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Plattfuß (Q66.5) – Differenzialdiagnostik & Therapie‑Standard für die Pädiatrie

Stärkste Quellenart: Beobachtungs- oder Vergleichsstudie
  • Beobachtungs- oder Vergleichsstudie: 1
  • Übersichtsarbeit: 1

Einordnung nach dem Studientyp der zitierten Quellen laut PubMed bzw. Leitlinienregister. Sie bewertet nicht, ob einzelne Aussagen des Artikels durch diese Quellen belegt sind. Zurückgezogene und nicht bestätigte Quellenangaben zählen nicht.

HOS-010337

In diesem Artikel
  1. Übersicht
  2. Klinisches Erscheinungsbild
  3. Diagnostik
  4. Differenzialdiagnosen
  5. Therapie
  6. Besondere Populationen
  7. Sonderfälle & aktuelle Studienlage
  8. Verwandte Codes

Übersicht

Der Plattfuß (Pes planus) bezeichnet eine verminderte oder fehlende Längsgewölbeausprägung des Fußes, die sowohl angeboren als auch erworben auftreten kann. In der erwachsenen Bevölkerung ist die erworbene Form häufig mit einer posterioren tibialen Sehneninsuffizienz assoziiert und stellt einen wesentlichen Faktor für chronische Schmerzen sowie funktionelle Einschränkungen dar. Die Prävalenz variiert je nach Altersgruppe und diagnostischer Definition, wobei bei älteren Erwachsenen ein höherer Anteil von symptomatischen Fällen zu verzeichnen ist. Klinisch relevant wird der Plattfuß insbesondere dann, wenn er zu Schmerzen im Mittelfuß- oder Fersenbereich, Belastungsintoleranz und sekundären Fehlstellungen führt.

Klinisches Erscheinungsbild

Typische Leitsymptome des erworbenen Plattfußes sind mediale Fußschmerzen, die bei Belastung zunehmen, sowie ein Gefühl von Instabilität. Beim klinischen Befund zeigt sich eine abgeflachte medial-laterale Kontur des Fußgewölbes, ein nach innen gerichteter Talus (Valgusstellung) und häufig eine nach außen abweichende Calcaneusposition. Bei fortgeschrittener Sehneninsuffizienz kann es zu einer dorsalen Verlagerung des Mittel- bis Vorfußes kommen. Der Krankheitsverlauf ist meist schleichend; Schmerzen verstärken sich im Verlauf von Wochen bis Monaten, wobei akute Verschlechterungen bei Überlastung oder traumatischer Belastung auftreten können.

Diagnostik

Die Anamnese fokussiert auf chronische mediale Fußschmerzen, Belastungsabhängigkeit und mögliche Vorerkrankungen der posterioren tibialen Sehne. Die körperliche Untersuchung beinhaltet die Beurteilung des Gewölbes im Sitzen (unbelastet) versus Stehen (belastet), den „Jack-Test“ zur Provokation einer Sehneninsuffizienz sowie die Messung des mediale Longitudinalbogens. Bildgebende Verfahren, insbesondere laterale Röntgenaufnahmen im belasteten und unbelasteten Zustand, dienen der quantitativen Bewertung des Längsgewölbes und der Talusposition. In fortgeschrittenen Fällen kann ein MRT zur Darstellung von Sehnenpathologien und Begleitarthrose herangezogen werden. Die Diagnose basiert auf dem Zusammenspiel von Anamnese, klinischem Befund und bildgebenden Kriterien.

Differenzialdiagnosen

Wichtige abzugrenzende Diagnosen umfassen die flexible Hohlfußdeformität (Pes cavus), die häufig mit einer konträren Gewölbeausprägung einhergeht, sowie arthritische Veränderungen des Subtalar- oder Talonavikulargelenks, die ebenfalls zu Schmerzen im Mittelfuß führen können. Eine akute Achillessehnenruptur und eine peroneale Muskelinsuffizienz können ähnliche Beschwerden hervorrufen, unterscheiden sich jedoch durch charakteristische klinische Tests (z. B. Thompson‑Test bei Achillessehne). Bei Kindern ist die physiologische Fußgewölbeentwicklung zu berücksichtigen, um einer pathologischen Diagnose vorzubeugen.

Therapie

Die leitliniengerechte Therapie des erworbenen Plattfußes beginnt mit konservativen Maßnahmen: orthopädische Einlagen zur Unterstützung des medialen Gewölbes, Physiotherapie zur Stärkung der posterioren tibialen Sehne und Schmerzmanagement. Bei anhaltenden Beschwerden trotz optimaler konservativer Behandlung wird ein operatives Vorgehen empfohlen. Die operative Therapie im frühen Stadium fokussiert auf eine rekonstruktive Versorgungsstrategie der posterioren tibialen Sehne, häufig in Kombination mit einer subtalaren Arthrodese, um die biomechanische Stabilität wiederherzustellen. Bei kindlichen Plattfußen wird in ausgewählten Fällen eine subtalare Schraubenarthrodese eingesetzt, um die Fehlstellung zu korrigieren und das weitere Wachstum nicht zu beeinträchtigen.

Besondere Populationen

Für Schwangere liegen keine spezifischen Evidenzdaten vor; jedoch sollte bei der konservativen Therapie auf mögliche hormonell bedingte Bindegewebsveränderungen geachtet werden. Bei Kindern wird die subtalare Schraubenarthrodese als operative Option beschrieben, wobei das Alter und das Stadium des Wachstums berücksichtigt werden müssen. Ältere Patienten profitieren von einer vorsichtigen Belastungssteigerung und ggf. angepassten orthopädischen Hilfsmitteln, um Komorbiditäten wie Osteoporose zu berücksichtigen.

Sonderfälle & aktuelle Studienlage

Seltene Konstellationen, etwa ein kombinierter Plattfuß mit simultaner peronealer Muskelparalyse, erfordern eine individualisierte Therapieplanung. Aktuelle Untersuchungen betonen die Bedeutung einer frühen operativen Intervention bei fortgeschrittener Sehneninsuffizienz, um sekundäre Arthroseentwicklungen zu vermeiden; jedoch fehlt bislang konsistenter Konsens über das optimale Timing und den genauen Operationsansatz.

Verwandte Codes

Zu diesem Aspekt liegt in den geprüften Quellen keine belastbare Evidenz vor.

Gesundheitsinformationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.