahme. Klinisch‑dermatologische Untersuchung bestätigt das Vorhandensein von target‑artigen Läsionen ohne großflächige Nekrolyse oder ausgedehnte Mukositis. Laboruntersuchungen können serologische Nachweise einer Mykoplasmeninfektion erbringen; sonst gibt es keinen spezifischen Biomarker für EEM. Die Diagnose basiert auf klinischen Kriterien und dem Ausschluss schwererer SCAR (Severe Cutaneous Adverse Reactions).

Differenzialdiagnosen

  • Stevens‑Johnson-Syndrom/TEN – gekennzeichnet durch großflächige epidermale Nekrolyse, ausgeprägte Mukositis und höheres Mortalitätsrisiko.
  • Urtikaria/angioödematischer Ausschlag – flüchtige Quaddeln ohne target‑Form.
  • Paraneoplastischer Exanthem – häufig mit systemischen Symptomen und atypischem Muster.
  • Bullöses Pemphigoid – subepidermale Blasenbildung, meist bei älteren Patienten.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Identifikation und Entfernung des auslösenden Faktors (z. B. Absetzen eines verdächtigen Medikaments). Leitliniengerechte supportive Maßnahmen umfassen lokales Wundmanagement, Schmerztherapie und Flüssigkeits‑ sowie Elektrolyt‑Ausgleich. Bei infektiösem Trigger, insbesondere Mycoplasma pneumoniae, wird eine antibiotische Therapie empfohlen, die den Erreger adressiert. In schweren Verläufen kann ein kortikosteroidbasierter Ansatz erwogen werden; die Evidenzlage für systemische Kortikosteroide ist jedoch nicht eindeutig und beruht primär auf klinischer Erfahrung.

Besondere Populationen

Für Schwangere, Kinder, ältere Menschen sowie Patienten mit Nieren‑ oder Leberinsuffizienz liegen in den geprüften Quellen keine spezifischen evidenzbasierten Empfehlungen zur Therapie von EEM vor. Allgemein gilt jedoch, dass die Grundprinzipien der Triggerelimination und symptomatischen Versorgung auch in diesen Gruppen angewendet werden sollten, wobei Dosierungen und Medikamentenauswahl individuell an die jeweilige Physiologie anzupassen sind.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Seltene Konstellationen wie ein gleichzeitiges Auftreten von EEM und einer ausgeprägten mukokutanen Beteiligung wurden als mögliche Übergangsformen zu SJS beschrieben, jedoch fehlt bislang konsensbasierte Evidenz für eine differenzierende Klassifikation. Aktuelle systematische Übersichtsarbeiten betonen die Notwendigkeit weiterer prospektiver Studien, um klare Therapiealgorithmen und Biomarker zur Unterscheidung von EEM und anderen SCAR zu etablieren.

Verwandte Codes

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.