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Süßstoffe

Stärkste Quellenart: Übersichtsarbeit
  • Übersichtsarbeit: 1
  • Fallbericht oder Meinungsbeitrag: 2
  • Fachartikel ohne Angabe des Studientyps: 2

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

HOS-042117

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Physiologie & Grundlagen
  3. Evidenzlage
  4. Anwendung & Empfehlungen
  5. Risiken & Wechselwirkungen
  6. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  7. Verwandte Codes

Übersicht

Süßstoffe gehören zu den nicht‑nutritiven Lebensmittelzusatzstoffen, die zur Geschmacksverbesserung von Lebensmitteln und Getränken eingesetzt werden, ohne signifikante Kalorien beizutragen. Sie umfassen sowohl kalorienfreie Substanzen (z. B. Aspartam, Sucralose) als auch niedrig‑kalorische Verbindungen (z. B. Acesulfam‑K). In der klinischen Praxis sind Süßstoffe relevant für Patienten mit Übergewicht, Diabetes mellitus, chronischer Nierenerkrankung und kardiovaskulären Risikofaktoren, da sie häufig als Alternative zu Zucker empfohlen werden.

Physiologie & Grundlagen

Süßstoffe werden im Gastrointestinaltrakt kaum metabolisiert; die meisten werden unverändert ausgeschieden oder nur partiell hydrolysiert (z. B. Aspartam zu Phenylalanin und Asparaginsäure). Der tägliche Referenzwert (Acceptable Daily Intake, ADI) wird von EFSA und WHO für jede Substanz festgelegt und liegt typischerweise im Bereich von 2–40 mg kg⁻¹ Körpergewicht. Ein physiologischer Bedarf existiert nicht, da Süßstoffe keine essenziellen Nährstoffe darstellen. Bei Überschreitung des ADI gibt es bislang keine konsistente Evidenz für akute Toxizität; jedoch können langfristige Effekte bei chronisch hohen Aufnahmen diskutiert werden.

Evidenzlage

Randomisierte kontrollierte Studien (RCT) zu Süßstoffen zeigen, dass der Ersatz von Zucker durch kalorienfreie Süßstoffe kurzfristig das Körpergewicht und die glykämische Kontrolle verbessern kann. Metaanalysen bestätigen eine moderate Gewichtsreduktion von etwa 0,5 kg über 6‑12 Monate bei adipösen Erwachsenen. Beobachtungsstudien hingegen berichten Assoziationen zwischen hohem Süßstoffkonsum und erhöhtem Risiko für chronische Nierenerkrankungen sowie kardiovaskuläre Ereignisse; diese Zusammenhänge sind jedoch nicht durch RCT belegt und könnten durch Residualconfounding erklärt werden. Aktuelle Kohortenanalysen deuten zudem auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Süßstoffen und einer gesteigerten Inzidenz von Typ‑2-Diabetes, wobei die Evidenzlage hier als schwach einzustufen ist.

Anwendung & Empfehlungen

Die DGE empfiehlt den moderaten Einsatz von kalorienfreien Süßstoffen als Teil eines insgesamt zuckerarmen Ernährungsplans, insbesondere bei Patienten mit Diabetes oder adipösen Personen. Der ADI darf nicht überschritten werden; für Aspartam liegt er beispielsweise bei 40 mg kg⁻¹ Körpergewicht pro Tag. Praktisch bedeutet dies, dass ein durchschnittlicher Erwachsener (70 kg) bis zu 2,8 g Aspartam täglich konsumieren kann – das entspricht etwa dem Süßungsgrad von 20‑30 Light-Getränken. Die EFSA betont, dass süßstoffbasierte Produkte nicht als alleinige Strategie zur Gewichtsreduktion verwendet werden sollten, sondern im Kontext einer insgesamt kalorienreduzierten Ernährung.

Risiken & Wechselwirkungen

Bei Patienten mit Phenylketonurie ist Aspartam kontraindiziert, da es Phenylalanin freisetzt. Hohe Süßstoffaufnahmen können die Darmmikrobiota beeinflussen; experimentelle Daten zeigen Veränderungen in der Zusammensetzung von Bakteriengattungen, deren klinische Bedeutung jedoch noch nicht geklärt ist. Es gibt Hinweise auf mögliche Wechselwirkungen mit oralen Antidiabetika (z. B. Sulfonylharnstoffe), da Süßstoffe die Glukoseabsorption modulieren können, was eine engere Blutzuckerkontrolle erforderlich macht. Bei chronischer Nierenerkrankung sollte der Gesamtkonsum von Süßstoffen aufgrund der Assoziation mit einem erhöhten CKD-Risiko kritisch beurteilt werden.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Bei schwangeren Frauen wird ein moderater Konsum von zugelassenen Süßstoffen als sicher eingestuft, solange der ADI nicht überschritten wird; jedoch fehlt Langzeit‑RCT-Daten zur fetalen Entwicklung. Kinder und Jugendliche sollten aufgrund ihres geringeren Körpergewichts niedrigere absolute Mengen aufnehmen; die EFSA empfiehlt, den Konsum auf das notwendige Maß zu beschränken. Sportler nutzen Süßstoffe häufig in energiereichen Getränken; aktuelle Studien zeigen keinen Nachteil hinsichtlich Leistungsfähigkeit, jedoch bleibt die langfristige Wirkung auf die Mikrobiota und den Metabolismus unklar.

Verwandte Codes

Zugehörige ICD‑10-Codes können je nach Indikation variieren, z. B. E66 (Adipositas), E11 (Typ‑2-Diabetes) oder N18 (Chronische Nierenerkrankung).

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.