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Placenta accreta – Diagnostik, Differenzialdiagnostik & Therapie‑Standard (ICD‑10 O43.20)
Stärkste Quellenart: Systematische Übersicht oder Metaanalyse
- Systematische Übersicht oder Metaanalyse: 2
- Beobachtungs- oder Vergleichsstudie: 1
- Übersichtsarbeit: 2
Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.
In diesem Artikel
Übersicht
Placenta accreta bezeichnet das pathologische Eindringen des Chorions in die myometriale Schicht ohne interstitielle Trennschicht, häufig im Kontext einer Placenta previa oder nach uterinen Narben. Die Inzidenz ist mit steigender Zahl von Kaiserschnittentbindungen und uterinen Eingriffen kontinuierlich gestiegen; aktuelle Metaanalysen zeigen eine signifikante Zunahme in den letzten Jahrzehnten. Klinisch relevant ist das hohe Risiko für massive postpartale Blutungen, die zu Morbidität und Mortalität der Mutter beitragen.
Klinisches Erscheinungsbild
Patientinnen mit Placenta accreta präsentieren sich häufig asymptomatisch im Rahmen routinemäßiger Schwangerschaftsvorsorge. Typische Befunde sind eine placenta previa in Kombination mit einer stark vaskularisierten Subchorionfläche oder das Fehlen einer klaren Myometrium‑Grenze bei Ultraschall. In fortgeschrittenen Fällen kann es zu vorzeitigen Blutungen, Schmerzen oder uterinen Kontraktionen kommen, die jedoch nicht spezifisch für das Syndrom sind.
Diagnostik
Die Anamnese fokussiert auf vorherige Kaiserschnitte, Myomektomien oder andere uterine Eingriffe sowie auf das Vorhandensein einer Placenta previa. Die körperliche Untersuchung liefert selten direkte Hinweise; die Bildgebung ist zentral. Transvaginale Ultraschalluntersuchungen mit Doppler‑Technik zeigen charakteristische Zeichen wie loss of the retroplacental clear zone, placental lacunae und hypervascularisierte myometriale Schnittstellen. Ergänzend kann ein Magnetresonanztomogramm (MRT) eingesetzt werden, um die Tiefe des Myometriuminfiltrationsgrades genauer zu bestimmen, insbesondere bei unklaren Ultraschalldaten. Die Diagnose basiert auf dem Zusammenspiel von klinischer Anamnese und bildgebenden Kriterien; histopathologische Bestätigung erfolgt meist postpartal.
Differenzialdiagnosen
Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen Placenta previa ohne Invasion, vasa praevia, uterine Ruptur nach vorheriger Narbenbildung sowie intrauterine Blutungen anderer Ätiologie. Bei Placenta previa fehlt das invasive Myometrium‑Muster; vasa praevia zeigt gefäßbasierte Doppler‑Signale oberhalb der Membranen ohne chorionische Invasion. Eine uterine Ruptur ist durch akute Schmerzen und freie Flüssigkeit im Peritoneum gekennzeichnet, nicht jedoch durch die typischen Ultraschallzeichen einer Placenta accreta.
Therapie
Die leitliniengerechte Therapie orientiert sich an einem multidisziplinären Ansatz, der Gynäkologie, Anästhesie, Radiologie und ggf. Intensivmedizin einbezieht. Der Standard besteht aus einer geplanten Kaiserschnittentbindung im 34‑ bis 36‑Wochen-Stadium, gefolgt von einer hysterektomie ohne vorherige uterine Konservierung, um das Risiko massiver Blutungen zu minimieren. In ausgewählten Fällen kann eine konservative Therapie mit Erhalt der Gebärmutter versucht werden, wobei adjunctive Maßnahmen wie prophylaktische Ballonkatheter in den internal iliac arteries oder intraoperative Tranexamsäure‑Applikation zum Einsatz kommen können. Die Wahl des Vorgehens richtet sich nach dem Ausmaß der Myometriuminvasion, der Wunschnachkommenschaft und dem klinischen Gesamtzustand.
Besondere Populationen
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Verwandte Codes
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