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Hidradenitis suppurativa (ICD‑10 L73.2): Differenzialdiagnostik & Therapie‑Standard

Stärkste Quellenart: Systematische Übersicht oder Metaanalyse
  • Systematische Übersicht oder Metaanalyse: 1
  • Übersichtsarbeit: 4

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

HOS-032931

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Hidradenitis suppurativa ist eine chronisch‑entzündliche Erkrankung der apokrinen Schweißdrüsen, die typischerweise in den Intertriginusregionen auftritt. Die Prävalenz liegt weltweit im einstelligen Prozentbereich, wobei Frauen leicht häufiger betroffen sind. Trotz relativ geringer Häufigkeit führt die Erkrankung zu erheblichem Leidensdruck, hoher Morbidität und signifikanter Beeinträchtigung der Lebensqualität, was ihre klinische Relevanz unterstreicht.

Klinisches Erscheinungsbild

Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch wiederkehrende, schmerzhafte Papeln, Pusteln und tiefe, suppurative Knoten, die häufig zu Fisteln und narbigem Gewebe führen. Die Läsionen treten bevorzugt in den Achseln, der Inguinalregion, im Gesäßbereich sowie an den Brustwarzen auf. Der Verlauf ist meist schubweise mit Phasen akuter Entzündung gefolgt von Remissionen; chronische Verläufe können zu ausgedehnten Narben und Sinusbildungen führen.

Diagnostik

Die Diagnose beruht primär auf einer gründlichen Anamnese und klinischen Untersuchung. Charakteristische Befunde sind wiederholte, entzündliche Läsionen in typischen Lokalisationen sowie das Vorhandensein von Fisteln oder Narben. Laboruntersuchungen dienen meist der Ausschlussdiagnostik; spezifische Entzündungsmarker können erhöht sein, jedoch ist kein pathognomischer Laborwert definiert. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie unterstützen die Beurteilung tieferer Strukturen und das Ausmaß von Fistelnetzwerken. Die Diagnosekriterien umfassen das Vorhandensein typischer Läsionen über einen definierten Zeitraum sowie das Fehlen alternativer Ursachen.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Erkrankungen sind akneiforme Dermatitis, Pilonidalsinus, Furunkulose, intertriginöse Ekzeme und seborrhoische Dermatitis. Akneform kann ähnlich papulopustulöse Läsionen zeigen, jedoch meist im Gesicht oder Rücken ohne ausgeprägte Fisteln. Pilonidalsinus manifestiert sich primär im Sacrum‑Bereich mit sinusförmigen Öffnungen. Furunkulose weist einzelne, isolierte Furunkel auf und fehlt die chronische Wiederkehr in Intertriginusregionen. Intertriginöse Ekzeme zeigen eher erythematöse, nässende Läsionen ohne tiefe Abszesse.

Therapie

Die therapeutische Strategie orientiert sich an dem Schweregrad der Erkrankung und umfasst sowohl nicht‑medikamentöse als auch medikamentöse Maßnahmen. Grundlegende nicht‑pharmakologische Ansätze umfassen Gewichtsreduktion, Rauchabstinenz und geeignete Hauthygiene. Bei leichten Verläufen wird häufig eine lokale Therapie mit antiseptischen oder entzündungshemmenden Präparaten eingesetzt. Moderat bis schwere Formen erfordern systemische Therapien, die auf die Reduktion der Entzündungsaktivität abzielen; hierzu zählen Immunmodulatoren, die das IL‑1/IL‑17‑Signalweg modulieren, sowie Biologika, die gezielt TNF‑α hemmen. Chirurgische Optionen wie Exzision oder Lasertherapie kommen bei rezidivierenden Fisteln und ausgedehnten Narben zum Einsatz.

Besondere Populationen

Für schwangere Patientinnen liegen keine belastbaren Evidenzdaten zu spezifischen Therapieempfehlungen vor; generell wird ein vorsichtiger Umgang mit systemischen Immunmodulatoren empfohlen. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Prävalenz niedriger, jedoch können schwere Verläufe auftreten; hier werden häufig topische Maßnahmen bevorzugt, während systemische Therapien nur nach sorgfältiger Nutzen‑Risiko-Abwägung eingesetzt werden. Ältere Patienten zeigen häufig komorbide Erkrankungen, was die Auswahl von Therapieoptionen beeinflussen kann. Bei Nieren- oder Leberinsuffizienz liegen keine spezifischen Dosierungsempfehlungen in den geprüften Quellen vor; eine individuelle Anpassung der medikamentösen Therapie ist erforderlich.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Seltene Konstellationen wie das Auftreten von Hidradenitis suppurativa im Kontext von autoinflammatorischen Syndromen oder immunmodulatorischer Therapie bei gleichzeitiger malignöser Erkrankung werden in Einzelfallberichten beschrieben, jedoch fehlt eine konsistente Evidenzbasis. Aktuelle Studien untersuchen neue zielgerichtete Therapien, die spezifisch Interleukin‑17 und Interleukin‑23 hemmen; erste Ergebnisse zeigen vielversprechende Wirksamkeit, jedoch ist die Datenlage noch nicht abschließend.

Verwandte Codes

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.