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Neonatale Diarrhö – Diagnostik, Differenzialdiagnosen und Therapie‑Standard (ICD‑10 P78.3)
Stärkste Quellenart: Leitlinie oder Konsensus
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In diesem Artikel
Übersicht
Neonataler Durchfall bezeichnet wässrige Stühle bei Neugeborenen und Frühgeborenen im ersten Lebensmonat. Die Inzidenz variiert stark je nach Setting; in hochentwickelten Ländern liegt sie unter 5 % der Säuglinge, während in ressourcenarmen Regionen Prävalenzraten von bis zu 20 % berichtet werden. Klinisch relevant ist die mögliche Dehydratation und das Risiko für Elektrolytstörungen, insbesondere bei Frühgeborenen mit eingeschränkter Nierenfunktion. Der Durchfall kann akut (weniger als 14 Tage) oder chronisch (länger) auftreten und ist häufig multifaktoriell bedingt.
Klinisches Erscheinungsbild
Typische Leitsymptome sind vermehrte Stuhlfrequenz, wässrige Konsistenz und ein möglicher unangenehmer Geruch. Begleitende Befunde können Gewichtsverlust, verminderte Urinausscheidung und Zeichen einer Dehydratation (Trockenschleimhäute, Tachykardie, Hautturgor) sein. Der Verlauf ist häufig plötzlich beginnend, kann jedoch bei chronischen Formen über mehrere Wochen anhalten. In vielen Fällen lässt sich kein pathologischer Befund im Abdomen finden; das Abdomen ist weich und nicht druckschmerzhaft.
Diagnostik
Die Anamnese fokussiert auf Still- bzw. Flaschenernährung, kürzlich erfolgte Antibiotikagabe, Kontakt zu infektiösen Personen sowie mögliche Risikofaktoren wie Frühgeburtlichkeit oder angeborene Fehlbildungen des Gastrointestinaltrakts. Die körperliche Untersuchung prüft Hydratationsstatus und Zeichen einer systemischen Erkrankung. Laboruntersuchungen umfassen Elektrolytbestimmung, Blutgasanalyse zur Bewertung von Azidose sowie Stuhlkulturen bei Verdacht auf infektiöse Erreger. Bildgebende Verfahren (Ultraschall) werden nur bei Hinweisen auf strukturelle Anomalien eingesetzt. Die Diagnose wird gestellt, wenn wässrige Stühle > 3‑4 mal/Tag über mindestens 24 Stunden vorliegen und andere Ursachen ausgeschlossen sind.
Differenzialdiagnosen
Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen:
- Infektiöser Durchfall (bakteriell, viral, parasitär) – meist mit Fieber, Blut im Stuhl oder spezifischen Erregernachweisen.
- Laktoseintoleranz – häufig nach Antibiotikatherapie; Nachweis durch Wasserstoffatemtest.
- Malabsorption bei kurzdarmigen Syndromen – assoziiert mit steatorrehäuschem Stuhl und Gewichtsverlust.
- Medikamenteninduzierter Durchfall (z. B. Antibiotika, Protonenpumpeninhibitoren).
- Immundefekte oder angeborene Stoffwechselstörungen – selten, aber bei persistierendem Verlauf zu berücksichtigen.
Therapie
Die leitliniengerechte Standardtherapie fokussiert zunächst auf die Wiederherstellung des Flüssigkeits- und Elektrolytgleichgewichts. Orale Rehydrationslösungen (ORS) mit geeigneter Osmolarität sind bevorzugt; intravenöse Flüssigkeit wird bei schwerer Dehydratation oder Unfähigkeit zur oralen Aufnahme eingesetzt. Zusätzlich wird eine probiotische Supplementierung empfohlen, insbesondere Stämme von Bifidobacteria, die in mehreren Studien eine Reduktion der Durchfalldauer und -häufigkeit gezeigt haben. Die Auswahl des Probiotikums orientiert sich an den Evidenzdaten zu Bifidobakterien‑basierten Präparaten. Bei nachgewiesenen infektiösen Erregern wird eine gezielte antimikrobielle Therapie nach mikrobiologischer Diagnostik eingeleitet. Ernährungstechnisch bleibt das Stillen bevorzugt, da Muttermilch immunmodulierende Komponenten enthält und die Darmflora positiv beeinflusst.
Besondere Populationen
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Sonderfälle & aktuelle Studienlage
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Verwandte Codes
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