Wissensartikel · DE
Schenkelblock (I44.7) – Diagnostik, Differenzialdiagnostik & Therapie‑Standard
Stärkste Quellenart: Übersichtsarbeit
- Übersichtsarbeit: 1
- Fallbericht oder Meinungsbeitrag: 3
- Fachartikel ohne Angabe des Studientyps: 1
Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.
In diesem Artikel
Übersicht
Ein Schenkelblock bezeichnet eine Störung der intraventrikulären Erregungsleitung, bei der die Weiterleitung des Aktionspotenzials über den rechten oder linken Säulenstrang verzögert oder blockiert ist. Epidemiologisch treten rechtschädelige und linkscheitelige Blockaden häufig im Kontext struktureller Herzerkrankungen, insbesondere koronarer Herzkrankheit, Hypertrophie oder kardialen Degenerationen auf. Klinisch kann ein Schenkelblock das EKG‑Muster verändern, die Diagnostik von akuten Koronarsyndromen erschweren und das Risiko für AV-Block oder Synkopen erhöhen.
Klinisches Erscheinungsbild
Typische Leitsymptome sind unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Belastungsintoleranz oder Palpitationen. In akuten Kontexten kann ein plötzlich auftretender Schenkelblock mit Brustschmerz und ST‑Segment-Veränderungen assoziiert sein, was die Differenzierung von Myokardinfarkt erschwert. Patienten mit rechtschädeligem Block zeigen ein charakteristisches QRS‑Muster mit breitem R‑Komplex in den Ableitungen V1–V2, während ein linkschädeliger Block durch breite, slurartige S‑Wellen in den lateralen Ableitungen gekennzeichnet ist. Bei Belastung können sich vorübergehend neue Blockaden manifestieren, etwa ein belastungsinduziertes linkschädeliges Muster bei Synkopen.
Diagnostik
Die Anamnese fokussiert auf kardiale Risikofaktoren, vorherige Infarkte und episodische Synkopen. Das 12‑Kanal-EKG ist das zentrale diagnostische Werkzeug; die Morphologie des QRS-Komplexes ermöglicht die Unterscheidung von rechts- bzw. linkschädeligen Blockaden sowie deren Kombination mit AV‑Block. In ambulanter Situation wird häufig eine Belastungs-EKG-Untersuchung eingesetzt, um belastungsinduzierte Blockmuster aufzudecken. Bildgebende Verfahren (Echokardiographie, kardiale Magnetresonanztomografie) dienen der Abklärung struktureller Herzerkrankungen, die dem Schenkelblock zugrunde liegen können. Laborparameter zur Ausschlussdiagnostik von Myokardischämie (Troponin, CK‑MB) sind bei akuter Präsentation obligatorisch.
Differenzialdiagnosen
Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen:
- Akuter Myokardinfarkt mit sekundärem Schenkelblock (insbesondere linkschädeliger Block)
- Präexzitatorische Tachykardien, die ein breites QRS erzeugen können
- Ventricular Pre‑Excitation (z. B. WPW‑Syndrom) mit ähnlichen EKG-Mustern
- Hypertrophe Kardiomyopathie, bei der Blockaden häufig auftreten
Die Unterscheidung erfolgt primär über das EKG‑Muster, die klinische Präsentation und ergänzende Bildgebung.
Therapie
Eine leitliniengerechte Therapie richtet sich nach dem zugrunde liegenden kardialen Befund. Bei akutem Koronarsyndrom mit Schenkelblock wird eine sofortige reperfusionstherapeutische Maßnahme empfohlen, da der Block das Risiko für Komplikationen erhöht. Chronisch stabile Patienten erhalten meist eine optimierte kardiovaskuläre Prävention (Blutdruckkontrolle, Lipidsenkung, Lebensstilmodifikation). Bei symptomatischen Synkopen im Zusammenhang mit intermittierendem AV‑Block kann ein Schrittmacherimplantat indiziert sein. Die Entscheidung für devicebasierte Therapie basiert auf dem Ausmaß der Leitungsstörung und dem Vorhandensein von Hochrisikofaktoren.
Besondere Populationen
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Sonderfälle & aktuelle Studienlage
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Verwandte Codes
Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.
Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.