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Tinea pedis – Diagnostik, Differenzialdiagnosen und Therapie‑Standard (ICD‑10 B35.3)

Stärkste Quellenart: Übersichtsarbeit
  • Übersichtsarbeit: 5

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

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In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Tinea pedis, umgangssprachlich als Fußpilz bezeichnet, ist eine häufige kutane Dermatophytose, die durch keratinophile Pilze der Gattungen Trichophyton, Epidermophyton und Microsporum verursacht wird. Die Prävalenz liegt weltweit im einstelligen Prozentbereich, wobei höhere Inzidenzraten in warmen, feuchten Klimazonen sowie bei Personen mit vermehrtem Fußschweiß oder geschlossenen Schuhwerk beobachtet werden. Klinisch relevant ist die Erkrankung wegen ihrer hohen Rekurrenzrate, des Risikos sekundärer bakterieller Superinfektionen und der möglichen Einschränkung der Lebensqualität durch Juckreiz und unangenehmen Geruch.

Klinisches Erscheinungsbild

Typische Leitsymptome sind pruritus, Brennen und ein unangenehmer Geruch. Der Befund variiert je nach klinischem Typ:

  • Interdigitaler Typ zeigt makulär‑erosive Läsionen mit schuppiger Ränderbildung zwischen den Zehen, häufig begleitet von sekundärer Bakterienkolonisation.
  • Mokassin‑Typ manifestiert sich als hyperkeratöse, schuppige Plaques an den Fußsohlen und seitlichen Randbereichen des Vorfußes.
  • Vulgaris‑Typ (hyperkeratös‑exkretierend) präsentiert sich mit stark verdickter Hornschicht, Rissen und nässenden Bereichen, häufig an der Ferse.

Der Verlauf ist in der Regel chronisch‑rezidivierend; akute Exazerbationen können durch Feuchtigkeitsansammlungen oder mechanische Reizung ausgelöst werden.

Diagnostik

Die Anamnese fokussiert auf Risikofaktoren wie häufiges Schwitzen, enge Schuhe, gemeinschaftliche Duschen sowie vorherige Pilzinfektionen. Klinisch wird die Läsion anhand ihrer Morphologie und Lokalisation beurteilt. Zur Sicherstellung der Diagnose kann eine direkte mikroskopische Untersuchung von Hautschuppen mit Kaliumhydroxid‑Vorbereitung durchgeführt werden; das Vorhandensein hyphöider Elemente bestätigt einen Dermatophytenbefall. Kultur auf Sabouraud‑Agar ermöglicht die Artbestimmung, ist jedoch nicht zwingend erforderlich für die initiale Therapie. In Fällen unklarer Befunde oder Verdacht auf atypische Erreger kann eine histopathologische Untersuchung in Erwägung gezogen werden.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen:

  • Intertrigo (bakteriell oder Candida‑bedingt), die meist stärker erythematös und weniger schuppig ist.
  • Dyshidrose, gekennzeichnet durch stark juckende, seröse Vesikel an den Hand- und Fußseiten.
  • Psoriasis palmaris/plantaris, die typischerweise silbrig‑weiße Schuppen mit klaren Randverläufen aufweist.
  • Kontaktdermatitis, bei der ein klarer Auslöser (Allergen, Irritant) identifizierbar ist und die Läsionen oft eitrig sind.

Die Unterscheidung erfolgt primär über das klinische Bild sowie mikrobiologische Befunde.

Therapie

Leitliniengerechte Therapie richtet sich nach dem klinischen Typ und Schweregrad. Die Grundstrategie besteht aus topischer Antimykotika, die in Form von Cremes, Lotionen oder Lösungen appliziert werden und eine fungizide bzw. fungistatische Wirkung entfalten. Bei ausgeprägter Hyperkeratose wird häufig eine mechanische Hornhautreduktion (z. B. Abschleifen) vor der medikamentösen Behandlung empfohlen, um die Penetration des Wirkstoffs zu verbessern. In rezidivierenden oder ausgedehnten Fällen kann eine systemische Therapie mit oralen Antimykotika indiziert sein; diese wird nach individueller Risikobewertung und unter Berücksichtigung von Leber- und Nierenfunktion eingesetzt. Zusätzlich sollten präventive Maßnahmen wie das Tragen atmungsaktiver Schuhe, regelmäßiges Fußtrocknen und das Wechseln von Socken täglich betont werden.

Besondere Populationen

Schwangere: Aufgrund begrenzter Datenlage wird eine topische Therapie bevorzugt; systemische Antimykotika sollten nur nach sorgfältiger Nutzen‑Risiko-Abwägung eingesetzt werden. Kinder: Topische Präparate sind ebenfalls die erste Wahl; Dosierung und Anwendungsdauer orientieren sich an dem klinischen Ansprechen. Ältere Menschen: Bei bestehender Polypharmazie ist auf mögliche Wechselwirkungen mit systemischen Antimykotika zu achten; topische Therapie bleibt bevorzugt. Patienten mit eingeschränkter Leber‑ oder Nierenfunktion: Systemische Optionen erfordern eine Dosisanpassung bzw. engmaschige Laborüberwachung; topische Behandlung wird nach Möglichkeit favorisiert.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Bei diabetischen Patienten besteht ein erhöhtes Risiko für bakterielle Superinfektionen, insbesondere Cellulitis, die parallel zur Antimykotika‑Therapie mit antibakteriellen Maßnahmen behandelt werden muss. Aktuelle Reviews betonen die Notwendigkeit einer kombinierten Therapie bei gleichzeitiger bakterieller Beteiligung. Neuere Studien aus dem Jahr 2024 zeigen, dass eine Kombination aus topischer Therapie und regelmäßiger Fußhygiene die Rezidivrate signifikant senken kann, wobei weitere randomisierte kontrollierte Studien zur optimalen Dauer der Behandlung noch ausstehen.

Verwandte Codes

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.