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Acne vulgaris (L70) – Diagnostik, Differenzialdiagnosen & Therapie‑Standard (Stufe 2)

Stärkste Quellenart: Systematische Übersicht oder Metaanalyse
  • Systematische Übersicht oder Metaanalyse: 2
  • Übersichtsarbeit: 2

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

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In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Acne vulgaris ist eine chronisch‑entzündliche Erkrankung der Pilzdrüse, die vorwiegend im Jugendalter auftritt, aber auch bei Erwachsenen verbreitet ist. Die Prävalenz liegt weltweit bei etwa 80 % der Jugendlichen; in Deutschland wird ein ähnlicher Anteil beobachtet. Neben kosmetischen Beeinträchtigungen kann die Erkrankung zu signifikanten psychischen Belastungen und einer verminderten Lebensqualität führen, was ihre klinische Relevanz unterstreicht.

Klinisches Erscheinungsbild

Typisch für Acne vulgaris sind komedonale Läsionen (offene – Mitesser, geschlossene – Whiteheads), papulöse und pustuläre Entzündungen sowie in schwereren Verläufen nodulokystische Formationen. Die Läsionen treten bevorzugt im Gesicht, am oberen Rücken und an der Brust auf. Der Krankheitsverlauf ist häufig schubweise: Phasen mit aktiver Entzündung wechseln sich mit Remissionsphasen ab. Bei unbehandelten schweren Formen kann es zu Narbenbildung kommen.

Diagnostik

Die Diagnose beruht primär auf einer gründlichen Anamnese und klinischen Untersuchung. Wichtige anamnestische Punkte umfassen das Auftreten, die Dauer und den Verlauf der Läsionen, Triggerfaktoren (z. B. hormonelle Schwankungen, Ernährung, Stress) sowie Vorangehensbehandlungen. Die körperliche Untersuchung fokussiert auf die Verteilung und Morphologie der Läsionen sowie das Vorhandensein von Narben. Laboruntersuchungen sind in der Regel nicht erforderlich, können jedoch bei Verdacht auf sekundäre Infektionen oder hormonelle Ursachen indiziert sein (z. B. Androgentest). Die Diagnosekriterien basieren auf dem Vorhandensein typischer Komedonen und entzündlicher Läsionen ohne alternative Erklärung.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen:

  • Rosazea: vorwiegend erythematöse Gesichtshaut mit Papeln, jedoch keine Komedonen.
  • Periorale Dermatitis: papulopustulöses Exanthem um Mund und Nase, häufig medikamenteninduziert.
  • Follikulitis: rein bakterielle Entzündung der Haarfollikel ohne komedonale Basis.
  • Milien: kleine, periphere Zysten ohne entzündliche Komponente.

Therapie

Die therapeutische Strategie orientiert sich an dem Schweregrad und den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Leitliniengerechte Standardtherapie kombiniert topische und orale Maßnahmen, wobei die Auswahl von der Läsionsart (komedonal vs. entzündlich) abhängt. Topische Präparate zielen auf die Reduktion von Propionibacterium acnes, die Normalisierung der Keratinisation und die Entzündungshemmung ab. Orale Therapie wird bei moderaten bis schweren Formen eingesetzt, insbesondere wenn entzündliche Läsionen dominieren oder topische Maßnahmen unzureichend sind. Ergänzend können physikalische Verfahren (z. B. Lichttherapie) als Adjuvanz verwendet werden.

Besondere Populationen

  • Schwangerschaft: Topische Therapien mit nachgewiesener Sicherheit werden bevorzugt; orale Retinoide und bestimmte Antibiotika sollten vermieden werden.
  • Kinder und Jugendliche: Die Therapie muss altersgerecht dosiert und auf die Verträglichkeit abgestimmt sein; nicht‑medikamentöse Maßnahmen (Hautreinigung, Lebensstil) spielen eine wichtige Rolle.
  • Ältere Patienten: Hauttrockenheit und comorbide Erkrankungen erfordern angepasste Pflegeprodukte und ggf. geringere Dosierungen.
  • Nieren‑/Leberinsuffizienz: Bei eingeschränkter Organfunktion ist Vorsicht bei systemischen Medikamenten geboten; eine Dosisanpassung oder alternative Therapie kann notwendig sein.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Aktuelle Netzwerk‑Meta‑Analysen zeigen, dass Kombinationstherapien (topisch + oral) gegenüber Monotherapien häufig bessere klinische Ergebnisse erzielen. Systematische Übersichtsarbeiten betonen zudem die Rolle von Mikronährstoffen, insbesondere Zink, wobei eine ergänzende Zinktherapie bei ausgewählten Patienten zu einer moderaten Verbesserung führen kann. Die Pathogenese wird zunehmend als multifaktoriell verstanden: neben hormonellen und bakteriologischen Aspekten spielt die Störung der Hautbarriere eine zentrale Rolle, was neue therapeutische Ansatzpunkte eröffnet.

Verwandte Codes

Im ICD‑10‑Katalog finden sich benachbarte Diagnosen im Block L70‑L79, insbesondere:

  • L70.0 Akne vulgaris
  • L70.1 Acne conglobata
  • L70.2 Acne fulminans

Diese Codes dienen der differenzierten Kodierung je nach klinischem Bild.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.