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Lichen planus (ICD‑10 L43): Diagnostik, Differenzialdiagnostik und Therapie‑Standard

Stärkste Quellenart: Systematische Übersicht oder Metaanalyse
  • Systematische Übersicht oder Metaanalyse: 1
  • Übersichtsarbeit: 4

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

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In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Lichen planus ist eine chronisch‑entzündliche, immunvermittelte Dermatosis, die Haut, Schleimhäute und Anhangsgewebe betreffen kann. Die Prävalenz variiert je nach Manifestationsform; orale Lichen‑planus wird weltweit mit einer Prävalenz von etwa 1 % berichtet. Das Krankheitsbild ist klinisch relevant wegen möglicher Schmerzen, Funktionsbeeinträchtigungen (z. B. beim Essen bei oraler Beteiligung) und eines geringen Risikos für maligne Transformation insbesondere im oralen Bereich.

Klinisches Erscheinungsbild

Typische Leitsymptome sind violace‑farbene, polygonale Papeln mit weißlichen Wickelstrichen („Wickelfolie“), die häufig am Handgelenk, Unterarm und Sprunggelenk auftreten. Beim oralen Lichen planus zeigen sich retikuläre, erosive oder atrophische Muster auf der Mundschleimhaut; Schmerzen beim Essen sind besonders bei erosiven Läsionen üblich. Die kutane Form verläuft meist chronisch‑rezidivierend, während die Schleimhautformen zu persistierenden Beschwerden führen können. Lichen planus pigmentosus präsentiert sich mit braunen bis grauen Hyperpigmentierungen vorwiegend im Gesichts- und Dekolletébereich.

Diagnostik

Die Anamnese fokussiert auf Dauer, Ausbreitung und mögliche Trigger (z. B. Medikamente, Hepatitis‑C). Klinisch wird die typische Morphologie beurteilt; bei Unsicherheit kann eine Haut‑ bzw. Mukosa‑Biopsie mit histopathologischer Bestätigung (hyperkeratotische Epidermis, bandförmige Lymphozyteninfiltrate) erfolgen. Laboruntersuchungen dienen primär dem Ausschluss von Differenzialdiagnosen und der Abklärung möglicher Assoziationen (z. B. Hepatitis‑C-Serologie). Es liegen keine spezifischen Labormarker für Lichen planus vor.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen kutane Lupus erythematodes, Psoriasis vulgaris, chronische Dermatitis und Pemphigoid bei Hautläsionen. Bei oraler Beteiligung sind aphthöse Stomatitis, mukokutane Candidiasis und orale Leukoplakie zu berücksichtigen. Histopathologisch unterscheiden sich die bandförmige Lymphozyteninfiltrate des Lichen planus von den subepidermalen Ablagerungen bei Pemphigoid oder den neutrophilen Infiltraten bei Psoriasis.

Therapie

Die leitliniengerechte Standardtherapie richtet sich nach Ausdehnung und Schweregrad. Topische Kortikosteroide bilden die Basisbehandlung für kutane und mukale Läsionen, wobei die Potenz an die betroffene Lokalisation angepasst wird. Bei unzureichendem Ansprechen oder ausgedehnten Formen kommen systemische Optionen zum Einsatz, darunter Immunsuppressiva und neuere zielgerichtete Therapien wie Janus‑Kinase‑Inhibitoren, deren Wirksamkeit in aktuellen Übersichtsarbeiten beschrieben wird. Zusätzlich können phototherapeutische Verfahren (z. B. PUVA) bei extensiver kutaner Beteiligung hilfreich sein. Eine konsequente Mundhygiene und ggf. symptomatische Schmerztherapie sind bei oraler Manifestation wichtig.

Besondere Populationen

Bei Schwangeren besteht ein erhöhtes Risiko für Fehlentwicklungen bei systemischer Therapie; daher wird bevorzugt eine topische Behandlung eingesetzt, wobei die Sicherheit der jeweiligen Substanz zu berücksichtigen ist. Kinder zeigen seltener schwere Verläufe, jedoch sollten Dosierungen altersgerecht angepasst werden. Ältere Patienten benötigen aufgrund möglicher Komorbiditäten und Polypharmazie häufig eine vorsichtige Dosisanpassung von systemischen Medikamenten. Bei Nieren‑ oder Leberinsuffizienz ist die Pharmakokinetik immunsuppressiver Mittel zu beachten, sodass ggf. alternative Therapien bevorzugt werden.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Seltene Formen wie Lichen planopilaris und frontale fibrosierende Alopezie weisen spezifische klinische Merkmale auf und erfordern häufig eine Kombination aus topischer Therapie und systemischen Immunmodulatoren. Aktuelle Übersichtsarbeiten betonen das Potenzial von Janus‑Kinase‑Inhibitoren, sowohl hinsichtlich Pathogenese als auch therapeutischer Anwendung, wobei jedoch noch weitere randomisierte Studien zur Bestätigung der Wirksamkeit und Sicherheit notwendig sind.

Verwandte Codes

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.