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Anorexia nervosa (ICD‑10 F50.0): Differenzialdiagnostik & Therapie‑Standard
Stärkste Quellenart: Beobachtungs- oder Vergleichsstudie
- Beobachtungs- oder Vergleichsstudie: 1
- Übersichtsarbeit: 2
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In diesem Artikel
Übersicht
Anorexia nervosa ist eine schwere Essstörung, gekennzeichnet durch absichtlichen Gewichtsverlust trotz physiologischer Notwendigkeit. Die Prävalenz liegt in Deutschland im niedrigen einstelligen Prozentbereich, wobei das Erkrankungsalter typischerweise in der Adoleszenz beginnt und die weibliche Bevölkerung stärker betroffen ist. Aufgrund hoher Mortalität und signifikanter körperlicher Komorbiditäten stellt sie eine relevante Herausforderung für die klinische Versorgung dar.
Klinisches Erscheinungsbild
Betroffene zeigen ein stark eingeschränktes Körpergewicht (BMI deutlich unter dem 5‑Perzentil), eine ausgeprägte Angst vor Gewichtszunahme sowie einen gestörten Selbstwahrnehmungs‑ und Körperbild. Typisch sind restriktive Essgewohnheiten, exzessives Sporttreiben oder das Erbrechen nach Mahlzeiten. Der Krankheitsverlauf verläuft häufig schubweise mit Phasen der Stabilisierung gefolgt von Rückfällen. Neben den psychischen Symptomen manifestieren sich körperliche Befunde wie Bradykardie, Hypotonie, amenorrhoische Zustände und Zeichen einer Mangelernährung (z. B. Haarausfall, Nagelveränderungen).
Diagnostik
Die Anamnese erfasst das Essverhalten, die Gewichtshistorie sowie psychosoziale Stressoren. Klinisch wird der BMI gemessen und mit alters- und geschlechtsspezifischen Normwerten verglichen. Körperliche Untersuchung konzentriert sich auf kardiovaskuläre Befunde (Bradykardie, niedriger Blutdruck), dermatologische Zeichen und hormonelle Störungen (z. B. Hypothalamus‑Hypophysen‑Achsen). Laboruntersuchungen umfassen Elektrolyte, Schilddrüsenparameter, Gonadotropine und Knochenstoffwechselmarker. Die Diagnose basiert auf den etablierten Kriterien für Anorexia nervosa, die restriktives Essverhalten, signifikanten Gewichtsverlust und die gestörte Körperwahrnehmung einschließen.
Differenzialdiagnosen
Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen:
- Bulimia nervosa: Vorwiegend episodisches Erbrechen bei normalem oder leicht reduziertem Gewicht.
- Vermeidende/restriktive Nahrungsaufnahme-Störung (ARFID): Gewichtsverlust ohne ausgeprägte Angst vor Gewichtszunahme.
- Depression mit Appetitverlust: Fehlender spezifischer Fokus auf Körpergewicht und -bild.
- Chronische Erkrankungen (z. B. entzündliche Darmerkrankungen, Malabsorption), die sekundär zu Gewichtsverlust führen können.
Therapie
Die evidenzbasierte Behandlung kombiniert psychotherapeutische und medizinisch‑nutritionelle Maßnahmen. Leitliniengerechte Psychotherapie umfasst kognitive Verhaltenstherapie oder Familientherapie bei Jugendlichen, wobei der Fokus auf Normalisierung des Essverhaltens und Korrektur der Körperbildstörung liegt. Medizinisch‑nutritional wird ein strukturiertes Wiederauffüllungsprogramm mit gesteigerter Kalorienzufuhr unter engmaschiger Überwachung implementiert, um Refeeding-Syndrom zu vermeiden. Bei Bedarf erfolgt eine symptomorientierte medikamentöse Therapie (z. B. Antidepressiva) zur Behandlung komorbider Störungen; konkrete Wirkstoffe und Dosierungen werden individuell nach klinischer Indikation gewählt.
Besondere Populationen
Für Schwangere mit Anorexia nervosa besteht ein erhöhtes Risiko für fetale Wachstumsrestriktion und Frühgeburt; eine engmaschige interdisziplinäre Betreuung ist erforderlich. Bei Kindern und Jugendlichen wird besonders die Familientherapie empfohlen, da sie nachweislich den Therapieerfolg verbessert. Ältere Patientinnen zeigen häufig reduzierte physiologische Reserven, sodass die Wiederauffüllung langsamer erfolgen muss. Patienten mit Nieren‑ oder Leberinsuffizienz benötigen eine angepasste Kalorien- und Flüssigkeitszufuhr sowie regelmäßige Laborkontrollen.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
Seltene Konstellationen wie Anorexia nervosa in Kombination mit autistischen Merkmalen wurden nur begrenzt untersucht; die vorhandene Literatur weist auf mögliche Unterschiede im Essverhalten hin, jedoch fehlt ein konsistenter Therapieansatz. Aktuelle Forschung betont die Notwendigkeit weiterer randomisierter Studien zur Wirksamkeit von neueren psychotherapeutischen Modulen und zu langfristigen Outcome‑Parametern, insbesondere in Bezug auf Mortalität und Wiedererkrangraten.
Verwandte Codes
Zu diesem Thema liegen in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
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