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Peritoneum‑Neoplasien (ICD‑10 D20.1): Differenzialdiagnostik und Therapie‑Standard

Stärkste Quellenart: Systematische Übersicht oder Metaanalyse
  • Systematische Übersicht oder Metaanalyse: 1
  • Übersichtsarbeit: 4

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

HOS-008141

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Das Peritoneum ist eine seröse Membran, die den Bauchraum auskleidet und die intra‑abdominellen Organe umschließt. Es besteht aus einer parietalen Schicht (Bauchwand) und einer viszeralen Schicht (Organoberflächen), die über das Peritoneal‑Faltenwerk miteinander verbunden sind. Die Oberfläche beträgt etwa 2 m² und dient als semipermeable Barriere für Flüssigkeits- und Stoffaustausch, Immunabwehr sowie mechanischen Schutz. Pathophysiologisch ist das Peritoneum zentral bei peritonalen Entzündungen, der Ausbreitung intra‑abdomineller Tumoren und bei der Durchführung von Peritonealdialyse. Epidemiologisch sind akute bakterielle Peritonitis besonders häufig bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz unter Peritonealdialyse; die Inzidenz liegt in spezialisierten Zentren bei mehreren Fällen pro 100 Patient*innen‑Jahre.

Klinisches Erscheinungsbild

Akute peritonale Prozesse präsentieren sich typischerweise mit plötzlich einsetzenden, diffusen Bauchschmerzen, abdominaler Abwehrspannung und erhöhter Körpertemperatur. Bei chronischen Entzündungen kann ein milderes Bild mit unspezifischem Unwohlsein, Gewichtsverlust und Aszites dominieren. In der Peritonealdialyse‑Patient*innenpopulation äußert sich eine Peritonitis häufig durch Trübungsgrad des Dialysat, Bauchschmerzen und Fieber. Die klinische Evolution reicht von selbstlimitierenden, milderen Verläufen bis zu septischem Schock bei fulminanter bakterieller Infektion oder perforiertem Viszeralbefund.

Diagnostik

Die Anamnese fokussiert auf Schmerzcharakter, Dauer, Risikofaktoren (z. B. Peritonealdialyse, vorherige abdominale Eingriffe) und systemische Symptome. Die körperliche Untersuchung prüft Abwehrspannung, Tympanismus und ggf. Zeichen einer lokalen Perforation. Laborbefunde umfassen Leukozytose, erhöhte C‑reaktives Protein sowie bei Peritonealdialyse‑Patient*innen die Analyse des Dialysats (Leukozytenzahl, Gram‑Färbung). Bildgebende Verfahren – insbesondere Sonographie und Computertomografie – dienen der Identifikation von Flüssigkeitsansammlungen, freien Luftblasen oder Tumorinfiltrationen. Die Diagnose einer bakteriellen Peritonitis wird in der Regel durch mikroskopische und kulturbasierte Untersuchung des Peritoneal‑Flüssigkeitsspendens gestellt; ein erhöhter Leukozytengehalt (>100 /µl) mit Neutrophilenüberschuss ist diagnostisch relevant.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen:

  • Appendizitis – lokalisierter RLQ‑Schmerz, typischerweise ohne diffuse Abwehrspannung.
  • Divertikulitis – Schmerzen im linken Unterbauch, häufig mit Divertikelnachweis im CT.
  • Cholezystitis / Pankreatitis – epigastrische bzw. rechtsseitige Schmerzlokalisation, charakteristische Laborparameter (Lipase, Bilirubin).
  • Ischämischer Darm – plötzliches, intensives Bauchweh mit möglicher Blutungsneigung und erhöhten Laktatwerten.
  • Peritoneale Karzinose – schleichender Aszites, Gewichtsverlust, häufig assoziiert mit malignen Tumoren des Gastrointestinaltrakts oder der Gynäkologie.

Therapie

Die Behandlung orientiert sich an leitliniengerechten Standards und umfasst zunächst eine breit angelegte antibiotische Therapie bei Verdacht auf bakterielle Peritonitis, angepasst nach Erregernachweis und Empfindlichkeitstest. Bei Peritonealdialyse‑Patient*innen wird die empirische Therapie innerhalb der ersten Stunden nach Diagnosestellung begonnen, gefolgt von einer gezielten Anpassung. Zusätzlich ist eine adäquate Flüssigkeits- und Elektrolytausgleichsmaßnahme erforderlich. In Fällen von sekundärer Peritonitis (z. B. perforiertes Viszeralbefund) ist ein chirurgischer Eingriff indiziert, wobei die Wahl zwischen laparoskopischem bzw. offenem Zugang nach klinischem Zustand und Erfahrung des Operateurs erfolgt. Bei peritonealen Malignitäten kann eine systemische Therapie kombiniert mit lokalen Verfahren wie intraperitonealer Chemotherapie in Erwägung gezogen werden; hierbei folgt das Vorgehen den aktuellen onkologischen Leitlinien.

Besondere Populationen

Schwangere: Die Diagnostik muss strahlenarme Methoden bevorzugen; die Therapie richtet sich nach dem Risiko für Mutter und Fetus, wobei Antibiotika mit nachgewiesener Sicherheit im Schwangerschafts‑Trimester gewählt werden. Kinder: Peritonitis bei pädiatrischen Patienten ist häufig mit Appendizitis assoziiert; die Behandlung erfolgt analog zu Erwachsenen, jedoch mit kindgerechten Dosierungen und ggf. angepassten chirurgischen Techniken. Ältere: Komorbiditäten erhöhen das Risiko für komplikative Verläufe; eine engmaschige Überwachung und frühzeitige Therapieanpassung sind essenziell. Nieren‑/Leberinsuffizienz: Bei eingeschränkter Organfunktion muss die Dosierung von renalen bzw. hepatotoxischen Medikamenten reduziert werden, wobei die Wirksamkeit der antimikrobiellen Therapie erhalten bleiben muss.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Bei seltenen Konstellationen wie tuberkulöser Peritonitis oder peritonealer Amyloidose liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz für spezifische Therapieregime vor; die Behandlung orientiert sich an allgemeinen Prinzipien der jeweiligen Grunderkrankung. Aktuelle systematische Übersichtsarbeiten zeigen, dass laparoskopische Herniareparaturstechniken (TAPP vs. TEP) hinsichtlich postoperativer Schmerzen und Rücklaufquote vergleichbare Ergebnisse erzielen, wobei die Auswahl des Verfahrens stark vom individuellen Patientenprofil abhängt.

Verwandte Codes

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.