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Hörsturz (Plötzlicher sensorineuraler Hörverlust) – Diagnostik, Differenzialdiagnostik & Therapie‑Standard

Stärkste Quellenart: Beobachtungs- oder Vergleichsstudie
  • Beobachtungs- oder Vergleichsstudie: 1
  • Übersichtsarbeit: 4

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

HOS-019783

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Der plötzliche Hörsturz ist ein akuter sensorineurales Hörverlustereignis, das innerhalb von 72 Stunden auftritt und häufig mit begleitendem Tinnitus sowie Druckempfindlichkeit im betroffenen Ohr einhergeht. Epidemiologische Daten zeigen, dass er vorwiegend im mittleren Lebensalter auftritt, wobei eine leicht höhere Inzidenz bei Männern beobachtet wird. Trotz seiner relativen Seltenheit hat der Hörsturz aufgrund des potenziellen dauerhaften Hörverlusts und der damit verbundenen Beeinträchtigung der Lebensqualität eine hohe klinische Relevanz.

Klinisches Erscheinungsbild

Typisch ist ein plötzlich auftretender, meist einseitiger Hörverlust, der häufig von einem hohen‑frequenten Tinnitus begleitet wird. Patienten berichten zudem oft über Druck- oder Völlegefühl im betroffenen Ohr. Der Verlauf kann variabel sein: Während manche Patienten bereits innerhalb weniger Tage eine teilweise Besserung erfahren, bleibt bei anderen das Hördefizit dauerhaft bestehen. Die Symptomatik ist in der Regel akut und ohne erkennbare prodromale Phase.

Diagnostik

Die Anamnese fokussiert auf den plötzlichen Beginn des Hörverlusts, die Unilateralität sowie begleitende Symptome wie Tinnitus und Ohrdruck. Eine otoskopische Untersuchung dient dem Ausschluss von äußeren oder mittelohrseitigen Pathologien. Das audiologische Screening umfasst eine reine Ton‑Audiometrie, um das Ausmaß und die Frequenzverteilung des Hörverlusts zu quantifizieren. Zusätzlich wird ein Tympanogramm erstellt, um Mittelohrfunktionen zu beurteilen. Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie des Innenohrs werden bei atypischen Befunden oder Verdacht auf retrocochleäre Ursachen empfohlen. Die Diagnose basiert primär auf dem klinischen Bild und den audiologischen Befunden.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen akute Otitis media, Labyrinthitis, vestibuläre Migräne mit auditorischer Beteiligung sowie plötzlich auftretende sensorineurale Hörverluste infolge von vaskulären Ereignissen oder Tumoren des Innenohrs (z. B. Akustikusneurinom). Bei Verdacht auf autoimmune Prozesse muss eine differenzierte serologische Abklärung erfolgen. Die Unilateralität und das Fehlen von Entzündungszeichen im Ohr unterstützen die Differenzierung zum Hörsturz.

Therapie

Die leitliniengerechte Standardtherapie besteht aus einer kurzfristigen systemischen Kortikosteroidbehandlung, die möglichst innerhalb der ersten 72 Stunden nach Auftreten des Symptoms initiiert wird. Zusätzlich kann eine lokale intratympanale Steroidinjektion in Erwägung gezogen werden, wenn ein kontrastrahmen Therapieversagen vorliegt oder systemische Kontraindikationen bestehen. Unterstützende Maßnahmen umfassen die Vermeidung von ototoxischen Substanzen und das Angebot einer audiologischen Rehabilitation bei persistierendem Hörverlust.

Besondere Populationen

Bei schwangeren Patientinnen wird eine sorgfältige Risiko‑Nutzen-Abwägung der Kortikosteroidtherapie empfohlen; in vielen Fällen wird dennoch ein vorsichtiger systemischer Ansatz gewählt. Bei Kindern ist die Diagnose aufgrund begrenzter Kommunikationsfähigkeit schwieriger, jedoch gelten ähnliche therapeutische Prinzipien. Ältere Patienten benötigen häufig Anpassungen hinsichtlich möglicher Komorbiditäten und Medikamenteninteraktionen. Bei Vorliegen einer signifikanten Nieren‑ oder Leberinsuffizienz sollte die Dosierung von systemischen Steroiden entsprechend angepasst werden.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Seltene Konstellationen, wie ein wiederholter Hörsturz im gleichen Ohr oder bilaterale Auftreten, wurden in Einzelfallberichten beschrieben, jedoch fehlt eine belastbare Evidenz für spezifische Therapieanpassungen. Aktuelle Untersuchungen prüfen die Wirksamkeit von antiviralen Kombinationen und neuroprotectiven Substanzen; bisher gibt es jedoch keine eindeutige Empfehlung aufgrund widersprüchlicher Ergebnisse.

Verwandte Codes

Zu diesem Kapitel liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.